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    MainzDas Kunstland muss sich nicht verstecken

    Die Aktionskünstler Bruno Kleber, Uli Wirtz und Bernd Thewes haben den Titel der "Kunst direkt 2012" wörtlich genommen. Auf der zehnten Künstlermesse in der Rheingoldhalle inszenieren sie Georg Büchners "Woyzeck" auf ungewöhnliche Weise.

    Mainz - "Herr Doktor, es wird mir dunkel", ruft Uli Wirtz - von Mengden in gequältem Ton durch das Guckloch aus dem in Plastikplane gehülltem Baugerüst. Überall liegen Werkzeuge und Schrauben herum. Hinter Verkehrshütchen und rot-weißem Absperrband deponieren zwei Männer in roten Arbeitshosen Regentonnen auf einem Podest.

    "Szene 8 - Der Hof des Doktors" steht auf einer kleinen Tafel an der Wand über der "Kunstbaustelle". Die Aktionskünstler Bruno Kleber, Uli Wirtz und Bernd Thewes haben den Titel der "Kunst direkt 2012" wörtlich genommen. Auf der zehnten Künstlermesse in der Rheingoldhalle inszenieren sie Georg Büchners Dramenfragment "Woyzeck" auf eine eher ungewöhnliche Weise. "Wir zeigen vor Ort, wie Kunst entsteht", erklärt Marion Grünert das Projekt der Künstlergruppe "Rote Hosen". Es gehe dabei um den kreativen Prozess, nicht um das Ergebnis. Für den Messebesucher ist die chaotische Live-Inszenierung schwer greifbar. Doch gerade weil die Performance so bizarr ist, wirkt sie laut Grünert beim Publikum: "Man akzeptiert, dass Kunst eben auch etwas anderes sein kann."

    Zum Glück gibt es auf der Messe aber auch "fertige" Kunst zu sehen. Insgesamt präsentierten sich am vergangenen Wochenende 134 Künstler der verschiedensten Gattungen. Ein Querschnitt durch die rheinland-pfälzische Kunst-Landkarte, wie er bunter nicht sein könnte. Zwar hatten die Veranstalter die Ausstellerzahl in diesem Jahr bereits um etwa die Hälfte gesenkt. Dennoch reichte ein Nachmittag kaum aus, um die liebevoll gestalteten Stände aller Kunstschaffenden zu bestaunen. Wer sich jedoch in das Meer aus Malereien, Skulpturen und Fotografien stürzte, der entdeckte die unterschiedlichsten Farben, Formen und Materialien.

    So bieten sich dem Messebesucher am Stand von Christian Reinemann abstrakte Reliefs in sandigen Ocker- und Terracotta-Tönen. "Hier ist alles Natur", verspricht der Bodenheimer Künstler. Seine Farben stellt Reinemann aus natürlichen Sanden her. Die unterschiedlich gekörnten Naturpigmente schichtet er auf seinen Werken so übereinander, dass eine wüstenhafte Struktur entsteht.

    Ganz anders arbeitet da die aus Zweibrücken stammende Künstlerin Anne Müller-Dorn. Sie experimentiert vor allem mit Kunststoffen und entlockt ihnen ästhetisches Potenzial: So verwebt Müller-Dorn Silikonmasse zu einer textilähnlichen Struktur oder kreiert aus herkömmlichen Plastikflaschen abstrakte Gebilde.

    Die Mainzerin Sabine Steimer widmet sich hingegen der realistischen Malerei. Detailgetreu wie auf einer Fotografie gibt sie zeichnerisch wieder, was sie sieht. Die Vögel, Hunde und Kois, die ihre Bilder zieren, scheinen so realistisch, dass der Besucher geneigt ist, sie zu berühren. Eine Brücke zwischen abstrakter und realistischer Kunst schlägt Dietmar Gross. In seinen phantastischen Gemälden vermischt der Dienheimer Maler altmeisterlicher Barock-Technik mit mystisch-surreal anmutenden Inhalten. Beinahe gruselig wirkt seine "Centaurolupineva", ein Mischwesen mit Pferdehufen, Frauenoberkörper und Wolfskopf. Ebenso bizarr ist auch die Kunst Uta Grüns. Der Stand der Künstlerin aus Boppard fällt vor allem wegen der schauerlichen Installationen auf. Inmitten schwarz gerösteter Brotscheiben liegt eine Plastik, die einem Gehirn ähnelt. Mit weit geöffnetem Schlund schreien dem Besucher sieben schwarze Rachegöttinnen, die "Erinnyen" aus der griechischen Mythologie, entgegen. Harmloser ist da die hobbymäßige Kunst der Bühnenplastikerin Natascha Brändli aus Burrweiler. Für zehn Euro verkauft sie an ihrem Stand selbst entworfene Magnetbroschen mit Vogelmotiven und Mädchen mit witzigen Naturperücken (eine ihrer Figuren trägt beispielsweise einen Kürbis auf dem Kopf).

    Wie in den vergangenen Jahren hat die "Kunst direkt" auch in diesmal gezeigt, wie vielfältig Kunst aus der Region sein kann. Schade nur, dass viele Kunstschaffende aus Rheinland-Pfalz bislang selten solch eine prominente Gelegenheit bekommen, um sich zu präsentieren. Denn die Mehrheit der lokalen Künstler, die auf der "Kunst direkt 2012" ausgestellt haben, kann der deutschen Kunstlandschaft allemal das Wasser reichen.Josefine Sack

    Elfie Clement und Anne Kuprat sind beide schwer auf Draht Künstlermesse „KUNST direkt“ gibt Einblicke in die aktuelle Szene
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