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    Kanzler der Einheit gestorben: Trauer um Helmut Kohl

    Helmut Kohl ist tot. Der Altkanzler ist am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.

    Trauer um Altkanzler Helmut Kohl. Er wurde 87 Jahre alt.
    Trauer um Altkanzler Helmut Kohl. Er wurde 87 Jahre alt.
    Foto: dpa

    Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank und saß im Rollstuhl. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert, nach monatelangem Klinikaufenthalt kam er aber wieder zu Kräften. Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert - 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Als sein größter Erfolg gilt die deutsche Wiedervereinigung.

    Als jüngster Ministerpräsident Deutschlands setzte CDU-Politiker Helmut Kohl zahlreiche Reformen um und modernisierte Rheinland-Pfalz, später wurde er Bundeskanzler.

    Sein politisches Gespür und sein Machtwille ließ bereits in Rheinland-Pfalz schnell erahnen, dass Ministerpräsident Helmut Kohl über die Landespolitik das Kanzleramt erobern will. Wie durchsetzungsstark der Pfälzer sein konnte, spürte bereits sein Vorgänger in der Mainzer Machtzentrale, Peter Altmeier. Den Wechsel an der Spitze des Landes organisierte Kohl äußerst zielstrebig – und trotz aller Differenzen mit Absprache des aus Koblenz stammenden Vorgängers.

    Als „schwarzer Riese“ prägte Helmut Kohl Rheinland-Pfalz und setzte viele Reformen um. 1976 wechselte er, auch mit vielen Pfeifen im Gepäck in den Bundestag nach Bonn – zunächst als Oppositionsführer.
    Als „schwarzer Riese“ prägte Helmut Kohl Rheinland-Pfalz und setzte viele Reformen um. 1976 wechselte er, auch mit vielen Pfeifen im Gepäck in den Bundestag nach Bonn – zunächst als Oppositionsführer.
    Foto: dpa

    1966 wurde der 1959 in den Landtag eingezogene und bereits 1963 zum Fraktionschef gewählte „schwarze Riese“ erstmals CDU-Landeschef. Er überließ Altmeier noch die Landtagswahl 1967, um am 19. Mai 1969 und nach Altmeiers Rücktritt nach 22 Jahren die Regierung mit CDU/FDP-Koalition zu übernehmen. Ihr gehörten auch seine damaligen Vertrauten und Studienfreunde Heiner Geißler (Soziales) und Bernhard Vogel (Kultus) an, die Kohl bereits 1967 im Kabinett installiert hatte. Damit der in die Defensive gedrängte Altmeier sich auch stets an seine Absprachen erinnerte, stellte Kohl seinen Schreibtisch auch schon einmal in dessen Amtszimmer.

    Der mit 39 Jahren jüngste Ministerpräsident Deutschlands modernisierte Rheinland-Pfalz – auch mit Strukturen, die damals Beispiel für andere Länder waren und noch heute das Land prägen. In Kohls Ära verschwanden – trotz Widerstands in eigenen Reihen – die Zwergschulen und die staatlichen Konfessionsschulen, an denen Altmeier stets festgehalten hatte. Mit Geißler als Vordenker brachte die Regierung Kohl eines der ersten Kindergartengesetze auf den Weg – auch Sozialstationen und ambulante Hilfezentren mit examinierten Kräften. Dass er notfalls bereit war, mit Hauen und Stechen eine Reform durchzusetzen, bewies er vor allem bei der Verwaltungsreform. Die damals in der Opposition verharrende SPD hatte er auf seine Seite gebracht, als vor Ort größte Widerstände zu überwinden waren und erboste Pfarrer sogar die Glocken aus Protest läuteten. Aber Kohl zog die Reform durch: Er schuf die Verbandsgemeinden, machte aus fünf Regierungsbezirken drei und aus 39 Landkreisen 24. Das nötigt auch heute noch Respekt ab – vor allem beim Blick auf die eher zaghaft wirkenden Reformschritte, die Jahrzehnte später nur noch möglich sind.

    Mit der Ära des Ministerpräsidenten Kohl sind auch die von Bernhard Vogel organisierten Neugründungen der Universitäten Trier und Kaiserslautern verbunden, die in den Nachwehen der Studentenproteste von 1968 geräuschlos, aber effektiv gelang.

