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    Der 911erDie Porsche-Fans vom Nürburgring: Wir sind 911

    Jugendtraum, Rennfahrer-Liebe, Sammlerstück, Bastler-Schätzchen. Seit jeher hat die Zuffenhausener Marke Menschen fasziniert, manchmal sogar ihren Lebensweg bestimmt.

    Kommandobrücke: Rudi Philipp im Kontrollraum des Nürburgrings. Bei Porsche-Rennen ist er der Chef.
    Kommandobrücke: Rudi Philipp im Kontrollraum des Nürburgrings. Bei Porsche-Rennen ist er der Chef.

    Einer ist Rudi T. Philipp (72) aus Urbar (Kreis Mayen-Koblenz). Philipp ist Präsident des Porsche Clubs Nürburgring. Der Klub, 1960 von Armin Hardy, dem früheren Porsche-Verkaufsleiter bei Löhr und Becker in Koblenz, gegründet, gehört mit seinen mehr als 70 Mitgliedern zu den großen Säulen der Porsche Klubszene.

    Bergbau-Ingenieur Philipp gerät sofort ins Schwärmen, wenn es um sein Lieblingsthema geht: „Schon als Junge habe ich von einem Porsche geträumt. Mit 38 Jahren konnte ich mir dann endlich den ersten 911er kaufen, einen Drei-Liter-Carrera SC.“

    Darauf folgte ein 3,3-Liter Turbo. „Doch der war nicht für den Rennsport geeignet“, erinnert sich Philipp, der mit seinen 911ern auch Porsche-Rennen auf den berühmten Rennstrecken in ganz Europa fuhr. „Der Turbo hatte im Gegensatz zum Saugmotor bei höheren Temperaturen einen Leistungsabfall. Auf Grand-Prix-Strecken sprach der Saugmotor einfach besser an. Außerdem war der 3,3-Liter Turbo zu schwer.“

    Der Urbarer kaufte sich deswegen einen 2,7-Liter Carrera RS, Baujahr 1973. Dieses Auto mit dem legendären Bürzel über dem Motor im Heck wog nur 965 Kilogramm und hatte 245 PS Leistung. „Damit gewann ich von 1981 bis 1987 alle Rennen“, schwärmt Philipp noch heute. Der 2,7-Liter Carrera RS gehört heute zu den begehrtesten und teuersten Oldtimer-Modellen. Liebhaber zahlen dafür auch schon mal mehr als 200 000 Euro. Als Alltagsauto leistete sich der Porsche-Enthusiast noch einen 3-Liter-RS, von dem in der Straßenversion nur 50 Exemplare gebaut wurden. Von da an besaß er jedes 911er-Turbo-Modell, bis heute so an die 20 Stück, natürlich nie alle zugleich.

    „Meine Frau Rosemarie und auch später Tochter Tanja waren ebenfalls vom 911er-Fieber gepackt“, erzählt Philipp. Der Enthusiasmus der Familie lässt sich auch daran ablesen, dass Ehefrau und Tochter zu jedem Rennen mitfuhren, egal, wohin, und die Daumen gedrückt haben.

    Und sein schrägstes 911er-Erlebnis? „Vor einem Rennen in Monza hatte ich vergessen, den Kofferraumdeckel (der beim 911er vorn ist) richtig zu schließen“, erinnert sich Philipp. „Während des Rennens bildete sich zunächst ein Spalt, der immer größer wurde. Durch den flogen bald nach und nach meine Rennunterlagen auf die Piste. Irgendwann quetschte sich auch meine Rennjacke durch die größer werdende Öffnung und landete auf der Piste. Anhalten gab es nicht, denn ich wollte ja gewinnen.“

    Philipps Rennfahrerherz schlägt natürlich am allermeisten für den Nürburgring. Hier ist er wie fast auf allen Strecken in Europa Rennleiter und Sportkommissar für die Porsche-Rennen. Mit ihm öffnen sich auch für unsere Zeitung während des Oldtimer-Grand-Prix die Türen zu den sonst unzugänglichen Stätten am Nürburgring. Wie etwa zum Starterturm oder dem fensterlosen Renn-Kontrollraum, wo mehr als ein Dutzend Personen auf unzähligen Monitoren das Renngeschehen überwachen. Wie Oliver Grodowski, der als Rennleiter Chef für alle Rennstrecken in Deutschland ist. Grodowski sagt: „Ich bin bei Rudi Philipp in die Lehre gegangen.“

    Ein Jugendtraum

    Abgefahren: Als Lehrling saß Ernst Werner Scherer zum ersten Mal im Porsche. Heute verkauft er die Flitzer.
    Abgefahren: Als Lehrling saß Ernst Werner Scherer zum ersten Mal im Porsche. Heute verkauft er die Flitzer.

    Ernst Werner Scherer (65) aus Simmern im Hunsrück ist seit seiner frühen Jugend Porsche- und ganz besonders 911er-Fan. 1967 hatte er zum ersten Mal die Möglichkeit, einmal einen gebrauchten 911 T zu fahren.

