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  • Gesund zurück in die Heimat: Die Lahnsteinerin Melanie Erlenbach begleitet Kinder nach Angola

    Viele Monate sind die verletzten Kinder aus Angola oder Afghanistan von ihren Familien getrennt. Neben der wichtigen medizinischen Hilfe, die sie in Krankenhäusern in Lahnstein und Koblenz erfahren, kümmern sich Menschen wie Melanie Erlenbach um „Herz und Seele“ der kleinen Patienten. Dazu gehört auch, die Kinder nach der Genesung zurück in ihre Heimat zu bringen.

    Die Lahnsteinerin Melanie Erlenbach begleitet Kinder nach deren Behandlung in den Krankenhäusern in Lahnstein und Koblenz zurück in die Heimat Angola.
    Die Lahnsteinerin Melanie Erlenbach begleitet Kinder nach deren Behandlung in den Krankenhäusern in Lahnstein und Koblenz zurück in die Heimat Angola.
    Foto: privat

    Viele Monate sind die verletzten Kinder aus Angola oder Afghanistan von ihren Familien getrennt. Neben der wichtigen medizinischen Hilfe, die sie in Krankenhäusern in Lahnstein und Koblenz erfahren, kümmern sich Menschen wie Melanie Erlenbach um „Herz und Seele“ der kleinen Patienten. Dazu gehört auch, die Kinder nach der Genesung zurück in ihre Heimat zu bringen. 

    Freude und Leid liegen dicht beieinander.
    Freude und Leid liegen dicht beieinander.
    Foto: privat

    Lahnstein - Sie ist wieder hier, in Deutschland, in Lahnstein. Melanie Erlenbach war als freiwillige Helferin beim 46. Einsatz des Friedensdorfs International dabei und hat zwei afrikanische Kinder zurück nach Angola in ihre Heimat gebracht. Mehrere Monate lang waren der Junge und das Mädchen im Lahnsteiner St.-Elisabeth-Krankenhaus und im Koblenzer Kemperhof betreut und auch behandelt worden.

    „Es ist schön, wenn man die Möglichkeit hat, ein Kind, das man hier betreut hat, wieder in seine Heimat zu begleiten“, sagt die 23-Jährige. Seit November 2009 hatte sich die Lehramtsstudentin ehrenamtlich um Moises (6) und Filomena (4) gekümmert. „Beide litten an den Folgen einer Osteomyelitis“, erklärt die junge Frau. Seit ihrem 18. Lebensjahr unterstützt Melanie Erlenbach die Arbeit des Friedensdorfes, der Hilfsorganisation für Kinder aus den Krisen- und Kriegsgebieten Westafrikas. Und das kommt nicht von ungefähr:  Ihre Mutter Angelika engagiert sich seit 15 Jahren und betreut die Friedensdorf-Kinder, die in den Krankenhäusern in Lahnstein oder Koblenz behandelt werden. Ehrenamtlich. „Meine Mutter hat mich zwar nie dazu aufgefordert, in ihre Fußstapfen zu treten“, erinnert sich Melanie. „Aber ihre Arbeit hat mich so fasziniert, dass ich mit eingestiegen bin.“

    In Angola war sie nun schon zum sechsten Mal: „Es ist immer wieder ein Erlebnis. Und jedes Mal, wenn ich gesehen habe, welche immensen Unterschiede zwischen Reich und Arm es dort gibt, dann weiß ich wieder, wie gut es uns hier eigentlich geht. Und über welche Kleinigkeiten wir uns hier oft aufregen.“

    Schockierend findet sie immer wieder, dass es vielen Familien in Angola schlicht am Nötigsten fürs tägliche Überleben fehlt. Die Preise explodieren, folglich auch die Inflation. „Ein Liter Saft kostet in einem Supermarkt rund drei US-Dollar – für einen Durchschnittsverdiener mit etwa 60 US-Dollar im Monat unerschwinglich.“ Entsprechend schlecht ist die medizinische Versorgung für den Großteil der angolanischen Bevölkerung.

