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    MainzEin Mann packt die Welt ins Buch

    Siebeneisen kennt die Welt - glaubt er zumindest. In seiner Wohnung stapeln sich die National-Geographic-Ausgaben. Da steht doch alles drin, oder? Wie schief er da liegt, erfährt Siebeneisen, als sein dicker Kumpel Schatten eines Donnerstags in den Fetten Hecht kommt und dort zwischen Biergläsern und Tipp-Kick-Spiel verkündet: "50 Millionen."

    Der Wahlmainzer Stefan Nink kennt die Welt - zumindest große Teile davon. Seit Jahren ist er als Reisejournalist unterwegs, er hat mehr als 30 Bücher darüber geschrieben, und seine Reportagen wurden in 17 Sprachen übersetzt. Nun trinkt er in einem Mainzer Café einen Espresso und erzählt, wie es zu seinem ersten Roman "Donnerstags im Fetten Hecht" kam. "Eigentlich wurde ich zum Roman genötigt."

    Schatten heißt im wirklichen Leben Seamus Brothaigh Donnchadh O'Shady. Eine obskure Großtante ist ihm weggestorben. Sie hat Schatten und sieben Miterben je 50 Millionen Euro vermacht. Der Haken an der Sache: Die Miterben sind über den gesamten Globus verstreut, und sie müssen alle zusammenkommen, damit das Geld ausgezahlt wird. Schattens Leibesfülle allerdings verbietet ihm das Reisen, also muss ein anderer ran. Und sein Kumpel Siebeneisen kennt sich ja aus.

    "Über Las Vegas hatte ich schon viel geschrieben, und als das ADAC-Reisemagazin noch einen Artikel wollte, dachte ich, es ist eigentlich alles gesagt", meint Nink. "Ich wollte einen neuen Ansatz finden. Da kam mir die Idee für eine Figur, die durch die Welt stolpert, aber eigentlich gar nichts damit zu tun haben will." Siebeneisen war geschaffen. Eine blöde Wette führte ihn nach Las Vegas.

    Vier, fünf Mal schickte Nink Siebeneisen noch los, auch für die Süddeutsche Zeitung. "Diese besondere Form der Reisereportage erregte Aufsehen." Ein Literaturagent rief an: "Daraus müssen wir einen Roman machen." Nink leuchtete das nur bedingt ein. "Ich ahnte, was das für ein Aufwand sein würde."

    Doch der Agent blieb beharrlich. Er interessierte gleich zwei große Verlage für das Projekt. So entstand der Roman über den unfreiwilligen Reisenden: Siebeneisen muss sich in der Antarktis mit Kaiserpinguinen herumschlagen, in New Orleans macht er die Bekanntschaft mit einer Geisterseherin, und in China erlebt er ein bayerisches Oktoberfest.

    Nink beschreibt all das mit viel leichtem Humor und verspricht: "Da, wo es am schrägsten wird, habe ich genau recherchiert. Das stimmt alles. An jedem der Orte war ich." Schräg wird es, turbulent und sehr komisch. Das Wissen aus National Geographic hilft dem Weltreisenden nicht die Spur. Er rutscht von einem Missgeschick ins nächste, leidet unter fremden Kulturen und allerlei anderen widrigen Umständen.

    "Nach einer Reise erinnerst du dich vor allem an das, was schwierig war, was schief gegangen ist", sagt Nink. Siebeneisen wird am Ende seiner Odyssee vieles haben, an das er sich nur allzu gut erinnern kann.

    Ninks Buch bietet allerdings mehr als nur das. Skurrile Typen finden sich zuhauf in seinem Debüt, und sie alle verbindet er, indem er Facebook ins literarische Spiel bringt: Die Einträge der Protagonisten spannen ein Netz zwischen den Episoden um die sieben Erben. Gerade dies ist dem Autor ausgesprochen gut gelungen. Vor diesem Hintergrund schlittert Siebeneisen hinein in seine Abenteuer...

    ...wie auch Nink in seine Reisejournalkistenkarriere schlitterte. Schon als Schüler in Neuwied wollte er Artikel schreiben, am besten Konzertkritiken, wie er sie in der Lokalausgabe der Rhein-Zeitung las. Er stellte sich vor. "Und dann machte ich all die Termine, die ein Journalist so macht."

    Nink kam nach Mainz, um Politikwissenschaft, Publizistik und Geschichte zu studieren. Als dann die Rhein-Zeitung vor 25 Jahren ebenfalls nach Mainz kam, war er der ideale Mitarbeiter. "Ich war einer von denen, die sich wirklich auskannten in der Stadt."

    Später volontierte er beim Südwestfunk, schrieb aber nebenbei weiter für Zeitungen. In Österreich traf er zufällig den Herausgeber des FAZ-Magazins, schlug dem eine Story vor und hatte einen neuen Auftraggeber.

    "Eine der Geschichten hatte so ein Typ von ,Globo‘ gelesen er rief mich an und fragte, ob ich für ihn schreiben wollte. Er schlug mir drei Themengebiete vor, nuschelte dabei aber ziemlich. Eins klang wie Salzburger Land, eins wie Mecklenburger Seenplatte und eins wie Libyen."

    Damals, im Jahr 1991, war Gaddafi auf der Höhe seiner Macht. Nink wagte es trotzdem: Er nahm Libyen. "Tatsächlich hatte dieser Typ ,Lykische Küste‘ gesagt." Egal, Nink schrieb in den nächsten Jahren rund 70 Reportagen für "Globo", machte sich einen Namen als Reisejournalist - und ist nun auch noch unter die Romanautoren geraten.

    Sein Debüt macht Spaß. Nink bietet leichte Lektüre mit intelligentem Witz und einigen Details über die Welt obendrauf. Die Mischung zündet. "Vielleicht schreibe ich sogar noch einen Roman", meint er und nippt vergeblich an der leeren Espressotasse. Er hat ziemlich lange erzählt, aber langweilig wurde es nie - wie in seinem Roman "Donnerstags im Fetten Hecht". Gerd Blase

     

    Nink liest am Freitag, 21. September, um 20.30 Uhr im Bukafski, Kurfürstenstraße 9, aus "Donnerstags im Fetten Hecht". Der Eintritt ist frei.

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