Archivierter Artikel vom 19.07.2011, 10:05 Uhr
Berlin

Umfrage im politischen Berlin: Partei will offiziell noch abwarten

Der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück hatte sie selbst angestoßen: die Debatte über die Kanzlerkandidatur. In einem Interview hat er vor einigen Monaten gesagt, er werde sich zu gegebener Zeit mit den entscheidenden Leuten zusammensetzen, um diese Frage zu entscheiden.

Berlin. Der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück hatte sie selbst angestoßen: die Debatte über die Kanzlerkandidatur.

In einem Interview hat er vor einigen Monaten gesagt, er werde sich zu gegebener Zeit mit den entscheidenden Leuten zusammensetzen, um diese Frage zu entscheiden. Das wurde als Selbstausrufung Steinbrücks interpretiert. In der SPD ringt man nun damit, die K-Frage offiziell so lange wie möglich offenzuhalten.

Ex-Generalsekretär Hubertus Heil sagt lediglich, er freue sich über die Frage, wer demnächst sozialdemokratischer Kanzler werde. Geklärt werde die K-Frage aber erst, wenn sie ansteht. Er erinnert daran, dass Gerhard Schröder 1998 erfolgreich gegen Helmut Kohl kandidiert habe, nachdem er sechs Monate vor der Wahl nominiert worden sei. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach meint: „Die SPD hat heute mehr geeignete Kanzlerkandidaten als die anderen Parteien zusammen – das ist doch prima.“ Aber auch er wollte sich nicht zu einer konkreten Personalie äußern.

In den anderen Parteien gibt man sich desinteressiert: Der FDP ist vorerst egal, wer für die Sozialdemokraten ins Rennen geht – jedenfalls gibt sie vor, dass es ihr gleichgültig ist. FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagt unserer Zeitung: „Egal, wer für die SPD die Nase in den Wind hält, er hat mehr Staat, mehr Umverteilung und damit mehr Schulden im Gepäck.“ Eine programmatische Erneuerung der SPD sei „nicht in Sicht“. Deshalb sei die K-Frage bei der SPD auch bei den Liberalen vorerst „kein Thema“.

Caren Lay, Bundesgeschäftsführerin der Linken, will sich zur Kanzlerkandidatenfrage in der SPD überhaupt nicht äußern. In ihrer Kritik an der Euro-Politik der Kanzlerin ist sie sich mit Peer Steinbrück aber einig: „Die Kanzlerin muss dafür sorgen, dass die Finanzmärkte endlich an die kurze Leine genommen werden.“ Auch aus ihrer Perspektive soll es eine Finanzmarkttransaktionssteuer geben.

Von unseren Berliner Korrespondenten Rena Lehmann und Gregor Mayntz