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Mainz/Antofagasta

Größtes Teleskop der Welt wird gebaut: Mainzer Firma Schott holt die Sterne vom Himmel

Seine Aufnahmen sollen 15 Mal schärfer werden als die des Weltraumteleskops Hubble und es ist die größte und komplizierteste Teleskopkonstruktion aller Zeiten. Wenn das europäische „ELT“ (Extremely Large Telescope) 2024 in Betrieb geht, wird es das größte optische Teleskop der Welt sein. Und die Mainzer Firma Schott ist maßgeblich daran beteiligt, für die Astronomen die Sterne vom Himmel zu holen.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Das Riesenteleskop mit 39 Metern Spiegeldurchmesser wird jetzt nach jahrelangen Vorbereitungen auf dem Armazones-Berg in der chilenischen Atacamawüste gebaut. Vor zwei Jahren wurde seine Spitze gesprengt, um eine Plattform für das Teleskop zu errichten. Der Armazones-Berg ist 3048 Meter hoch und befindet sich 130 Kilometer südlich der Stadt Antofagasta im Norden Chiles. Am Freitag hatte Chiles Staatschefin Michelle Bachelet den Grundstein gelegen. Ab 2024 soll das Teleskop sein erstes Sternenlicht einfangen – mit Spiegeln von Schott.

Vor wenigen Tagen wurde in der Mombacher Schott-Spezialwerkstatt der 4,25 Meter großen Sekundärspiegelträger gegossen. Aus dem viele Tonnen schweren Rohling soll nach dem Schleifen ein fehlerfreier, extrem gekrümmter und nur noch zehn Zentimeter dünner und drei Tonnen schwerer Spiegelträger entstehen. „Das ist eine große Herausforderung, denn es wird der größte Konvexspiegel sein, der je hergestellt wurde“, erklärt ELT-Projektleiter Thomas Werner.

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Nach dem Transport über die Mainzer Rheinallee vom Hauptwerk in die Rheinwerft ruht der Spiegelträger dort nun für mehrere Wochen im Kühlofen. Hier wird das ursprünglich 1400 Grad heiße Material zunächst für eine erste Qualitätsprüfung auf Raumtemperatur abgekühlt und anschließend wieder auf rund 700 Grad aufgeheizt: Bei diesem Temperaturprozess verwandelt sich das Rohglas durch Kristallbildung in Zerodur Glaskeramik. Dieser von Schott erfundene Werkstoff dehnt sich bei Temperaturschwankungen praktisch nicht aus, was für die Präzision von Teleskopen eine unverzichtbare Eigenschaft ist.

Nach dem Schliff soll der Spiegel im Januar 2019 seine Reise zur Feinpolitur und Beschichtung bei einem französischen Spezialunternehmen antreten. Von dort geht es dann nach Chile zum Einbau. Auch zwei weitere der insgesamt fünf Spiegel des Teleskops wird Schott noch liefern. Wer den 39-Meter-Hauptspiegel herstellt, ist noch nicht entschieden. Er wird aus 798 sechseckigen Elementen zusammengesetzt, die jeweils 1,45 Meter groß sind. [Update 30. Juni: Die ESO hat auch hier der Firma Schott den Auftrag erteilt]

Das Projekt der Europäischen Südsternwarte (ESO) hat in der Wüste einen idealen Standort gefunden. Dank der sogenannten Humboldt-Strömung ist die Region fast ständig wolkenfrei. Die Wolken bleiben entweder über dem Pazifischen Ozean oder auf der argentinischen Seite der Anden. In rund 90 Prozent der Nächte ist der Sternenhimmel in der äußerst sauberen und trockenen Wüstenatmosphäre zur Beobachtung frei.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

„Der Sprung von den gegenwärtigen Teleskopen zum ELT ist etwa so groß wie der Sprung von Galileos Auge zu seinem Teleskop“, erklärt Tim de Zeeuw, Generaldirektor der ESO. Der Hauptspiegel des ELT wird fünf Mal größer sein als bei den heute stärksten Teleskopen. Zudem wird er 13 Mal mehr Licht einfangen können, was viel schärfere Bilder ermöglicht.

Die ESO, die von 15 europäischen Staaten und Brasilien gegründet wurde und den Hauptsitz in Garching bei München hat, verfügt bereits über drei weitere Beobachtungsstandorte in der Atacama-Wüste. Unter anderem betreibt sie hier das Very Large Telescope (VLT), das leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts – ebenfalls mit Spiegeln aus Mainz.

Eines der Hauptziele des ELT-Projekts ist die Erkundung von Exoplaneten außerhalb unseres Sonnensystems, auf denen es Leben geben könnte. Es findet zur Zeit ein Astronomenrennen statt, um den ersten bewohnbaren Exoplaneten zu finden. De Zeeuw ist der Ansicht, dass dieses Ziel im nächsten Jahrzehnt erreicht werden kann.

Jochen Magnus und Laura del Río/Juan Garff (dpa)

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