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    RZ-Autotest: Unvernunft in ihrer schönsten Form

    Man kann die Sonne auf vielfältige Weise genießen. Eine der schönsten Arten ist sicherlich, mit einem Porsche 911 Carrera S Cabrio offen unterwegs zu sein.

    Bei diesem Anblick bekommen Männer weiche Knie und Herzrasen. Das Porsche 911 Carrera S Cabrio kommt dem perfekten Sportwagen schon ziemlich nahe. Foto: Porsche
    Bei diesem Anblick bekommen Männer weiche Knie und Herzrasen. Das Porsche 911 Carrera S Cabrio kommt dem perfekten Sportwagen schon ziemlich nahe.
    Foto: Porsche

    Und das ist nicht die unvernünftigste. Das Dach des offenen Elfers faltet sich in wenigen Sekunden auf Knopfdruck zwischen Rücksitzen und Motorraum zusammen, gern auch während der Fahrt, solange diese nicht mit mehr als 50 km/h absolviert wird. Der umgekehrte Weg funktioniert natürlich ebenso - also mittels Tastensteuerung in der Mittelkonsole.

    Anders als bei seinen Vorgängern besteht das Dach aus festem Magnesium, das aus stilistischen Gründen mit Stoff bespannt wurde. Dadurch wird es in geschlossenem Zustand steifer, und erstmals konnte die Silhouette des Coupés auch beim Cabrio wiedergegeben werden. Bei geschlossenem Dach merkt man auch akustisch kaum einen Unterschied zwischen Coupé und Cabrio.

    Selbst Telefongespräche sind bei sehr hohen Geschwindigkeiten noch am anderen Ende der Leitung verständlich, was hilfreich ist, wenn man unterwegs ein wenig den Neid der Mitmenschen schüren mag, die gerade nicht in diesem Auto sitzen, es aber gern würden. Nebenbei erlaubte der Testwagen den Genuss des vom Hi-Fi-Spezialisten Burmester für das Cabrio maßgeschneiderten Soundsystems, das gegen einen Aufpreis von knapp 4400 Euro allerfeinste Töne ans Gehör bringt. Porsche bietet zwar auch eine günstigere Lösung an, aber dieser Mehrpreis erzeugt einen echten Mehrwert, gibt es derzeit doch kaum ein besseres mobiles Klangsystem auf dem Markt. Während Keith Jarretts perlender Klavierläufe wähnt man sich jedenfalls mitten im Flügel sitzend. Auch bei offenem Dach kapituliert das Burmester-System nicht vor den tosenden Winden.

    Dabei hat der 911er derlei gar nicht nötig, tönt er doch auch ohne Soundsystem höchst angenehm. Die Geräuschkulisse zwischen Knurren, Fauchen und Kreischen erzeugt das Cabrio fast wie ein alter luftgekühlter der Baureihe 964 oder 993, jedenfalls wenn man ihn ein bisschen rannimmt. Im Vernunftmodus bleibt er locker und leise. Dann schaltet die formidable Siebengangautomatik (PDK), die eigentlich ein Doppelkupplungsgetriebe ist, schon bei Stadttempo in den fünften Gang und nutzt jede sich bietende Möglichkeit zum "Segeln", also zum Rollen ohne Antrieb. Dieses Getriebe verteuert das Cabrio zwar um rund 3500 Euro, es ist aber jeden einzelnen davon Wert, weil es auch ohne Zutun des Fahrers alles bestens erledigt und automatisch richtig macht. Die Möglichkeit des Selbstschaltens per Lenkradpaddel ist nett, wenn man vorführen will, was alles geht, aber sie ist im Alltag und selbst bei flotter Fahrt unnötig. Das gilt auch für die Sport- und Sport-plus-Taste, die das Cabrio nochmals nachschärft und hohe Drehzahlen mag.

    Fahrzeugschein: Porsche 911 Carrera S Cabrio

    • Hubraum: 3800 ccm
    • Zylinder: 6
    • Leistung: 294 kW/400 PS
    • Max. Drehmoment: 
440 Nm bei 5600 U/min
    • Höchstgeschw.: 299 km/h
    • Beschleunigung:
4,5 Sek., 0 auf 100 km/h
    •  Testverbrauch: 11,2 Liter
    • Treibstoff: Super
    • Tankvolumen: 64 Liter
    • CO2-Emission: 210 g/km
    • Länge: 4,49 m
    • Breite: 1,81 m
    • Höhe: 1,29 m
    • Leergewicht: 1540 kg
    • Zuladung: 420 kg
    • Kofferraum: 145 Liter
    • Preis: ab 121 416,50 Euro

     

    Mit dem offenen Carrera S könnte man so manchen aufgemotzten Sportler locker wegfahren. So exakt wie dieses Auto Richtungsänderungen durchführt, so ruhig wie es nahe der Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h liegt - das kommt dem perfekten Sportwagen schon ziemlich nahe. Dass dieses 400 PS starke Spaßpaket im Schnitt bei knapp 1500 Kilometern Alltagstest nur 11,2 Liter Superplus konsumierte und auf mancher Etappe sogar unter dem Normwert von 8,9 Litern blieb, sollte nicht unerwähnt bleiben. Ebenso die Tatsache, dass Porsche-Fahren auch im Jahr 2013 kein ganz günstiges Vergnügen ist. Zum Grundpreis 121.417 Euro inklusive PDK kamen bei unserem Testwagen etliche Extras. In dieser Form berechnet Porsche mindestens 140 000 Euro für den Sportler. Wenn man auf das "S" und die damit verbundenen 50 Zusatz-PS verzichten kann, beginnt das offene 911er-Vergnügen bei 103.150 Euro. Das könnte für ein Cabrio dieser Art nun wirklich die Wahl der Vernunft sein.

    Porsche 911
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