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    Laub stiehlt der Anklage die Show

    Kein teaser

    Foto: dpa

    Mainz/Koblenz - Die Anklagepunkte sind längst öffentlich bekannt. Und doch es ist noch mal was anderes, auch für den Angeklagten Rainer Laub, sie in diesem nüchternen, weißen Saal des Koblenzer Landgerichts zu hören, vorgelesen in geschäftsmäßiger Eile von einer Staatsanwältin: "Obwohl das nicht vom Gesellschaftszweck umfasst war", so lautet der Hauptvorwurf, habe das im Kern gemeinnützige Wohnungsbauunternehmen 2003 eine VIP-Lounge am alten 05-Stadion mit 1,59 Millionen Euro. vorfinanziert, ohne einen Vertrag über die Rückzahlung.

    "Nicht umfasst" vom Gesellschaftszweck waren laut Anklage auch Planungs- und Architektenleistungen für 39 000 Euro für ein neues Bootshaus des Mainzer Rudervereins am Winterhafen - und das, "obwohl die Wohnbau mit der Abwicklung gar nicht beauftragt war", rattert Staatsanwältin Tanja Beck routiniert herunter. Selbst wenn sich mehr Zuhörer eingefunden hätten als jene Handvoll Angehörige und Freunde des Angeklagten aus Mainz: Ob die Anklagedetails für eine breite Öffentlichkeit verständlich sein sollen, ist hier offenbar Nebensache.

    Nicht so die Erwiderung des Angeklagten. Der einst so Umtriebige, der nach dem Beinahe-Crash der Wohnbau im Sommer 2009 zweieinhalb Jahre lang aus der Öffentlichkeit verschwunden war - er will diese Bühne bespielen. "Ich würde es jederzeit wieder so machen", ist Laubs Antwort auf die meisten Vorwürfe. Und: "Der Wohnbau ist kein Cent Schaden entstanden."

    Ausführlich nimmt Laub jeden Anklagepunkt auseinander, überlässt das Verlesen des in Ich-Form gehaltenen Schriftstücks erst dann seinen Anwälten, wenn es ihm wegen eines Augenleidens zu mühsam wird. Sich selbst schildert der 1947 Geborene ehemalige Bankangestellte als Mainzer Bub mit Leib und Seele, der jahrzehntelang in Lokalpolitik, Fastnacht und Ehrenamt wie ein Fisch im Wasser schwamm und als Lokalpatriot nur das Beste für seine Vaterstadt wollte. Und will.

    Die Anklage wirft ihm vor, er habe die historisierende Fassadenmalereien an den 2008 eingeweihten Markthäusern an den teureren Bieter vergeben. Die Wohnbau habe 58 000 Euro mehr gezahlt als nötig. "Gründe für eine Beauftragung der Firma Wirges lagen nicht vor", resümiert die Staatsanwältin lakonisch. In seiner Antwort entfaltet Laub ein sozio-politisches Sittenbild. Weil schon der Neubau der Markthäuser so umstritten gewesen sei, habe er - auch um Gegner zu befrieden - auf Qualität gesetzt. Keinesfalls hätte es passieren dürfen, dass wie auf der alten Malerei aus den 80er-Jahren eine "Madonna mit drei Brüsten und ein Jesuskind mit sieben Fingern" abgebildet werde - bei dem sonst sehr gelassenen Vorsitzenden Richter Winfried Hetger schnellen an dieser Stelle die Augenbrauen nach oben. Die Vergabeentscheidung habe er nicht allein getroffen, sondern nach Besprechung mit Ko-Geschäftsführer Martin Dörnemann, versichert Laub. Und: "Ich würde die Entscheidung immer wieder so treffen." Dass die Firma Ranft als günstigerer Bieter nachher denselben Künstler mit der Fassadenmalerei beauftragten würde wie Wirges, habe er nicht gewusst.

    Eigenes Versagen räumt Laub nur in zwei Fällen ein: 2004 und zu Silvester 2006 wurden gemeinsame Reisen mit Oberbürgermeister Jens Beutel und beiden Ehefrauen an den Tegernsee aus der Wohnbau-Kasse bezahlt. "Das war ein Fehler, den ich bedauere." Beide Beträge seien längst zurückerstattet.

    Von unserer Redakteurin Claudia Renner

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