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    BerlinBundeswehr: Das Trauma beginnt vor dem Auslands-Einsatz

    Viele Soldaten, die traumatisiert aus dem Afghanistan-Einsatz zurückkehren, sind bereits psychisch vorbelastet an den Hindukusch geflogen. Zu diesem Ergebnis kommt die bislang weltweit größte Studie über Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) der Technischen Universität Dresden im Auftrag des Bundestages.

    Jeder fünfte Soldat am Kindukusch ist psychisch vorbelastet. Foto: dpa
    Jeder fünfte Soldat am Kindukusch ist psychisch vorbelastet.
    Foto: dpa

    Von unserem Berliner Korrespondenten Gregor Mayntz

    Demnach geht jeder fünfte Soldat mit einer psychischen Störung in den Einsatz. Das Risiko einer neuen Erkrankung steigt dadurch um das Vier- bis Sechsfache. Experten verlangten daher eine noch intensivere Vor- und Nachsorge.

    Afghanistan-Veteranen haben ein besonders hohes Erkrankungsrisiko

    Von den 10.000 Soldaten, die 2009 im Afghanistan-Einsatz waren, sind nach den wissenschaftlichen Erhebungen rund 200 von PTBS betroffen. Gegenüber daheim gebliebenen Soldaten hatten die Afghanistan-Veteranen ein bis zu zehnfach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Auf 50 Prozent schätzen die Experten die Dunkelziffer der vorhandenen, aber nicht behandelten Erkrankungen. Die Zahl der PTBS-Fälle nach Verwendungen in Afghanistan stieg nach offiziellen Angaben binnen einem Jahrzehnt von 84 auf weit mehr als 900 pro Jahr. Gleichwohl liegt die Zahl der Erkrankungen bei der Bundeswehr deutlich unter den aus den Vereinigten Staaten bekannten Zahlen von bis zu 20 Prozent.

    Dies darf nach Ansicht der Wissenschaftler nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einsätze "nahezu ausnahmslos mit einem hohen Ausmaß von Belastungen verbunden" seien. Konfrontationen mit Kampf, Verletzungs- und Todessituationen kämen im Einsatz wiederholt vor. Jeder zweite Soldat berichtet von mindestens einem traumatischen Erlebnis, 14 Prozent sogar von drei oder mehr.

    Verteidigungsexperte Jürgen Hardt (CDU) sieht die Truppe wegen der wachsenden Betreuungsangebote insgesamt auf einem guten Weg. Allerdings müsse die Dunkelziffer der aus falsch verstandenem Stolz verschwiegenen Erkrankungen weiter gesenkt werden. Im Gespräch mit unserer Zeitung beklagte Hardt das Fehlen von Fachärzten für Psychiatrie. "Dort, wo wegen des Mangels keine Fachärzte verfügbar sind, sollten zumindest entsprechend geschulte Psychologen die Stellen besetzen", forderte der CDU-Politiker.

    Kommentar: Auch 2 Prozent traumatisierte Soldaten sind keine Kleinigkeit
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