40.000
  • Startseite
  • » Berliner Büro
  • » Kommentare aus Berlin
  • » Kommentar: Deutschland ist in Sachen Kitas ein Flickenteppich
  • Aus unserem Archiv

    Kommentar: Deutschland ist in Sachen Kitas ein Flickenteppich

    Nun also die Erzieher. Nachdem die Lokführer über Tage den Zugverkehr lahmgelegt haben, lassen nun die Kitamitarbeiter die Muskeln spielen. Sie sind heute mächtiger als noch vor zehn Jahren. In einer Gesellschaft, in der zunehmend beide Partner berufstätig sind und immer mehr Kinder schon vor dem dritten Lebensjahr ganztägig betreut werden, sind wegen Streik geschlossene Kitas ein echtes Problem.

    Rena Lehmann
    Rena Lehmann

    Trotz eines erheblichen organisatorischen Spagats, den Eltern nun täglich leisten müssen, ist das Verständnis erstaunlich groß. Trotzdem sind die Erfolgsaussichten der Erzieher schlecht, am Ende mit sagenhaften 10 Prozent mehr Geld aus den Verhandlungen zu gehen.

    Die Kommunen sind vor allem in Rheinland-Pfalz bis zum Anschlag überschuldet. Wohl deshalb lässt die Reaktion der kommunalen Spitzenverbände auf die selbstbewussten Forderungen der Gewerkschaften auf sich warten. Verdi will Gehaltssprünge von bis zu 500 Euro für die Erzieherinnen. Sie haben gute Argumente auf ihrer Seite: Die Erwartungen daran, was die Pädagogen heute leisten sollen, sind erheblich gestiegen. Seit bekannt ist, dass die spätere Bildungskarriere eines Kindes von der Förderung in seinen ersten Lebensjahren abhängt, ist es ja mit Spielen und Fürsorge allein im Kindergarten nicht mehr getan. Von den Erziehern wird erwartet, dass sie auch Spracherwerb und Lernfortschritt im Blick haben. Nicht zuletzt sind sie auch noch zuständig dafür, dass Kinder Sozialverhalten und einigermaßen passable Manieren erlernen. Die Forderung nach mehr Anerkennung für ihre Arbeit ist deshalb nachvollziehbar.

    Fragen der Qualität bleiben auf der Strecke

    Ein bundesweiter Streik ist aber problematisch: Die Qualität der Kinderbetreuung ist zwischen Schleswig-Holstein und Bayern so unterschiedlich wie die Schulformen. In manchen Ländern werden Kitagebühren erhoben, in anderen nicht. In manchen Ländern kümmert sich ein Erzieher um bis zu zehn Kinder, in anderen ist ein Erzieher für drei Kinder zuständig. In manchen Ländern dauert die Ausbildung drei, in anderen fünf Jahre. In den vergangenen Jahren wurde der Ausbau der Kitaplätze rasend schnell vorangetrieben, Fragen der Qualität und die Anforderungen an Erzieher blieben dabei auf der Strecke.

    Deutschland ist heute in Sachen Kitas ein bunter Flickenteppich. Nun flächendeckend mehr Geld zu fordern, ist deshalb auch nicht ganz redlich. Der Streik ist aber ein Zeichen für die Unzufriedenheit der Pädagogen, nicht allein in finanzieller Hinsicht. Er zeigt, dass es eben nicht damit getan ist, neue Plätze zu schaffen. Der Betrieb muss auch laufen können - und zwar mit Niveau. Überall.

    So wäre der Kita-Streik zu vermeidenViele Erzieher in Koblenz und der Region sind enttäuscht von Schlichtung Kita-Streik ist zu Ende: Schlichter sollen Lösung findenExperte: Elternbeiträge lösen Kitastreit nicht Es wird wieder verhandelt: Kita-Streiks gehen weiterweitere Links
    Kommentare aus Berlin
    Meistgelesene Artikel