    Bei seiner ersten Landtagswahl, die der passionierte Pfeifenraucher zu bestehen hatte, holte er die absolute Mehrheit, die er 1975 noch ausbaute. Als strahlender Sieger stieg er auch in der Bundes-CDU auf. Hatte Rainer Barzel die erste Kampfkandidatur um den Bundesvorsitz gegen Kohl 1971 noch klar gewonnen, beendete das gescheiterte Misstrauensvotum gegen Kanzler Willy Brandt Barzels Karriere und machte den Weg für den Rheinland-Pfälzer frei. Nach vielen Impulsen in Rheinland-Pfalz wechselte Kohl 1976 nach Bonn – zunächst als Oppositionsführer im Bundestag. 1982 wurde der Netzwerker Kanzler, sein Arbeitsminister Norbert Blüm, der 1972 über die rheinland-pfälzische Landesliste in den Bundestag gezogen war. Er distanzierte sich wie andere Weggefährten am Ende wegen der Spendenaffäre von Kohl. Von unserer Chefreporterin Ursula Samary

    Der Karikaturist Horst Haitzinger hat das politische Leben des Helmut Kohl über viele Jahre begleitet, eine Auswahl:

    Reaktionen auf Helmut Kohls Tod:

    Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission

    „Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund. Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht. Nur drei Menschen, Jean Monnet, Jacques Delors und Helmut Kohl haben für ihre Verdienste für die europäische Zusammenarbeit die Ehrenbürgerschaft Europas erhalten. In Gedenken an Helmut Kohl habe ich deshalb die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast setzen lassen."

    Donald Tusk, EU-Ratspräsident

    „Ich werde mich stets an Helmut Kohl erinnern. Ein Freund und ein Staatsmann, der geholfen hat, Europa wiederzuvereinen.“

    Antonio Tajani, Präsident des Europäischen Parlamentes

    „Ein großer Deutscher und ein groß0er Europäer ist von uns gegangen. Ichverneige mich vor der Lebensleistung von Helmut Kohl.“

    Jens Stoltenberg, Nato Generalsekretär

    „Helmut Kohl war die Verkörperung eines vereinten Deutschlands in einem vereinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, zeigte er sich der Situation gewachsen. Ein echter Europäer.“

    Charles Michel, Ministerpräsident Belgien

    „Ein wahrer Europäer ist heute von uns gegangen. #HelmutKohl wird unsfehlen.“

    Emmanuel Macron, Staatspräsident Frankreich:

    „Architekt der deutschen Einheit und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen großen Europäer.“

    Christian Kern, Bundeskanzler Österreich

    „Mit Helmut Kohl ist ein großer Europäer von uns gegangen, sein Vermächtnisbleibt. R.I.P.“

    Anders Fogh Rasmussen, ehemaliger Nato-Generalsekretär

    „R.I.P. Helmut Kohl, eine visionärer europäischer und Weltführer. In einem Zeitalter der Isolation können wir nur von ihm lernen.“

    Ministerpräsidentin Malu Dreyer: "Er war ein rheinland-pfälzischer Europäer"

    „Helmut Kohl gehört zu den herausragenden politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

    Malu Dreyer
    Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).
    Foto: Maurizio Gambarini/Archiv - dpa

    Er war ein überzeugter Europäer und gilt als Kanzler der Einheit. Mit großer Zielstrebigkeit und ausgeprägtem Machtbewusstsein hat er politisch gewirkt. Helmut Kohl verkörpert die europäische Idee wie wenige andere. Er war ein rheinland-pfälzischer Europäer."

    CDU-Chefin Julia Klöckner:  "Ausnahmepolitiker der Geschichte"

    “Mit Helmut Kohl verliert unser Land eine seiner prägendsten Persönlichkeiten, und viele von uns verlieren mit ihm einen Weggefährten, der an diesem Tag fast unersetzlich scheint.

    Julia Klöckner
    Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner .
    Foto: Sven Hoppe/Archiv - dpa

    Mich persönlich hat er bei vielen Gesprächen immer wieder beeindruckt - es war sein Detailwissen ohne klein zu denken, es war seine Heimatverbundenheit ohne provinziell zu sein, es war seine Weltläufigkeit ohne Wurzeln zu vergessen.

    Und es waren sein Mut, seine klaren Positionen und weichenstellenden Entscheidungen, die ihn zu einem Ausnahmepolitiker der Geschichte machen – sicher, neben den vielen Höhen auch mit Tiefen in seinem Leben.“

    Helmut Kohl: Der Pfälzer und sein Abschied von der Weltbühne [mit Video]Entsetzen bei früheren Vertrauten Helmut Kohls: Die Tragik eines großen MannesEklat vor verschlossener Haustür: Helmut Kohls Sohn und Enkel werden nicht zu dem Toten gelassenKondolenzbuch für Kohl: Totenmesse im Speyerer Dom?Helmut Kohl gestorben: Die Reaktionen aus Rheinland-Pfalzweitere Links
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