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    Cochem – Tagebücher sind für manche ein Hort persönlicher Geheimnisse, ein Versteck, das wenn überhaupt nur die engsten Vertrauten einsehen dürfen. Etwas anders verhält es sich mit Internettagebüchern. Deren Autoren lassen die Netzgemeinde an ihren Erlebnissen teilhaben. Damit gelangte eine Cochemerin zu einiger Prominenz.

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    Lara auf der Cochemer Moselbrücke.
    Lara auf der Cochemer Moselbrücke.
    Foto: Dorothea Müth

    Cochem - Tagebücher sind für manche ein Hort persönlicher Geheimnisse, ein Versteck, das wenn überhaupt nur die engsten Vertrauten einsehen dürfen. Etwas anders verhält es sich mit Internettagebüchern. Deren Autoren lassen die Netzgemeinde an ihren Erlebnissen teilhaben. Damit gelangte eine Cochemerin zu einiger Prominenz.

    Show des italienischen Designers Kinder Agguigini auf der Londoner  Fashion Week -  Lara war dabei.
    Show des italienischen Designers Kinder Agguigini auf der Londoner Fashion Week - Lara war dabei.
    Foto: Lara Maria Gräfen

    Sie trägt einen Leoparden-Blazer mit altrosa Schal und an den Händen Schmuck, der auffällt, weil er so gegensätzlich ist: Am linken Handgelenk ein winziges Sternchen aus Rotgold, rechts einen riesigen Türkis, der mit seiner Goldeinfassung den Mittelfinger fast ganz bedeckt. Sie kommt gerade aus Paris und macht auf dem Rückweg nach Berlin Station in Cochem, ihrem Heimatort. Kürzlich kürte das Zeit-Magazin Lara Maria Gräfen zu einem von 15 wichtigen deutschen Modebloggern.

    Lara stylte abseits der Schule Models für den Mainzer Designer Dominik Laux. Der Urlaubsblog einer Freundin brachte sie im Februar 2009 auf die Idee, ihre Eindrücke hinter den Kulissen als Online-Tagebuch zu veröffentlichen. „Belleonearth“, die Schöne auf Reisen - Laras Blog nimmt den Leser mit in die Welt der Mode und des Stils: Bilder berichten von der Pariser Fashion Week oder einem Bummel durch Hamburger Läden, man sieht Lara an ihrer Geburtstagsbowle nippen und wie sie Chansonnier Max Raabe trifft. Warum hat der Dutt eigentlich so einen schlechten Ruf, fragt die Bloggerin; anderntags erklärt sie ihre Liebe zu Jutebeuteln als Handtaschenersatz. Belleonearth ist ein „Moodboard“, auf dem Lara Stimmungsbilder präsentiert. Dazu gehören auch Kunst und Werbeaktionen für Modelabels.

    Auffallen wollte die heute 21-Jährige schon als Teenie: Sie sang zur Gitarre im Duo „The Florians“, sie ging mit Afro-Frisur und Ugg Boots ins Gymnasium. „Als ich mir die endlich erspart hatte, haben mich alle wegen der ausgelatschten Hausschuhe ausgelacht. Doch ein Jahr später standen sie in jedem Schaufenster.“

    Nach Erscheinen des Zeit-Artikels stieg die Zahl ihrer Leser sprunghaft auf etwa 800 täglich. Kommentare zu den Einträgen gibt Lara nicht mehr automatisch frei, doch die ein oder andere Beleidigung lässt sie zu – der Abwechslung halber. Noch wichtiger: „Bei Werbeaktionen verlose ich nur, was mir gefällt. Wenn man sich nicht treu bleibt, funktioniert der Blog nicht.“

    Was ist denn schön für eine, die sich permanent mit Farben, Mustern und Schnitten beschäftigt? „Ich bin ruhiger geworden“, sagt Lara zunächst über sich selbst. Sie mag Schwarz, klassische und damenhafte Kleidung. Sie pflegt Stil - überall im Alltag: „Für nachts ein Spitzenhemd! Nicht nur ein altes T-Shirt über die Baggyhose werfen.“

    Lara Maria Gräfen ist eine reservierte junge Frau. Sie lächelt vorsichtig, lacht selten, spricht immer bedacht. Ihr ist bewusst, dass sie in der Öffentlichkeit steht und mit jeder Äußerung an ihrem eigenen Bild schmiedet. Eine steile Karriere wie die der US-amerikanischen Modebloggerin Tavi Gevinson macht ihr eher Angst. "Die saß zwar mit 13 bei Chanel in der ersten Reihe. Doch es wird schwer, wenn die Szene sie mit 15 wegschmeißt", meint Gräfen.

