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  • TV-Duell: Dreyer und Klöckner nutzen die Waffen der Frauen

    Für die klassischen Parteigänger war das Ergebnis des TV-Duells klar. "4:1 für Julia", hörte man von der CDU. "Nach 60 Minuten steht fest: Julia Klöckner hat das Duell klar für sich entschieden", frohlockte der christdemokratische Generalsekretär Patrick Schnieder. Jens Guth, Schnieders Pendant auf der sozialdemokratischen Seite, hatte natürlich einen vollkommen anderen Schlagabtausch gesehen. "Malu Dreyer hat das TV-Duell mit ihrer klaren Haltung gewonnen", triumphierte er. Die Genossen feierten ihre Malu. Die Christdemokraten ihre Julia. Soweit war für beide Kandidatinnen am Tag nach dem Duell alles im Lot. Doch wie gut oder wie schlecht waren sie wirklich? Hier eine Analyse.

    Duell ohne Siegerin: Klöckner und Dreyer schenkten sich wenig – und wahrten einen gewissen Stil.
    Duell ohne Siegerin: Klöckner und Dreyer schenkten sich wenig – und wahrten einen gewissen Stil.
    Foto: dpa

    Dietmar Brück analysiert das Duell zwischen Malu Dreyer und Julia Klöckner. Dabei betrachtet er Inhalt und Stil, aber auch, was alles nicht zum Thema wurde.

    Die Ausgangslage: Die SPD liegt seit Monaten in allen Umfragen deutlich hinter der CDU. Der berühmte Umschwung ("Swing") auf den sie hofft, hat immer noch nicht eingesetzt. Dreyer stand unter Druck - trotz hoher persönlicher Sympathiewerte. Aber auch die CDU hat leicht fallende Prozente, allerdings auf hohem Niveau.

    Die Tonlage des Duells: Der Schlagabtausch vollzog sich über weite Strecken im Land des Lächelns. Dreyer und Klöckner versuchten, gewinnend rüberzukommen. Scharfe Töne blieben aus. Dreyers Anspannung war insgesamt offensichtlicher als die Klöckners. Sie grätschte ein paar Mal in Redebeiträge ihrer Rivalin, musste sich von Moderator Fritz Frey, dem SWR-Chefredakteur, stoppen lassen. Dreyers Miene war häufiger ernst und angespannt. Sie ging Klöckner offensiv an, suchte Blickkontakt. Aber auch die CDU-Politikerin stand trotz aller zur Schau gestellten Gelassenheit unter Stress. Ihr geröteter Hals war ein sicheres Indiz.

    Umfrage
    TV-Duell: Dreyer und Klöckner

    Im TV-Duell saßen sich Malu Dreyer und Julia Klöckner im SWR gegenüber. Wer hat Sie mehr überzeugt?

    Malu Dreyer war überzeugender
    28%
    Julia Klöckner hat mich überzeugt
    28%
    Ich fand beide überzeugend: patt
    2%
    Keine der beiden konnte mich überzeugen
    42%
    Stimmen gesamt: 2769

    Wo Dreyer punktete: In der Flüchtlingspolitik spielte Dreyer auf Klöckners ambivalente Haltung zur Politik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Die Ministerpräsidentin machte sich - nicht ohne Hintersinn - zur Fürsprecherin der Berliner Regierungschefin. "Die Kanzlerin hat einfach Recht. Wir brauchen eine europäische Lösung." Dann hielt sie Klöckner - ganz die Staatsfrau - vor: "Sie fallen ihr in den Rücken, anstatt sie zu stärken." Einen Konter konnte die CDU-Politikerin aber dennoch setzen. "Es wäre gut gewesen, wenn Sie die Kanzlerin im Bundesrat unterstützt hätten", meinte die Christdemokratin mit Blick auf die sicheren Herkunftsländer.

    Dreyer war immer stark, wenn sie Politik mit einer persönlichen Haltung verband. Bei ihrem Plädoyer für freiwillige Rückführungen wurde sie drastisch: "Das ist besser, als wenn wir sie nachts in einer Nebelaktion mit der Polizei aus den Wohnungen holen und in den Bus stopfen." Oder: "Ich stehe auch für das Humane. Wir reden einerseits über Begrenzung, aber wir reden auch darüber, dass viele Menschen aus großer Not zu uns kommen."

