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    Porsche 911: Der Traum eines Mannes

    Ein außergewöhnliches Fahrzeug für normale Menschen. Eine Porsche-Geschichte ohne technische Details, ohne Protzen mit Superlativen und ohne imaginären Temporausch: Nur ein Mann und sein Auto sind in Leidenschaft miteinander verbunden.

    Blau-Metallic ist nicht unbedingt meine Farbe...: Reinhold Oberhoffer und sein 911er.
    Blau-Metallic ist nicht unbedingt meine Farbe...: Reinhold Oberhoffer und sein 911er.
    Foto: Axel Müller

    Von unserem Redakteur Axel Müller

    Endlich, das Haus ist gefunden – oder sollte ich besser sagen das Anwesen. Ettringen bei Mayen in der Eifel, Hanglage mit unverbaubarer Fernsicht, eine großzügig dimensionierte Doppelgarage und ein Pool, in dem ein kleiner Reinigungsroboter unermüdlich seine Bahnen zieht. Doch was vor alle dem ins Auge sticht: Vor der Garage steht dekorativ ein im prallen Sonnenlicht geparkter Porsche – frisch gewaschen und poliert. Blau-Metallic ist nicht unbedingt meine Farbe, sagt der Mann, der, über den Wagen gebeugt, letzte Wassertropfen vom Lack reibt, und ich nicke zustimmend.

    Trotzdem hat sich Reinhold Oberhoffer vor vier Jahren für den Kauf des Zuffenhausener Sportwagens entschieden. Der pensionierte Gymnasiallehrer war damals 59, seine neue Liebe elf Jahre alt. Ein Altersunterschied, der selbst von liebestollen Hollywoodrentnern auf Brautschau selten übertroffen wird. Während Letztere sich allerdings blutjunge Nachwuchsdarstellerinnen angeln, holt sich Reinhold Oberhoffer eine automobile Geliebte ins Haus und bleibt bei seiner Iris (51), mit der er diesen Monat Silberne Hochzeit feiert.

    Für „Absparer“ 
und Großverdiener

    „Ich war ein Spätberufener“, sagt der agile 63-Jährige heute, „doch jetzt bin ich vom Porsche-Virus infiziert. Ja, sogar meine Frau kann sich dafür begeistern.“ Grund genug für Oberhoffer, einen Stammtisch ins Leben zu rufen, bei dem sich Porsche-Enthusiasten zum lockeren Gedankenaustausch treffen. Hier geht es nicht nur um technische Details, um PS-Protzereien oder die Größen walzenartiger Hinterachs-pneus. Nein, die Treffen – übrigens mit Frauen – finden ausschließlich aus Spaß an der Freude statt. Das Spektrum der Teilnehmer ist breit gestreut und reicht vom Markenliebhaber, der sich den Wagen mit dem heiß geliebten Emblem vom Mund absparen muss, bis hin zum Großverdiener, der mal eben eine Viertelmillion Euro Bares auf die Ladentheke blättert, wenn er sich seinen funkelnagelneuen PS-Boliden beim Händler seines Vertrauens abholt.

    Wenn Reinhold Oberhoffer gefragt wird, wie er sich denn ein solch teures Auto leisten kann, hat er eine klare Antwort parat. „Starke Raucher blasen monatlich mehr Geld in die Luft, als mein Porsche an Unterhalt kostet.“ Der Kaufpreis selbst entspricht aufgrund des Alters etwa dem eines neuen Golf GTi. Apropos Unterhalt: Er ist kein Schrauber, sondern ein Pfleger, betont der Eifeler Autofan. Schweißen, lackieren, das Öl wechseln oder durch den Einbau technischer Finessen noch ein paar PS mehr aus dem Motor herauspressen – das ist nicht Oberhoffers Welt. Er bringt die 18-Zoll-Felgen zum Glänzen, übersieht kein Haar auf den Polstern und reibt dem Wagen den Lack runter, wenn er nicht anders sauber zu bekommen ist. Erst wenn jede Lamelle bis in die letzte Ritze sauber ist, erst wenn alle Spuren ablaufenden Schaumwassers abgerubbelt und ein paar verirrte Körnchen weit gereisten Saharastaubes vorsichtig kratzerfrei von der Karosserie gewedelt sind, dann ist der Ettringer Porsche-Liebhaber zufrieden.

