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Cochem

Reichsburg Cochem

Auf der Reichsburg Cochem legen Restauratoren eine Wandbemalung aus der Zeit des Wiederaufbaus frei.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Wie kaum eine andere Attraktion prägt die um das Jahr 1000 erbaute Reichsburg das Bild der Moselstadt Cochem (Kreis Cochem-Zell). Majestätisch thront sie auf einem markanten Felskegel, mehr als 100 Meter über dem Fluss. Mit ihrer Vielzahl an Türmen und Türmchen hat sie etwas Märchenhaftes und Geheimnisvolles. Ein kleines Geheimnis wird von August an auch im Burginneren gelüftet.

Unter dem Gewölbe wird es mitunter wenig tugendhaft zugegangen sein. Trotzdem sind Gestalten der vier platonischen Kardinaltugenden seit Ende des 19. Jahrhunderts allzeit präsent. Gerechtigkeit (lateinisch: Iustitia), Mäßigung (Temperantia), Tapferkeit (Fortitudo) und Weisheit (Sapientia) bereichern, in blau hinterlegten Medaillons dargestellt, die Deckenmalerei im romanischen Zimmer der Reichsburg Cochem. Bald werden ihre Gestalten quasi Augenzeugen eines besonderen Ereignisses: Restauratoren stellen hier und in zwei weiteren Räumen die Originalbemalung der Wände wieder her.

Über einem grünen Kachelofen aus dem 16. Jahrhundert in einer Ecke des romanischen Zimmers führt ein rostiges Ofenrohr in eine Wand. Links daneben fällt ein Fleck auf, wo die Wandbemalung von der im größten Teil des Raumes abweicht. Ein blau gehaltenes Ornament lässt sich erahnen. Drum herum dominiert die Farbe Grün, verziert mit gelben Blumenmotiven. Auf die blaue Farbschicht ist man keineswegs zufällig gestoßen, sagt Wolfgang Lambertz, Bürgermeister der Stadt Cochem, der die Burg seit 1978 gehört. Man habe eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Kernfrage: „Welche Farbschichten gibt es hier?“ Antwort: Es gibt „grob gesagt drei Altersstufen der Ausmalung“, so Lambertz. Die erste stammt aus der Zeit, in der der Berliner Eisenwarenhändler Jacob Louis Frédéric Ravené die 1689 zerstörte Reichsburg wiederaufbauen ließ (1868 bis 1877). „Diese Schicht ist in ihrer Substanz kaum beschädigt.“ Den unpassenden gelbgrünen Farbmantel aus den 1980er-Jahren gilt es nun zu entfernen. In 1500 Arbeitsstunden, 62 000 Euro soll das kosten. Herausforderungen bringen die verwendeten Acrylfarben mit sich. „Zum Teil werden drei bis vier Restauratoren gleichzeitig arbeiten müssen“, führt Lambertz aus. Denn zunächst tragen sie ein Lösungsmittel auf, das unerwünschte Farbschichten beseitigt. Dann wiederum muss ein anderes Mittel diesen Prozess rechtzeitig stoppen. Besucher werden den Restauratoren zuschauen können, denn Speisezimmer, gotisches und romanisches Zimmer sind die ersten Räume, die ihnen während regulärer Führungen nach Betreten der einstigen Sommerresidenz der Familie Ravené gezeigt werden.

Motive aus Louis Ravenés Leben griff Theodor Fontane im Gesellschaftsroman „L’Adultera“ auf. Darin wird aus Ravené die Figur Ezechiel van der Straaten, dessen Frau Melanie sich in einen Hausgast verliebt. Sie verlässt ihren Mann, obschon er die Ehe retten will. Ähnliches widerfuhr Ravené mit seiner Frau Therese Elisabeth Emilie von Kusserow, die sich 1874 von ihrem Mann trennte.

Die Restaurierungsarbeiten an der Wandmalerei in der Burg sollen bis Oktober/November dauern. Die Experten werden sich auch der vier Tugend-Gestalten annehmen. An manchen Stellen sind die Medaillons nämlich übertrieben nachkoloriert worden. Diese Fehler werden die Restauratoren beheben. Ein von Weisheit geleiteter Entschluss.

Alles Wissenswerte zur Reichsburg Cochem

Anfahrt:
Für das Navigationsgerät gilt diese Adresse: Schloßstraße 36, 56812 Cochem. Wer mit dem Auto anreist, sollte jedoch den Cityparkplatz an der Pinnerstraße oder das Parkhaus an der Endertstraße nutzen, da die Burg selbst nicht mit dem Auto angefahren werden kann.
Mit dem Shuttlebus: Vom 1. Mai bis 31. Oktober 2016 fahren Busse, die unter anderem ab Endert- und Marktplatz starten. Zusätzlichen Busverkehr gibt es zum Burgfest am 6. und 7. August 2016. An Festtagen in der Cochemer Altstadt gelten Sonderfahrpläne. Kein Shuttle-Transfer während des Cochemer Heimat- und Weinfestes (25. bis 30. August).
Fußweg ab Bushaltestelle Burgsattel: recht steil, circa fünf Minuten über Pflaster und Asphalt.

Öffnungszeiten:
12. März bis 1. November, Burgführungen (Dauer circa 40 Minuten): täglich 9 bis 17 Uhr, Schenke: täglich 10 bis 18 Uhr.

Eintrittspreise:
Für Burgführungen zahlen Erwachsene 6, Kinder (6 bis 17 Jahre) 3 Euro. Es gibt Ermäßigungen für Schüler über 18 Jahre und Studenten sowie für Gruppen ab 12 Personen (5 Euro pro Person). Eine Familienkarte (Eltern mit mindestens zwei Kindern) kostet 16 Euro. Es besteht die Möglichkeit einer Audioführung auf Italienisch, Französisch, Niederländisch, Spanisch, Englisch, Russisch, Japanisch, Chinesisch, Dänisch, Norwegisch und Schwedisch.

Gastronomie:
Von Mitte März bis Anfang November ist die Burgschenke mit Terrasse täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zusätzlich zu Führungen kann man ein Rittermahl (bei Anmeldung auch vegetarisch) in der Gasterey der Burg buchen, das vier Stunden dauert. Es findet ganzjährig in der Regel freitags (19 Uhr) und samstags (18 Uhr) statt und kostet pro Person 49 Euro (inklusive Führung, eines Bechers Wein und des Steingut-Burgbechers).

Spezialführungen:
An Sonderführungen gibt es etwa interaktive Kinder- und Geisterführungen.

Adresse:
Schloßstraße 36, 56812 Cochem. Telefon 02671/255, Internet www.reichsburg-cochem.de.

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