    Als Klöckner schließlich bei Schwimmanzügen (sie sprach von "Schwimmburka") für muslimische Mädchen angelangt war, warnte Dreyer, keine Probleme hochzustilisieren und aus Kalkül herbeizureden. Die Ministerpräsidentin meinte: "Leben Sie eigentlich in Rheinland-Pfalz? Wir haben einen ausgezeichneten interreligiösen Dialog." Und sie ergänzte: "Imame geben in der Regel hier einem auch die Hand."

    An einer anderen Stelle spielte Dreyer geschickt auf die geringe Zahl an CDU-Stadtchefs an, indem sie von "der einen CDU-Oberbürgermeisterin" sprach. Ein charmant platzierter Giftpfeil.

    Insgesamt präsentierte Malu Dreyer viele nachvollziehbare Fakten, ohne besserwisserisch rüberzukommen. Ihre Stäbe hatten sie gut gebrieft.

    Wo Klöckner punktete: In der kurzen Integrationsdebatte warf sie Dreyer Naivität vor und nannte Problemfelder beim Namen, als sie mit Blick auf die Migranten formulierte: "Es gibt einige, die vergiften schon das Klima." Und weiter, an die Kölner Silvesternacht erinnernd: "Menschen sind unterschiedlich, zu uns ins Land kommen keine Heiligen." Als Kronzeugen für eine Integrationspflicht rief sie dann ausgerechnet die SPD-Spitzenpolitiker Sigmar Gabriel und Andrea Nahles auf. Das tat richtig weh.

    Umfrageergebnisse zum politschen Profil: Klöckner gegen Dreyer

    Beim Thema schnelles Internet erklärte Klöckner galant und souverän, was es mit der Datenübertragungsrate Mbit/s auf sich hat. Da hatte sich Dreyer zuvor noch verhaspelt. Hier zeigte die CDU-Politikerin, dass sie tief drin ist im Thema. Mit ihrem Credo "Macher statt Machbarkeitsstudien" hat sie eine griffige Formel geprägt.

    Dreyer konterte blitzschnell: "Wir haben den Plan und die Macher." Und an Klöckner gewandt, meinte sie mit tadelnder Nachsicht: "Ohne Plan zu regieren, wäre auch wieder schlecht."

    Die Pleite am Nürburgring verband Klöckner wenig später clever mit der fehlenden Glaubwürdigkeit sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik. Motto: Die Genossen sind immer gegen die Wand gefahren, wenn sie die besseren Unternehmer sein wollten. Die Insolvenz am Flughafen Zweibrücken und beim Schlosshotel Bad Bergzabern schob sie gleich hinterher. Klöckner legte dar, dass diese verlorenen Gelder in Zukunftsaufgaben wie Straßeninfrastruktur und schnelles Internet hätten investiert werden können. Diese Anspielung übersah Dreyer geflissentlich.

    Wo Dreyer schlecht aussah: Beim von der CDU behaupteten Drehtüreffekt bei Flüchtlingen sprach sie zunächst von einer Phantomdebatte und dann doch von Verschärfungen. Also was denn nun? Hier schwamm sie. Und: Zuweilen betete sie mantrahaft immer wieder herunter, wie erfolgreich Rheinland-Pfalz auf allen Feldern sei. Manchmal war das zu viel der Selbstbeweihräucherung.

    Wo Klöckner schlecht aussah: Klöckner gab sich in der Flüchtlingspolitik zwar entschlossen, was die Verringerung des Zustroms an Flüchtlingen angeht, Aber sie kam manchmal kalt und technokratisch rüber. Zudem brach zuweilen wieder ihre alte Schwäche auf. Sie kam zu sehr vom Hölzchen aufs Stöckchen.

    Die Moderation: Fritz Frey hatte das Duell insgesamt gut im Griff. Doch in Bedrängnis bringen konnte er Dreyer oder Klöckner nie. Unangenehme Nachfragen wurden den beiden Spitzenkandidatinnen häufig erspart.

    Was fehlte: Die hohe Verschuldung des Landes blieb nahezu unerwähnt. Auch das Streitthema Nationalpark wurde nicht thematisiert oder die Personalnöte der Polizei. Das Duell hätte locker eine viertel oder halbe Stunde länger gehen können, um mehr heiße Eisen anzupacken.

     

    Wahlumfrage: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD Politikexperte: TV-Duell ist Hochrisikofernsehen Kommentar: Dreyer versus Klöckner – Viel Florett, wenig KeuleUmfrage zu Klöckner und Dreyer: Wer hat in welchem Bereich die Nase vorn?Klöckner gegen Dreyer: Spitze Pfeile im TV-Duell zur Landtagswahlweitere Links
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