    „Ob ein Auto gepflegt oder nur sauber ist, macht einen Riesenunterschied.“ Spätestens nach solchen Aussagen weiß man, das Oberhoffer einen kräftigen Schuss Benzin im Blut haben muss. „Morgens fahre ich sogar erst schonend den Motor warm, bevor ich etwas kräftiger aufs Gaspedal trete“, sagt er. Doch nach dem Warm-up, wie die Aufwärmrunde im Rennsport genannt wird, sieht man den Umgang mit der Asphaltrakete locker. Da gibt es keinerlei Vorbehalte bezüglich der fahrenden Personen. Ob Reinhold Oberhoffer, seine Frau Iris oder die Kinder Martin und Maria – jeder kann und darf die 300 Pferdchen reiten. Der Respekt vor der schieren Kraft des Sportwagens ist offenbar bei allen Familienmitgliedern vorhanden, und das ist gut so.

    280 Kilometer pro Stunde: Wo kann man im dicht besiedelten und verkehrsüberlasteten Deutschland schon so eine Geschwindigkeit fahren? Einmal hat er sein PS-Schätzchen bis knapp jenseits der 270 gejagt, aber das war nicht wirklich lustig, sagt er. Ein solches Tempo fordert höchste Konzentration und ist deshalb nicht lange durchzuhalten. Außerdem: Oberhoffer ist nach eigener Aussage kein Raser. Für den sportlich-schlanken 63-Jährigen erweist sich das Fahrzeug als eine Art Kunstwerk, von dem er jeden Tag aufs Neue fasziniert ist. Allein die Form, die seit 50 Jahren fast unverändert geblieben ist, die unglaubliche Kraft auf der Hinterachse und der unverwechselbare Klang aus den Auspuffrohren – all das lässt Oberhoffer ins Schwärmen geraten.

    Seit nunmehr sechs Wochen in der passiven Altersteilzeit, kann sich der ehemalige Lehrer noch ausgiebiger seinem Hobby Porsche widmen. So könnte er beispielsweise ein weiteres Mal ein Fahrsicherheitstraining absolvieren, an dreien hat er schon teilgenommen. „Da kann man enorm viel über das Fahrverhalten seines Autos lernen“, bekennt Oberhoffer, „unter anderem wie schnell ein Pkw hinten ausbrechen kann.“ Er rät jedem Autofahrer, einen solchen Kurs zu machen. Das Geld dafür ist auf jeden Fall sinnvoll investiert, sagt er.

    An der Hand des Vaters 
zum Nürburgring

    Schnelle Autos und die Liebe zum motorisierten Rennsport ziehen sich durchs ganze Leben von Reinhold Oberhoffer. Die Nähe seines Wohnortes zum Nürburgring hat dabei keine unwesentliche Rolle gespielt. Schon als vier- bis sechsjähriger Pimpf nahm ihn sein Vater mit zu Rennen. Da reifte bereits die Idee vom eigenen Porsche. Aber auch wenn Klein-Reinhold damals noch so viele Autos von den Nachbarn wusch, dafür reichte es nicht. „In Schule und Studium gab es ebenso keine Chance, und als vierköpfige junge Familie war das alles fern jeder Realität“, erklärt der Pensionär. Doch um es frei nach Udo Jürgens zu sagen: „Mit 59 Jahren, da fängt das Leben an, mit 59 Jahren, da hat man Spaß daran ...“

    Das war vor vier Jahren – und der Spaß an seinem 911er hat bislang nicht nachgelassen. Genauso wie seine Liebe zur Musik. Klavier und Kirchenorgel, Gitarre und Schlagzeug – Oberhoffer ist ein Multitalent. Mit der Band The Honeycake-Horses (Die Honigkuchen-Pferde) hat er schon so manchen Abend gerockt. Doch mag die Band auch noch so gut sein, „ein Porsche, das ist wahre Musik in meinen Ohren“, begeistert sich der Fan.

     

     

    Porsche 911
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