    Für Moises und Filomena ist dies erschütternder Alltag. Und während viele Kinder an den schlimmen Verletzungen sterben müssen, hatten diese beiden das Glück. Das „Ticket“ nach Deutschland ist der Rettungsschirm. Mittlerweile sind die beiden wieder gesund und quietschvergnügt bei ihren Familien in den Provinzen angekommen. Keine Frage: Melanie wird die beiden vermissen. „Vor allem Filomena war ein echter Sonnenschein. Sie hat so unglaublich schnell Deutsch gelernt und plapperte immer lustig drauflos.“ Nun wird die Kleine wieder Portugiesisch sprechen. Mit ihren Eltern. Und hoffentlich von Tellerminen und Ähnlichem verschont bleiben. Michaela Cetto

     

    Warum sich Reporterin Michaela Cetto für dieses Thema entschieden hat, erklärt sie folgendermaßen: „Die ,stille‘ und sehr aufopferungsvolle Arbeit der jungen Studentin Melanie Erlenbach hat mich tief beeindruckt, ihr Bericht aus Angola zutiefst erschüttert. Sie füllt ihre Freizeit mit so viel Sinn, dass ich mich heute für jede verlungerte Stunde während meiner Studentenzeit nachträglich schäme. Hut ab vor so viel ehrenamtlichem Engagement.“

     

    Über ihren Aufenthalt in Angola hat Melanie Erlenbach ein Tagebuch geführt. Ein Auszug:

    „Kurz vor der Landung in Luanda, Angolas Hauptstadt, ist die Aufregung der Kinder kaum noch zu bremsen. Sie singen, klatschen und tanzen, soweit das auf den engen Flugzeugsitzen möglich ist. [...]

    Als wir endlich festen Boden unter den Füßen haben, übergeben wir die Kinder an unsere angolanische Partnerorganisation, die dann die Übergabe an die Eltern übernimmt. Erst am Krankenhaus sehen wir die Kleinen gemeinsam mit ihren Eltern wieder, um nähere Informationen zur Behandlung zu erteilen und zu berichten, was in der langen Zeit fern von zu Hause alles geschehen ist. Ein Papa weint, als wir ihm berichten, wie hilfsbereit und aufopferungsvoll sich seine elfjährige Tochter im Friedensdorf um die Kleinsten gekümmert hat. Stolz nimmt er sein Kind in den Arm und schämt sich vor uns, dass er seine Tränen nicht zurückhalten kann. [...]

    Es ist eine zwiespältige Situation. Auf der einen Seite bringen wir die gesunden Kinder nach Hause zurück zu ihren Eltern. Ein Moment, der an Freude und Glück kaum zu übertreffen ist. Auf der anderen Seite höre ich wieder das Rattern. Es sind die Räder einer Metallbahre, auf dem die toten Kinderkörper aus dem Krankenhaus gefahren werden. Sechs Stunden sind wir am Krankenhaus, in denen die ratternde Metallbahre fünfmal an uns vorbeigefahren wird. Auf der Bahre sieht man in Tücher gewickelt, wie klein die Kinder noch sein müssen. Die Familien der verstorbenen Kinder laufen weinend hinterher. Jedes Mal wenn ich das Rattern höre, bekomme ich eine Gänsehaut. [...]

    Bereits zehn Tage zuvor sind zwei unserer Mitarbeiter vorgeflogen und haben wieder mehr als 70 Kinder ausgewählt, die wir heute mit nach Deutschland nehmen werden. Sicher wäre es für die Kinder angenehmer zu Hause behandelt zu werden, doch die Krankenhausaufenthalte können sich die Eltern nicht leisten. [...]

    Nun ist die Zeit des Abschieds gekommen. Die Kinder sind unheimlich tapfer und stark. Einem Jungen fällt der Abschied jedoch so schwer, dass er dauernd wieder versucht zu seiner Mama zu kommen. Er rutscht auf allen Vieren, weil er nicht laufen kann. Bei seinem herzzerreißenden Schluchzen muss auch ich schlucken, denn natürlich verstehe ich den Jungen. Die Eltern werden weggeschickt, sobald sie ihr Kind abgegeben haben. Dennoch bleiben sie in der Nähe, um zu sehen, was passiert. Was müssen diese Menschen für ein Vertrauen aufbringen uns Weißen, die sie gar nicht kennen, ihr Kind für so lange Zeit in ein Land mitzugeben, dass sie auch nicht kennen?

    Als wir mit dem Bus zum Flughafen fahren, haben die Kinder sich schon wieder beruhigt und sehen tapfer dem entgegen, was da kommt.“

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