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    RheingauFürs Festival muss er in die Luft gehen

    Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet Michael Herrmann, Leiter des Rheingau-Musikfestivals, engagiert sich in der Initiative "Pro Flughafen". Der Fluglärm ist zwar nicht gerade Musik in seinen Ohren, doch der Bahnlärm von der Rheinstrecke geht dem Johannisberger mehr auf die Nerven. Ein Interview.

    Michael Herrmann hat zwar Verständnis für die Fluglärmgegner, ist aber selbst Mitglied der Initiative "Pro Flughafen".
 Foto: Christoph Boeckheler
    Michael Herrmann hat zwar Verständnis für die Fluglärmgegner, ist aber selbst Mitglied der Initiative "Pro Flughafen".
    Foto: Christoph Boeckheler - fr

    Johannisberg. Fluglärm ist zwar nicht unbedingt Musik in den Ohren von Festival-Leiter Michael Herrmann. Dennoch engagiert sich der 68-Jährige in der Initiative "Pro Flughafen" für den Ausbau des Drehkreuzes. Herrmann selbst, der in Johannisberg mitten in den Weinbergen wohnt, wird vom lauten Güterzugverkehr geplagt.

    Herr Herrmann, Sie sind ein musikalischer Mensch. Wie haben Sie die Musik entdeckt?

    Wenn ich meine Hausaufgaben fertig hatte, stand ich als Sieben-, Achtjähriger am Fenster in einem Mietshaus in Wiesbaden-Biebrich und habe gesungen "Man müsste noch mal zwanzig sein" oder "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren". Die ganze Nachbarschaft hat sich über meine helle Stimme gefreut und wusste, jetzt ist er mit den Hausaufgaben fertig.

    Da Sie ein musikalischer Mensch sind - wie sehr stört Sie der Fluglärm?

    Was mich gewaltig stört - ich wohne in Johannisberg auf ungefähr 200 bis 300 Meter Höhe -, das sind die Züge, die den Rhein entlangfahren, und zwar nachts im Drei-Minuten-Takt. Ich werde bestimmt fünfmal wach. Das ist eine Zumutung. Der Fluglärm fällt demgegenüber nicht so sehr ins Gewicht. Die Bahn ist viel lauter.

    Kriegen Sie vom Fluglärm überhaupt etwas mit?

    Ja natürlich. Aber da bin ich dran gewöhnt, seitdem ich auf der Welt bin. Aber mich persönlich stört der Fluglärm nicht so sehr. Ich fliege selbst sehr viel, gerade auch in den letzten zehn Tagen ...

    Wohin denn?

    Zweimal nach Leipzig, einmal nach Prag, zweimal nach Zürich, einmal nach Dresden.

    Für diese Kurzflüge würden Sie von den Fluglärmgegnern aber ganz schlechte Noten bekommen. Die würden solche Flüge gern auf die Bahn verlegen.

    Das geht aber leider nicht anders. Ich habe nicht die Zeit, mit der Bahn zu fahren. Jedes Jahr muss ich 3,5 Millionen Euro an Sponsorengeldern akquirieren. Wie soll ich mit dem Zug nach Prag kommen? Da würden eineinhalb Tage draufgehen für die Reise, mit dem Flugzeug brauche ich 45 Minuten und nach Zürich 40 Minuten. Vielleicht kommt die Bahn für mich als Pensionär infrage. Ich bin jetzt 68. In zwanzig Jahren kann man vielleicht mal darüber reden. Aber ich fahre natürlich nach München oder Stuttgart mit dem Zug und sogar nach Paris.

    Denkt man mit 68 nicht daran, in den Ruhestand zu gehen?

    Warum denn? Der Kollege aus Bayreuth hat das Festival bis zu seinem 91. Geburtstag geleitet. Warum soll ich aufhören?

    Das klingt sehr ehrgeizig.

    Aber das ist doch mein Hobby. Ich habe an manchen Abenden im Sommer fünf bis sechs Konzerte zur selben Zeit - und ich muss mich für eins entscheiden. Das ist mein Problem.

    Werden die Konzerte vom Fluglärm beeinträchtigt?

    Bei Open-Air-Konzerten geht vielleicht mal ein Flugzeug drüber. Aber das ist nicht gravierend. Bei Open-Air-Konzerten in Hochheim ist es schon störend.

    Wie viel Verständnis bringen Sie für die Fluglärmgegner auf, die jeden Montag auf dem Flughafen die Schließung der Nordwestbahn fordern?

    Nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn gibt es bestimmt Bereiche, wo die Belastung gravierend ist, zum Beispiel in Flörsheim oder Sachsenhausen. Oder wenn man in Neu-Isenburg in einem Café sitzt und zuschauen kann, wie die Leute im Flugzeug Zeitung lesen. Das ist bestimmt ein Problem. Aber man muss auch die andere Seite bedenken: Das Festival hätte ohne den Flughafen gravierende Probleme.

    Seit wann und warum engagieren Sie sich für die Initiative "Pro Flughafen"?

    Seit Beginn, als es darum ging, für den Ausbau zu werben. Der Flughafen ist ein ungeheuer wichtiger Jobfaktor für die Region. Die vielen Umsteiger, das Drehkreuz sind ungeheuer wichtig. Und das kann sich ganz schnell verlagern, zum Beispiel nach Amsterdam.

    Welche Vorteile hat das Festival vom Flughafen?

    Wenn zum Beispiel die New York Philharmonic kommt, dann fliegt das Orchester nicht nach München, Düsseldorf oder Hamburg, sondern nach Frankfurt, weil es der internationale Flughafen ist. Und ich bekomme dieses Orchester vielleicht am Anfang oder Ende der Tournee zu günstigen Konditionen, weil die Musiker sowieso nach Frankfurt müssen. Ungefähr ein Drittel oder sogar 40 Prozent unserer Künstler kommen über den Frankfurter Flughafen.

    Die Fluglärmgegner wollen den Flughafen ja nicht schließen, sondern das Wachstum begrenzen.

    Das ist ja das Problem. Dann geht das Drehkreuz nach Amsterdam. Klar kann ich eine solche Forderung verstehen. Aber wie soll das wirtschaftlich funktionieren?

    Jetzt argumentieren Sie aber wie die Industrie- und Handelskammer und nicht wie ein Musikbesessener.

    Von was lebt denn die Kunst? Der Musikbetrieb hat viel mit Wirtschaft zu tun und ist ein großer Wirtschaftsfaktor. Ich brauche 7,5 Millionen Euro jedes Jahr. Davon kriege ich dann 4 Millionen von den Konzertbesuchern und 3,5 Millionen von meinen Sponsoren.

    Was würde passieren, wenn das Wachstum auf dem Flughafen begrenzt würde.

    Es bestünde die Gefahr, dass viele Sponsoren abspringen. Die Fraport und Lufthansa gehören zu meinen Sponsoren und viele Firmen, die am Flughafen engagiert sind, wie zum Beispiel die Wisag.

    Sie haben uns gerade erläutert, wie sich das Festival finanziert. Wer unterstützt die Initiative "Pro Flughafen"?

    Die Initiative wird von verschiedenen Firmen gesponsert, vor allen Dingen von denen, die vom Flughafen profitieren. Und das ist auch ganz legitim.

    Auf welche Höhepunkte dürfen wir uns beim Rheingau Musik Festival 2013 freuen?

    Das Programm steht, aber die Pressekonferenz gibt es erst Ende Januar.

    Die Fragen stellte

    Friederike Tinnappel

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