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    Gau-AlgesheimDas bunte Kinderbuchuniversum der Nina D.

    In Nina Dullecks Welt passen Dutzende kleine Universen. Wie bunte Blasen schweben sie vorbei und bringen Besuch von pelzigen "Butterfliegen", glupschäugigen Froschbienen und wirrhaarigen Ömchen ohne Hals.

    Viel Aufwand: Die beiden Hundehelden ihres neusten Werks hat Illustratorin Nina Dulleck in Acryl gemalt, dann mit einer kleinen Schere ausgeschnitten. Eine Reprofirma hat die Tiere farbecht eingescannt. Dulleck hat am Computer weitere Tiere, Pflanzen, Muster, Schatten und Flecken ergänzt.
    Viel Aufwand: Die beiden Hundehelden ihres neusten Werks hat Illustratorin Nina Dulleck in Acryl gemalt, dann mit einer kleinen Schere ausgeschnitten. Eine Reprofirma hat die Tiere farbecht eingescannt. Dulleck hat am Computer weitere Tiere, Pflanzen, Muster, Schatten und Flecken ergänzt.
    Foto: Eva Heuser

    Sie alle leben in Kopf und Skizzenbuch der Gau-Algesheimer Illustratorin, sind Teil ihres inneren Archivs an Skurrilitäten. Aber alle sind liebenswert, kleine Schelme oder tragikomische Figuren und wie gemacht für ein Kinderzimmer - denkt Nina Dulleck.

    Ihr Liebling ist ein Antiheld

    In ihrem jüngsten Streich, dem Bilderbuch "Die fabelhafte Entdeckung einer kleinen Weisheit von großer Bedeutung" gefällt ihr denn auch Antiheld Kala am besten: ein schwarzer, indischer Winzlings-Rüde, nicht gerade schön, misstrauisch und ein Kandidat für die Psychocouch. Und doch steckt Kala voller Neugier und Mut. Kala war sofort da im Kopf, als Nina Dulleck den kurzen Text von Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Ranga Yogeshwar zum ersten Mal las. "Kannst Du Dir vorstellen, das zu machen?", hatte ihre Lektorin bei Fischer Schatzinsel sie gefragt. Ranga Yogeshwar - "was ist denn das für ein Guru?", war Ninas erster Gedanke. Ehrlich wie ein Kind: "Ich hab doch kein Fernsehen." Und dann, "Mann, ist der Text gut". Die Bilder waren da: Das indische Märchen passte zu Kopf und Hand und Herz.

    Was dann begann, passte allerdings erst mal gar nicht in Nina Dullecks kleine fabelhafte Welt. Eine Werbewelle rollte an, wie sie für ein Bilderbuch für Kinder ab drei ganz und gar untypisch ist. Dabei wollte die 36-Jährige, die ICE-Züge ganz gerne auf 100 Stundenkilometer drosseln würde, sich schon lange die ganze Welt erobern. In ihrem Beruf als Erzieherin hat sie es nach der Ausbildung gerade mal ein Jahr ausgehalten.

    Vom Cartoon zum Kinderbuch

    Den Ausstieg aus dem Kindergarten finanzierte ein Job in einem kleinen Onlinebuchladen, außerdem der "Psalm"- und der "Mutmach-Kalender", die Nina Dulleck seit zwanzig Jahren zeichnet. Mit den kleinen Knollennasencartoons war sie einem kleineren Publikum schon bekannt. Als sie vor acht Jahren in einem Interview für eine Frauenzeitschrift erzählte, sie würde gern mal ein Kinderbuch machen, wurde prompt ein Verlag hellhörig. Bei SCM R.Brockhaus in Witten startete Nina Dulleck 2004 mit "Fips, die Feldmaus" in ein neues Leben. Stilistisch und technisch ein langer, autodidaktischer Weg bis heute. "Heute" heißt: Von Blei- und Buntstift, Ölpastell, Acryl- und Mischtechnik bis zu Collage und digitaler Malerei.

    Der Stein kam ins Rollen. Heute zählt Nina Dulleck die großen Namen des Kinder- und Jugendbuchs zu ihren Referenzen: Arena, Coppenrath, Ravensburger, Fischer Schatzinsel. 2010 erhielt "Brilli, das Küken" den Internationalen Dyslexia Quality Award, 2011 wurde die Geschichte um einen kleinen Fuchs in "Glück gesucht" zum Wiener "Bücherliebling". Etwa 50 Bücher, CD-Booklets und Kalender hat sie bislang gestaltet.

    Ausflug in eine neue Welt

    Trotzdem muss sie das Verkaufen noch lernen, mit TV-Profi Yogeshwar als Lehrmeister. Ranga Yogeshwar ist die Marke, der Promi, der Verkaufsgarant. Und Yogeshwar sagt: Nina Dulleck auf den Titel, eine Widmung unter seine, Nina Dulleck muss mit in den Werbetrailer. Gerade der Kurzfilm wird für die TV-Unerfahrene "eine Lektion in Selbstvertrauen" und ein Ausflug in eine neue Welt. Doch verbiegen wird sich die aufrechte Frau mit dem kindlichen Grinsen nicht. "Ich kenne keine Berührungsängste", sagt Nina Dulleck, und man glaubt ihr aufs Wort: "Ich sehe ihn als Menschen, den Gott gemacht hat, so wie mich." Sie gibt Widerworte, sie diskutiert - gleich, wen sie vor sich hat.

    Ohnehin fällt es ihr schwer, den Mund zu halten, "vor allem, wenn was witzig ist". Dann grinst, lacht sie los, dieser wache Witz steckt auch im Hündchen Kala, wenn er die bunt wuchernde indische Welt erforscht, deren Tiere und Fauna Nina Dulleck aus Realität und Fantasie geschöpft hat. Die Botschaft des Buchs: Lächelst Du in die Welt hinein, dann lächelt sie zurück. Werte vermitteln für Kleine - und Große: "Mich berührt doch ein Bilderbuch genauso wie ein Kind, vielleicht noch mehr", sagt sie.

    Ihr kleines Büro in der rheinhessischen Abgeschiedenheit teilt sie mit ihrem Mann, einem Theologiedoktoranden. Dort findet sie auch die rosa geflügelte "Butterfliege" oder Schmetterlingsschnake, die ihr mit trüben Augen die Geschichte ihres angebissenen Flügels erzählt. Und die Chimäre, halb Frosch, halb Biene, die nicht mehr weiß, wen sie fressen oder lieben soll. Charmante Antihelden, die viele Verlage nicht in Kinderzimmer bringen wollen.

    Von unserer Mitarbeiterin Eva Heuser

    Ranga Yogeshwar/Nina Dulleck: Die fabelhafte Entdeckung einer kleinen Weisheit von großer Bedeutung. Fischer Schatzinsel, 32 Seiten, 14,99 Euro

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