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Oft werden solche Veränderungen auf Müdigkeit oder Stress geschoben. Tatsächlich steckt jedoch oft etwas anderes dahinter: Veränderte Sehfähigkeiten entwickeln sich meist schleichend und bleiben deshalb lange unbemerkt.
Der digitale Alltag trägt dazu bei, dass wir unsere Augen heute anders beanspruchen als noch vor wenigen Jahren. Computer, Smartphones und Tablets begleiten den Arbeitstag ebenso wie die Freizeit. Das verändert zwar nicht automatisch die Sehstärke, kann die Augen aber stark belasten und dazu führen, dass bestehende Fehlsichtigkeiten oder altersbedingte Veränderungen deutlicher auffallen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom sogenannten Computer Vision Syndrome oder digitalen Sehstress.
Typische Beschwerden sind trockene Augen, verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen oder ein Gefühl schneller Ermüdung. Nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft kennt etwa jeder zweite Mensch mit intensiver Bildschirmnutzung solche Symptome.
Nicht der Bildschirm verschlechtert die Augen, aber er fordert sie
Ein weit verbreiteter Irrtum hält sich bis heute: Wer viele Stunden auf einen Bildschirm schaut, ruiniert zwangsläufig seine Augen. Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege.
Was sich jedoch verändert hat, ist unser Sehverhalten. Beim Arbeiten am Monitor oder beim Blick aufs Smartphone fokussieren die Augen über lange Zeit dieselbe kurze Distanz. Gleichzeitig sinkt häufig die Lidschlagfrequenz. Die Augenoberfläche trocknet schneller aus, wodurch Brennen, Fremdkörpergefühl oder verschwommenes Sehen entstehen können. Hinzu kommt, dass viele Menschen über Stunden kaum den Blick in die Ferne richten. Das wird zu einer Dauerbelastung für das Sehsystem.
Weil diese Beschwerden oft nur gegen Abend auftreten und nach einer Nacht Schlaf wieder verschwinden, werden sie leicht unterschätzt.
Warum Veränderungen häufig unbemerkt bleiben
Das menschliche Gehirn ist erstaunlich gut darin, kleine Einschränkungen auszugleichen. Nimmt die Sehstärke langsam ab, gewöhnen wir uns häufig an das neue Sehen. Statt die Ursache bei den Augen zu suchen, werden verschwommene Buchstaben oder häufiges Zusammenkneifen der Augen als normale Begleiterscheinung eines stressigen Tages interpretiert.
Besonders deutlich zeigt sich das häufig ab etwa Mitte 40. Dann beginnt bei vielen Menschen die sogenannte Alterssichtigkeit. Die Augenlinse verliert allmählich an Elastizität, wodurch das Scharfstellen in der Nähe schwerer fällt. Das ist ein natürlicher Alterungsprozess und keine Erkrankung.
Doch auch jüngere Menschen können Veränderungen ihrer Sehstärke zunächst übersehen. Wer ohnehin täglich am Bildschirm arbeitet, führt Müdigkeit oder Kopfschmerzen oft auf die Arbeitsbelastung zurück, obwohl eine veränderte Sehleistung ebenfalls eine Rolle spielen kann.
Wann ein Sehtest sinnvoll sein kann
Wenn die Augen situativ sehr angestrengt wirken oder verschwommenes Sehen und Kopfschmerzen nach einem langen Arbeitstag am Bildschirm gelegentlich auftreten, ist das nicht immer problematisch. Wer den Augen zwischendurch ausreichend Ruhepausen gönnen kann, stellt meist schnell eine Besserung fest.
Wiederholen sich Beschwerden jedoch häufig, lassen kaum noch nach oder fällt das Lesen zunehmend schwer, lohnt sich eine Überprüfung der Sehleistung.
Ein Sehtest in einem Optiker-Fachgeschäft ist eine niedrigschwellige Möglichkeit, um zügig festzustellen, ob sich die Sehstärke verändert hat oder ob andere Faktoren hinter den Beschwerden stecken.
Optikerinnen und Optiker empfehlen, regelmäßig mindestens alle 1 bis 2 Jahre einen Sehtest in einem Fachgeschäft zu machen.
Mit modernen Messgeräten dauert die Überprüfung nur rund 20 Minuten und liefert präzise Ergebnisse als Vergleichswerte, die zeigen, wie sich die Sehkraft verändert und ob eine Sehhilfe oder eine Anpassung der vorhandenen Sehhilfe erforderlich ist.
Je früher Auffälligkeiten erkannt werden, desto einfacher lassen sich passende Lösungen finden, zum Beispiel durch eine spezielle Brille, angepasste Bildschirmgewohnheiten oder bei Bedarf durch eine zusätzliche augenärztliche Abklärung.
Kleine Gewohnheiten mit großer Wirkung
Viele Beschwerden im Sehbereich lassen sich bereits durch einfache Veränderungen im Alltag reduzieren. Augenärzte empfehlen unter anderem regelmäßige Bildschirmpausen.
Besonders bekannt ist die sogenannte 20-20-20-Regel:

Ebenso wichtig sind ein sinnvoll positionierter Bildschirm und ein ausreichender Abstand zum Monitor. Experten empfehlen 50 bis 80 cm als gesunde Distanz für den Blick auf den Bildschirm.
Wer dauerhaft in sehr trockener Luft arbeitet, zum Beispiel durch Klimaanlagen oder Heizungen, kann ebenfalls häufiger unter gereizten Augen leiden. Hier bringen bewusst häufigeres Blinzeln und die Befeuchtung der Raumluft, zum Beispiel durch feuchte Tücher auf der Heizung oder Zimmerbrunnen, Entlastung.
Auch im Alltag gibt es Warnsignale
Nicht jede Sehverschlechterung macht sich sofort durch unscharfe Buchstaben beim Lesen bemerkbar. Manchmal sind die Hinweise deutlich subtiler.
Wer häufiger die Augen zusammenkneift, Texte immer weiter vom Körper weghält, nachts beim Autofahren stärker von entgegenkommenden Scheinwerfern geblendet wird oder regelmäßig Kopfschmerzen nach der Bildschirmarbeit entwickelt, sollte aufmerksam werden. Auch eine neue Lichtempfindlichkeit oder das Gefühl, dass die Augen ungewöhnlich schnell ermüden, können Hinweise darauf sein, dass sich etwas verändert hat.

Sehen verändert sich oft ganz unauffällig
Viele Veränderungen der Sehkraft entstehen schleichend. Deshalb bleiben sie oft lange unbemerkt. Der digitale Alltag macht diese Entwicklung nicht zwangsläufig schneller, sorgt aber dafür, dass unsere Augen heute deutlich intensiver gefordert werden als früher.
Wer Beschwerden nicht einfach als unvermeidliche Begleiterscheinung langer Arbeitstage hinnimmt, sondern regelmäßig überprüft, ob die Sehstärke sich verändert hat und eventuell Unterstützung im Alltag benötigt, schafft gute Voraussetzungen für entspanntes Sehen im Beruf und in der Freizeit.

