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    MainzAlles muss raus! Der Künstler braucht Platz

    Dieser Künstler braucht dringend Platz: Georg Krebs hat ungefähr 200 Bilder in seiner kleinen Wohnung. "Die müssen raus", sagt er. Deshalb bittet er jetzt zum Ausverkauf.

    Kein Platz mehr. An den Wänden schon gar nicht. Georg Krebs verkauft seine Bilder.
    Kein Platz mehr. An den Wänden schon gar nicht. Georg Krebs verkauft seine Bilder.
    Foto: Bernd Eßling

    Mainz - Blau in Blau blinkt ein Scherbenwald, darin eine Linie rot wie Blut... Markant ragt der Hechtsheimer Kirchturm hinter Weinreben hervor... Auf grellem Orange dehnt sich ein abstraktes Gebilde über mehrere Leinwände ... Zart scheint die Sonne auf die flimmernden Wellen des Rheins ... "

    Es wird zu viel, ich versinke in Bildern", meint Georg Krebs. Rund 200 Kunstwerke verschiedenster Couleur, aber alle von seiner Hand, das hält seine kleine Wohnung nicht mehr aus. Sie müssen raus.

    Krebs will seine Acrylbilder, Ölgemälde und Aquarelle verkaufen. "Die großformatigen für 120, 140 Euro, die kleineren Sachen für 30, 40." Der 61-Jährige klingt unsicher, wenn er seine Werke so taxiert. "Ich weiß, ich bin darin nicht gut. Mein Schwager sagt immer: ,Du bist kein Geschäftsmann. Du bist zu billig. Du brauchst jemanden, der deine Bilder verkauft.´"

    Anrufen und vorbeikommen

    Auf solche Ratschläge hört Krebs nicht. Jetzt bringt er seine Bilder selbst unter die Leute, ganz formlos: "Sie können anrufen, vorbeikommen, und sich anschauen, was ich habe." Er hat viel. Sein Œuvre umfasst verschiedenste Stile.

    Krebs´ erstes Ölbild entstand 1970. Die Mutter wünschte sich den Mainzer Dom - und bekam ihn. "Als Schüler am Schlossgymnasium habe ich viel gemalt. Dann kam das Studium, da wurde es weniger." An der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule in Worms bereitete sich Krebs auf seinen Beruf als Lehrer vor. Kunst, Sport und Mathematik waren seine Fächer. An der Mainzer Ludwig-Schwamb-Schule wurde er letztendlich als Allround-Kraft eingesetzt, Malen trat weiter in den Hintergrund. Erst mit der Pensionierung ging es wieder los. Seine Töchter animierten ihn, und so entstand Bild auf Bild.

    Sonnenaufgang im Postkartenformat

    Fast auf Postkartenformat verkleinert ist der Sonnenaufgang überm Rhein. "Ich setze mich oft um 5 Uhr aufs Rad und fahre los." Wenn er ein Motiv findet, wird es fotografiert. "Manchmal dauert es Stunden, bis ich den richtigen Winkel, das richtige Licht, die richtige Mischung habe." Im Aquarell ergießen sich Sonnenstrahlen übers Wasser. Bis ins letzte Detail ist die Eisenbahnbrücke zu sehen, die winzigen Wellen vorn wirken sehr echt. "Doch, doch, das ist gemalt", beteuert Krebs. Kaum zu glauben.

    Mainz mal ganz anders

    Bilder stapeln sich am Boden, Bilder lehnen am Regal oder machen sich an der Wand den Platz streitig. Besucher laufen bei jedem Schritt Gefahr, auf Kunst zu treten.

    "Ich mag den Übergang von Blau zu Weiß", kommentiert Krebs ein Ölgemälde, das Dreieck an Dreieck zeigt. "Zum Schluss blieb eine weiße Linie. Ich fand, da passte Rot gut rein." Tatsächlich erinnert die Komposition an Scherben, an Schnitte, an Blut. Kann der Maler mit solchen Assoziationen was anfangen? Er zuckt die Schultern: "Ich erzähle nicht viel über meine Bilder, ich mag auch keine Vernissagen, wo sie zerredet werden."

    Lieber fasst er seine Werke in Kalendern zusammen. "Mainz mal anders" nannte er die Ausgabe 2011. 2012 ist in Arbeit. "Ich nahm bisher 15 Euro dafür, habe mir aber ausgerechnet, dass die Kosten bei 13 Euro liegen." Wieder mal machte er kein Geschäft.

    Seine Kalender sind beliebt, auch bei den Töchtern, seinen härtesten Kritikern. "Aber inzwischen haben sie auch die Bude voll mit meinen Bildern." Deswegen ist jetzt Ausverkauf. Der Künstler braucht Platz für Neues: "Porträts habe ich bisher kaum gemalt. Das würde ich gern noch von Grund auf lernen."

    Wer Krebs also um ein paar Werke erleichtern will, möge anrufen. Es gibt viel zu sehen: irische Küsten und blassblaue Kompositionen, flammend rote Ölgemälde, ungewöhnliche Mainz-Ansichten - alle warten auf den Platz an der Wand.

    Georg Krebs ist zu erreichen unter Telefon 06131/627 19 47.

    Von unserem Mitarbeiter Gerd Blase

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