40.000
  • Startseite
  • » Landtagswahl 2016
  • » Klöckner: Eine Quirlige, die Gegenwind mag
  • Aus unserem Archiv

    Klöckner: Eine Quirlige, die Gegenwind mag

    Es gibt Menschen, die fürs Scheinwerferlicht geboren sind. Surren die Kameras, recken sich ihnen Mikrofone entgegen, laufen sie zu Hochform auf. So jemand ist Julia Klöckner, rheinland-pfälzische CDU-Chefin und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl. Wer die Christdemokratin in ihrem Element erleben will, muss sie in einer Talkshow beobachten. Oder in einer parlamentarischen Debatte. Oder im Dialog mit Bürgern, je mehr, je besser. Klöckner zieht Energie aus kommunikativer Intensität. Gegenrede stachelt sie an. 

    Diese Musik liebe ich: 
Ich mag Lounge, Jazz-, Piano- und Saxophon-Musik. Ein Ohr habe ich immer für U2, Pat Matheny, Fazil Say, Till Brönner. 
Bei diesem Buch kann ich gut abschalten:
Bei den humoristischen Gedichten von Joachim Ringelnatz. 
Mit diesem Star würde ich gern einmal essen gehen:
Ob man mit einem glamourösen Star essen gehen muss? Ganz normale Leute finde ich spannender. 
Ich bewundere die folgende historische Person:
Nelson Mandela, eine Lichtgestalt im Freiheitskampf gegen Rassentrennung. Johannes Gutenberg ist auch eine besondere historische Gestalt für mich. 
An Malu Dreyer schätze ich:
Dass sie immer noch lachen kann, obwohl sie so viele ungelöste Baustellen in ihrer Regierung hat. 
    Diese Musik liebe ich:  Ich mag Lounge, Jazz-, Piano- und Saxophon-Musik. Ein Ohr habe ich immer für U2, Pat Matheny, Fazil Say, Till Brönner.  Bei diesem Buch kann ich gut abschalten: Bei den humoristischen Gedichten von Joachim Ringelnatz.  Mit diesem Star würde ich gern einmal essen gehen: Ob man mit einem glamourösen Star essen gehen muss? Ganz normale Leute finde ich spannender.  Ich bewundere die folgende historische Person: Nelson Mandela, eine Lichtgestalt im Freiheitskampf gegen Rassentrennung. Johannes Gutenberg ist auch eine besondere historische Gestalt für mich.  An Malu Dreyer schätze ich: Dass sie immer noch lachen kann, obwohl sie so viele ungelöste Baustellen in ihrer Regierung hat. 

    Klöckner segelt zuweilen besser gegen als mit dem Wind. Das macht sie zu einer gefürchteten Debattenrednerin. Und sie besitzt ein angeborenes Behauptungs-Gen, eine natürliche, raumgreifende Dominanz. Das hilft ihr, sich durchzusetzen, löst aber bei manchen Menschen auch Abstoßungsreaktionen aus.

    Klöckner polarisiert

    Julia Klöckner polarisiert. Damit wird sie sich abfinden müssen. Die Christdemokratin hat im Sympathiewettbewerb mit Malu Dreyer viel dafür getan, ihre Kanten und Härten abzuschleifen. Ihr Vokabular ist staatstragender geworden, sanfter, beherrschter. Sie lässt seit Dreyers Amtsantritt vor drei Jahren mehr und mehr andere die verbale Keule schwingen. Etwa ihren Generalsekretär Patrick Schnieder.

    Klöckner hat einen eisernen Willen. Sie arbeitet rund um die Uhr, schläft wenig. Sie hat sich auf ihr Idealgewicht heruntergehungert, obwohl sie Süßigkeiten wie Gummibärchen liebt. Und vor allem: Sie hält dieses Gewicht. Was ihr ähnlich viel Selbstkontrolle abverlangt haben dürfte: Das Energie- und Temperamentsbündel von der Nahe hat es über Monate geschafft, seine Impulsivität zurückzuhalten, anderen Fraktionsmitgliedern den Vortritt zu lassen. Auch bei wichtigen Themen. Damit entlastete Klöckner sich, da sie bundespolitisch stark angefragt wird. Damit pflegte sie aber auch den Teamgedanken. Die CDU-Chefin ist eine Meisterin der Selbstdisziplin. Will sie etwas erreichen, macht sie sich einen Plan. Und der ist Gesetz.

