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    Mainz/KairoMainzer Seelsorger trotzt Bürgerkrieg

    Der Mainzer Monsignore Joachim Schroedel will der Gewalt trotzen und in Kairo bleiben. Dort kümmert sich der Seelsorger um die Deutschsprachige Katholische Gemeinde.

    Die Gewalt geht weiter
    Demonstranten werfen in den Straßen von Kairo Steine.

    Mainz/Kairo - Brennende Bäume, randalierende Menschen und nächtliche Gewehrsalven - das gehört für Monsignore Joachim Schroedel seit einigen Tagen zum Alltag.

    Monsignore Joachim Schroedel spendet in Kairo Trost.
    Monsignore Joachim Schroedel spendet in Kairo Trost.
    Foto: KNA

    Trotzdem denkt der Leiter der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde Kairo nicht an die Ausreise, wie sie bereits 40 Prozent der Deutschen angetreten haben: "Ich will hier bleiben, so lange es geht, die Leute brauchen mich jetzt."

    Dabei haben sich die Aufgaben des aus Mainz stammenden Pfarrers seit Beginn des Bürgerkriegs gewandelt: Während vorher feste Termine, wie Gottesdienste, Kommunions- und Firmunterricht den Alltag bestimmten, steht jetzt die Seelsorge im Vordergrund - vor allem bei Frauen und Kindern.

    So hat er, nach einer unruhigen Gefechtsnacht, spontan einen Gottesdienst in einem Konvent veranstaltet. Der Ägyptenkenner, dem der Papst vor zwei Jahren der Ehrentitel "Monsignore" verliehen hat, berichtet vom ungewöhnlich großen Andrang an einem Wochentag: "Das war für die Erwachsenen eine Ruhepause, und die Kinder konnten auf dem Konventgelände ohne Angst spielen."

    Die Gemeindemitglieder wohnen nicht zentral, sondern über die Millionenstadt verteilt - ein Problem bei steigender Benzinknappheit. "Viele Geschäfte sind geschlossen, ebenso die Banken - ich musste mir schon Geld von Freunden leihen", erzählt Schroedel, der den berittenen Überfall auf die Demonstranten am Mittwoch mit ansehen musste.

    Die Auseinandersetzungen konzentrieren sich auf das Stadtzentrum und die Zufahrtsstraßen. Um ihre Häuser und Geschäfte vor Plünderungen zu schützen, haben sich Bürgerwehren gebildet. Und die Armee hält sich zurück. Schroedels Kommentar dazu: "Die hätte zwischen die streitenden Parteien gehen und den Konflikt entschärfen müssen." Mit seiner mangelnden Initiative habe Präsident Husni Mubarak sich den politischen "Todesstoß" versetzt.

    Der Monsignore befürchtet, ebenso wie viele Deutsche in Kairo, für die nächsten Tage noch schlimmere Auseinandersetzungen: "Ich persönlich habe keine Angst - die Ägypter sind liebe, herzliche Menschen, die oft mehr Respekt vor einem Priester als manche Deutsche haben." Er betont, dass sein evangelischer Kollege ebenfalls noch in Kairo sei. Kurz bevor er zurück in seine Wohnung muss - von 17 Uhr bis 7 Uhr herrscht Ausgangssperre - warnt er vor einer Islam-Hysterie in Europa: "Schreckensszenarien helfen nicht weiter." ceg

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