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    MainzMainz: Wird die Stadt des Buches bald ohne Bibliothek sein?

    Mainz stellt sich als Stadt der Wissenschaft dar, rühmt sich als Gutenberg-Stadt - und will seine wissenschaftliche Bibliothek schließen, eine Einrichtung, deren Anfänge in das Jahr 1477 reichen, und die zu den traditionsreichsten und bedeutendsten kommunalen Bibliotheken Deutschlands zählt. Für Thomas Busch ist das völlig unverständlich. Er spricht von "kulturpolitischem Flurschaden".

    Die wissenschaftliche Stadtbibliothek ist das Gedächtnis der Gutenberg-Stadt. Hier ruhen die Zeugnisse der Geschichte. Thomas Busch, Vorsitzender der Mainzer Bibliotheksgesellschaft, war bestürzt, als er von der möglichen Verteilung der Bestände auf drei Standorte hörte.
    Die wissenschaftliche Stadtbibliothek ist das Gedächtnis der Gutenberg-Stadt. Hier ruhen die Zeugnisse der Geschichte. Thomas Busch, Vorsitzender der Mainzer Bibliotheksgesellschaft, war bestürzt, als er von der möglichen Verteilung der Bestände auf drei Standorte hörte.
    Foto: Bernd Eßling

    Mainz - Mainz stellt sich als Stadt der Wissenschaft dar, rühmt sich als Gutenberg-Stadt - und will seine wissenschaftliche Bibliothek schließen, eine Einrichtung, deren Anfänge in das Jahr 1477 reichen, und die zu den traditionsreichsten und bedeutendsten kommunalen Bibliotheken Deutschlands zählt. Für Thomas Busch ist das völlig unverständlich. Er spricht von "kulturpolitischem Flurschaden".

    Der Rechtsanwalt, dessen Vater in den 60er Jahren Direktor der Stadtbibliothek war, ist seit über zehn Jahren Vorsitzender der Mainzer Bibliotheksgesellschaft. Als er am Mittwochmorgen erfuhr, dass die Stadt überlegt, die wissenschaftliche Bibliothek zu schließen und die Bestände auf drei Standorte zu verteilen, war er bestürzt. Und meldete gleich bei Kulturdezernentin Marianne Grosse Gesprächsbedarf an, um Konkretes zu erfahren. Er erhielt einen Termin in der nächsten Woche. Erst danach werde die Gesellschaft, die seit 1994 ideell und finanziell die Arbeit der Stadtbibliothek als Förderverein unterstützt, überlegen, wie man weiter vorgehe.

    Dass die Bibliothek von Sparüberlegungen der Ampelkoalition (SPD, Grüne und FDP) betroffen sein könnte, davon hatte auch Busch schon gehört. Die am Mittwoch verbreitete Nachricht der Zerschlagung und Bestandsaufteilung aber war ihm neu.

    Neubau im Zollhafen vom Tisch?

    In der Stadtbibliothek herrscht seit Jahren Raumnot. Als Lösung wurde bisher ein Umzug in das neue Stadtquartier Zollhafen angesehen. Noch Anfang Oktober hatte Kulturdezernentin Grosse auf der Gewerbeimmobilienmesse "Expo real" in München öffentlich betont, dass diese Pläne nicht vom Tisch seien, dass ein Neubau dort aber wegen der angespannten Finanzlage nur in abgespeckter Form entstehen könnte.

    Wann die neue Idee auf den Tisch kam, und wie konkret die jetzigen Pläne sind, ist unklar. Weder die Stadtverwaltung noch die Ratsfraktionen von SPD, Grünen und FDP äußerten sich gestern dazu.

    Überlegt wird aber wohl folgendes: Das Jugendstilgebäude in der Rheinallee soll verkauft, das Stadtarchiv (das als gesetzlich geregelte Einrichtung mit Landesmitteln finanziert wird) und einige alte Bestände könnten in eine der künftig leer stehenden Schulgebäude untergebracht werden. Alte Handschriften zum Beispiel erhält das Gutenberg-Museum, der Rest der Bestände wird in die Universitätsbibliothek verlagert. Die Mitarbeiter sollen nicht entlassen, sondern ebenfalls auf die drei Standorte verteilt werden. Erhoffte jährliche Einsparungen: bis zu 1,5 Millionen Euro.

    Sowohl die Sinnhaftigkeit der Aufteilung als auch die genannte Einsparsumme bezweifelt Thomas Busch. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wirklich so viel Geld gespart werden kann, wenn die Arbeit an anderen Standorten erledigt wird", kritisiert er die "Zerschlagungs-Pläne".

    Ort der lebendigen Forschung

    Für ihn ist die Stadtbibliothek ein Ort, an dem lebendige Arbeit geschieht. "Hier werden nicht nur Bücher ausgeliehen, sondern auch viele Forschungsprojekte durchgeführt." Um die Vielfalt der Arbeit der wissenschaftlichen Stadtbibliothek mehr Menschen nahezubringen, wurde von der Bibliotheksgesellschaft auch die Veranstaltungsreihe "Treffpunkt Stadtbibliothek" ins Leben gerufen. Nicht nur diese wäre bei einer Zerschlagung in ihrer Existenz bedroht, auch die Bibliotheksgesellschaft mit ihren rund 130 Mitgliedern, verlöre zum Teil ihre Arbeitsgrundlage. Doch noch ist es nicht soweit. Busch ist noch optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist."

    Für eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse und eine Offenlegung der Pläne und eine Diskussion in den städtischen Gremien spricht sich auch die Mainzer CDU-Stadtratsfraktion aus: "Die Zukunft der Stadtbibliothek ist zu wichtig, als dass sie in den Hinterzimmern der Ampelkoalition diskutiert wird", erklärt der kulturpolitische Sprecher Dr. Walter Konrad. "Mainz ist als Heimat von Johannes Gutenberg die Stadt des Buches. Deshalb darf es in der Frage der Zukunft der Stadtbibliothek zu keinem Schnellschuss im Hinblick auf das Sparpaket der Ampelkoalition kommen. Vielmehr müssen die Entscheidungen sinnvoll und gut durchdacht sein."

    Irmela Heß

    Hintergrund: Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1477
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