    Wie die Modeszene tickt, hat Lara in New York, Paris und London gelernt. Im Stylingkurs am London College of Fashion kam die Inspiration direkt von der Straße, die Kleidungsstücke brachte der Kurier bloß für Stunden zum Shooting. „Doch nur Leute anzuziehen, war mir im Endeffekt zu wenig“, sagt die Cochemerin, „ich wollte etwas Tiefgründigeres tun.“ Sie begann in Berlin ein Studium des Modejournalismus. „Die Fashion Week war immer das Größte, wo ich hinwollte“, erinnert sich Lara und erklärt dann, warum auch von den Modeschauen nach einem halben Jahr der Lack ab war: „Ich habe zwar die Kleider gesehen, aber nach der Show hatte sich in mir nichts verändert.“

    Deshalb hat sich Lara entschieden, ihren Beruf woanders zu suchen: in der Musik. "Noch niemand hat bei einem Kleid angefangen zu heulen, weil es so schön war", begründet die 21-Jährige ihre Wahl. "Ein Lied kann mehr, denn es berührt." Sie bereitet sich jetzt auf die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin vor. Dort möchte sie klassischen Gesang studieren. Dafür übt Lara täglich - zurzeit ist der "Rinaldo" von Händel dran - und nimmt zusätzlich Schauspielunterricht. Tatsächlich ist die Oper schon Laras Ziel, seit sie klein war. "Die Vernunft hat mich zuerst zurückgehalten", gesteht sie, "denn ich wusste, es ist ein hartes Pflaster." Trotzdem hat sie ihre Bühnenangst bereits mit den "Florians" im Gasthof Ravené abgelegt, wo sie, nur von Kollege Martin Kloos auf der Gitarre begleitet, allein vor 50 Zuhörern Amy Winehouse und Oasis sang (die RZ berichtete). Doch um Arien trällern zu können, braucht eine Solistin andere Techniken - mehr noch, "jazziges Singen macht auf Dauer die Stimme kaputt", weiß die Gesangsstudentin, die heute an ihrer Körperhaltung beim Singen arbeitet: "Das allein ist eine Wissenschaft für sich!", stöhnt sie.

    Sollte die Prüfung an der Musikhochschule nicht gleich im ersten Anlauf im März 2011 klappen, hat Lara die Alternative schon im Kopf: Kunstgeschichte studieren. Die Schönheit kennt viele Orte. Passend dazu bloggt Lara seit ein paar Monaten in einem zweiten Online-Tagebuch über ihre Erlebnisse in Ausstellungen, mit Theater und Musik: "Die Intellektuellen" schreiben dort.

    Nach Cochem kommt Lara dennoch etwa einmal im Monat. Der Tod ihres Vaters, der für den CDU-Abgeordneten Peter Rauen im Bundestag arbeitete, hat sie im vergangenen Sommer auf den Boden geholt. Pläne, im Ausland zu studieren, gab sie auf, merkte aber, dass sie sich für die Familie, etwa mit einem Lehramtsstudium in Trier, nicht völlig verbiegen kann. Deshalb lebt sie in Berlin, dort, wo sie zuletzt ihren Vater in den Ferien besuchte. Sie bummelt durch die Läden im Prenzlauer Berg, tanzt Ballett, trifft sich mit Freundinnen zum Kaffeetrinken am Hackeschen Markt. Und ist froh, beim Besuch in Cochem die "richtigen Werte" zu spüren: "Hier bekommt niemand eine Stelle, weil er eine schöne Tasche hat", weiß die 21-Jährige.

    Welchen Stellenwert hat dann noch die Mode? Das Metier, mit dem die "Zeit" sie entdeckte - passé? Nicht ganz: "Die Bussigesellschaft ist eine schöne Abwechslung zum Alltag", beschreibt Lara, was ihr Hobby geworden ist. Zum einen. Zum anderen hat sie sich als Stylistin und Modejournalistin einen Namen gemacht, der sich auszahlt: Sie schreibt und fotografiert für die Modemagazine "Luna" und "yalook", finanziert dadurch ihr Studium mit. Auch Werbeanzeigen auf ihrem Blog belleonearth bringen etwas ein. "Deshalb", so Gräfen, "möchte ich mir die Mode als Standbein auf jeden Fall erhalten." Wer weiß, auf welche Reisen es die Schöne noch führt. Dorothea Müth

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