    Scherer hatte zunächst eine Kfz-Mechaniker-Lehre beim Frankfurter Porsche-Händler Glöckler absolviert und arbeitete damals noch als Volontär in verschiedenen Abteilungen des Autohauses. Noch heute erzählt er stolz: „Schon nach einem halben Jahr durfte ich dann in die Porsche-Werkstatt. Das war eine große Ehre für mich.“

    Den ersten Kontakt mit dem neuen 911er bekam er auf der Frankfurter Internationalen Autoausstellung (IAA). Scherer erinnert sich: „Damals gab es noch nicht die Messebaufirmen wie heute. Wir Lehrlinge haben mitgeholfen, den Stand aufzubauen, und so konnte ich den neuen 911er aus der Nähe bewundern. Mein erster Eindruck war: Mit den im Vergleich zum 356er großen Glasflächen ist es ein ansehnliches Auto. Viele Porsche-Fans waren zunächst etwas reserviert. Erst im Lauf der Zeit erkannten sie, welch großartiger und zeitloser Entwurf damals gelungen ist.“ Ab 1968 fuhr Scherer neben weiteren Fahrzeugen der Volkswagen-Familie auch mit einem Porsche Rennen. Hier ging es um die deutsche Slalom-Meisterschaft, wo Scherer einmal den dritten Platz belegte. Außerdem fuhr er Bergrennen, zum Beispiel in Veldenz an der Mosel.

    Scherer sagt: „Das war damals der Rennsport des kleinen Mannes. Auch wir reisten mit unseren Rennautos an, nur die Rennreifen führten wir als Zubehör mit.“ Scherers Vater besaß damals eine VW-Autohandlung in Simmern. Wegen des Gebietsschutzes durfte diese Firma Fahrzeuge von Porsche nur vermitteln, hauptsächlich an auf dem Hunsrück stationierte US-Soldaten. Scherer erinnert sich: „Im Hunsrück gab es in den 60er-Jahren nur eine geringe Kaufkraft. Einmal durften wir einen 911er an einen Notar aus Kastellaun verkaufen.“

    Heute leitet der Porschefan zusammen mit seinen Söhnen die Scherer Gruppe mit Sitz in Simmern, zu der seit einigen Jahren auch der Handel mit Porsche-Fahrzeugen gehört. Für Scherer ging damit ein Traum in Erfüllung. Trotz des in den Jahrzehnten immer moderner gewordenen 911ers verbringt Scherer seine Zeit am liebsten mit seinem 911 S, Baujahr 1972 in der damals modernen Signalfarbe, gelb.

    Metzger-Mobil

    Saugut: Der 911er von Metzger Bernd Langewiesche rollt in Schweinchen-Optik über den Ring.
    Saugut: Der 911er von Metzger Bernd Langewiesche rollt in Schweinchen-Optik über den Ring.

    Auf kuriose Weise demonstriert Bernd Langewiesche (65) seine Porscheliebhaberei und seinen Metzgerberuf. Beim Oldtimer-Grand-Prix startete er jetzt auf dem Nürburgring mit seinem „Schweinchen-Porsche“. Der 911 RS Baujahr 1972 ist rosa lackiert, und die Karosserie ist in Schinken, Schulter, Hirn, Haxen, Wamme und Kotelett unterteilt.

     

     

     

    Porsche zum Aufhängen

    Flach-Flitzer: Künstler Andreas Hentrich verewigt Porscheansichten auf Aluplatten.
    Flach-Flitzer: Künstler Andreas Hentrich verewigt Porscheansichten auf Aluplatten.

    Andreas Hentrich (61) aus Lahnstein lebt seine Porsche-Leidenschaft mittlerweile auf künstlerische Weise aus. 15 Jahre lang ist er mit 356ern und 911ern in Europa und Kalifornien Rennen gefahren – bis er Ende der 70er-Jahre das Lenkrad gegen den Pinsel tauschte. Seit 35 Jahren ist Hentrich auf der ganzen Welt unterwegs, um seine Metallgrafiken zu verkaufen.

    Hentrich, der bereits vor seiner Rennzeit Kunst und Psychologie studiert hatte, überträgt kolorierte Tuschezeichnungen von 911 und Co. auf Aluminiumplatten. Zu seinen Kunden gehören zahlreiche Prominente, zum Beispiel Wolfgang Porsche, Piero, der Sohn von Enzo Ferrari, Bill Gates oder der König von Saudi-Arabien. „An so einem Bild arbeite ich eine Nacht“, erklärt der Künstler. Ein echter Hentrich kostet bis zu 1000 Euro – mit dem Erlös bestreitet der Lahnsteiner nicht nur seinen Lebensunterhalt. Hentrich unterstützt ein Hilfsprojekt für krebskranke Kinder in Sri Lanka.

    Sie haben schöne Fotos von sich und Ihrem Porsche? Schicken Sie sie uns per E-Mail an leserpost@
rhein-zeitung.net

    Porsche 911
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