    Immer einen Schritt voraus sein

    Der landespolitische Plan Klöckners folgt der Logik maximaler Deutungshoheit. Die CDU-Chefin will der politischen Konkurrenz und vor allem Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) immer einen Schritt voraus sein. Dafür treibt sie ihren Apparat zu Höchstleistungen an. Klöckner gibt den Schrittmacher der großen Debatten, um SPD und Grüne vor sich herzutreiben. Das ist ihr im Skandal um den Nürburgring gelungen, indem sie früh bei der EU-Kommission Präsenz zeigte. Das schaffte sie mit ihren Flüchtlingsgipfeln oder dem Integrationspflichtgesetz - und jüngst auch mit ihrem Plan A2, um den Zustrom an Asylbewerbern zu reduzieren. Klöckner bestimmt die Schlagzeilen. Das ist Politik, wie sie sie mag. Dreyer muss sich an Klöckners Agenda abarbeiten. Wenn sie das halbwegs geschafft hat, zündet die CDU-Chefin die nächste politische Rakete. Ob Klöckner mit ihren Initiativen immer zur Lösung der Probleme beiträgt, steht auf einem anderen Blatt. Ihr A2-Plan etwa zündete (zunächst) vor allem medial. Dennoch: Die agile Ex-Staatssekretärin präsentiert sich als hochtouriger Motor der Gestaltung.

    Da bleibt die Frage: Wer ist Julia Klöckner eigentlich? Sie, die scheinbar so gut mit Menschen kann, gibt in Wahrheit wenig preis. Fragen, die ihr zu nahe kommen, beantwortet sie mit Gegenfragen. Und wenn das nicht hilft, wechselt sie das Thema oder weicht in ihren Schatz an Anekdoten aus. Ein Blick hinter die Fassade lässt sie nur selten zu. Sie kann dann ausgesprochen unkompliziert sein, voller unideologischer Neugierde. Kategorisieren lässt sich meist nur das öffentliche Bild.

    Winzertochter

    Klöckner hat als Winzertochter aus Guldental eine gewisse Robustheit in die Wiege gelegt bekommen. Wo andere mit Puppen spielten, steuerte sie einen Traktor oder spielte Tischtennis. In ihrer Familie geht es zünftig zu. Statusfragen spielen keine große Rolle. Im Weinberg sind alle arbeitenden Hände gleich viel wert.

    Klöckner wurde einst Deutsche Weinkönigin, da sie ein Produkt perfekt vermarkten kann. Ein großes Talent. Aber es ist auch ihr Fluch. Denn es wirft die Frage nach dem Überzeugungskern auf. Tendiert sie eher zum Sozialethiker Heiner Geißler oder dem Wirtschaftsliberalen Friedrich Merz? Klöckner kann mit beiden. Kraft zur Integration kann man ihr nicht absprechen. Aber wo steht sie? Diese Frage wird sie nach und nach beantworten müssen.

    db

    Wichtige Fragen und Antworten zur Wahl: Der Wahlkampf, die Stimmen und das Geld Neue und auch Extreme wollen in den Landtag einziehen Dreyer: Eine Linke, die mit dem Volk kann Das ungleiche grüne Führungsduo
    Landtagswahl 2016
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Jochen Magnus

    0261/892-330 | Mail


    Fragen zum Abo: 0261/98362000 | Mail

    Tweets zur Landtagswahl 2016
    UMFRAGE (beendet)
    Landtagswahl 2016: Sind Sie mit dem Wahlergebnis für Rheinland-Pfalz zufrieden?

    Sie haben den Landtag neu gewählt, wie zufrieden sind Sie mit dem Wahlergebnis der Landtagswahl 2016?

    Super zufrieden! Hätte nicht besser laufen können.
    56%
    Ich bin enttäuscht.
    30%
    War zu erwarten.
    8%
    Hätte ich so nicht erwartet.
    6%
    Stimmen gesamt: 3052
    epaper-startseite