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    Rheinland-Pfalz/Berlin

    Industrie: Leise Züge kommen später

    Für die unter Bahnlärm leidenden Menschen am Mittelrhein ist ein neues Gutachten ein Schreckensszenario: Demnach ist es nicht zu schaffen, bis 2016 mindestens die Hälfte der rund 180 000 durch Deutschland ratternden Güterwaggons auf sogenannte Flüsterbremsen umzurüsten.

    Für die Menschen im Mittelrheintal ein Schreckensszenario: Die Mikrofone werden in naher Zukunft wohl weiter laute Zuggeräusche aufnehmen.
    Für die Menschen im Mittelrheintal ein Schreckensszenario: Die Mikrofone werden in naher Zukunft wohl weiter laute Zuggeräusche aufnehmen.
    Foto: dpa

    Von unserer Redakteurin Ursula Samary

    Laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und dem Verband der Güterwagenhalter (VPI) reichen die Produktionskapazitäten der Bremsenhersteller dafür nicht aus.

    Die Fachverbände, die in Berlin als Lobbyisten auftreten, bauen Drohpotenzial auf: Auch das Ziel, bis 2020 den Lärm zu halbieren, sei wegen Einbußen von womöglich mehr als 1 Milliarde Euro in Gefahr, wenn die Große Koalition nach 2016 - wie angedroht - die Daumenschrauben anzieht. Der Bund droht mit Tempolimits und Nachtfahrverboten, wenn bis 2016 nicht die Hälfte der bisher teils extrem lauten Flotte mit leiseren Bremssystemen fährt. Der Beschluss der Großen Koalition hat im Rheintal erste Hoffnungen auf weniger Bahnlärm geweckt. Noch donnern dort nachts alle paar Minuten Waggons mit dem Krach eines Presslufthammers an Schlafzimmern vorbei. Knickt die Politik jetzt womöglich ein?

    Im Mainzer Verkehrsministerium, geführt vom SPD-Landesvorsitzenden Roger Lewentz, ist ein eindeutiges Nein zu hören. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete und Agrarstaatssekretär Peter Bleser winkt ab. Für ihn gehört der Warnruf zu "den gängigen Spielchen", eine Entscheidung zu verhindern. Die Koalition bleibe aber bei ihrem Beschluss, ansonsten verliere sie ihre Glaubwürdigkeit. Die Verbände haben laut Bleser "noch nicht begriffen, dass der Schienengüterverkehr auf dem Spiel steht, wenn er die Akzeptanz verliert". Es sei nicht zu akzeptieren, dass noch immer uralte "Kisten" über die Schienen rollen und den Schlaf rauben.

    Nach den Argumenten der Verbände aber "macht man den Schienengüterverkehr in Deutschland kaputt", wenn der Bund nach 2016 Sanktionen verhängt. Bereits ein Tempolimit von 70 km/h würde die Transportkosten um 10 Prozent steigern und das Transportaufkommen um 30 Prozent senken. Ein Nachtfahrverbot gilt in der Branche als Existenz bedrohend. "Tagsüber gibt es schlichtweg nicht genug Kapazitäten", erklärt VDV-Geschäftsführer Martin Henke. Dabei wird betont, dass die Branche eine längere Übergangszeit brauche und von sich aus angeboten habe, den Lärm bis 2020 zu halbieren. Dieses Ziel ist, so der VDV, auch zu erreichen. Nur, dabei steht sie aber auch unter dem Druck, dass die Schweiz ihre Grenzen für laute Güterwaggons 2020 schließt.

    Der Vorsitzende der Bürgerinitiative Pro Rheintal, Frank Gross, zweifelt die genannten Zahlen der drei Verbände an. "Für den Gipfel der Unverschämtheit" hält er die Drohung, dass notfalls vier Millionen Lkw das von Zügen abwandernde Frachtvolumen übernehmen müssten. Für das erste Lärmschutzziel reiche die Zeit bis 2016 aus.

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