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    JohannesburgZwischen Lebenstraum und Wahnsinn: Im LKW durch Südafrika

    „Seid ihr wahnsinnig?“ Das war die Reaktion vieler Menschen, als sie hörten, dass Familie Vosseberg ein Jahr lang in einem Lastwagen von Nordrhein-Westfalen bis an die Südspitze Afrikas fahren wollte. Und das mit vier schulpflichtigen Kindern. „Afrika war immer ein Traumziel für uns“, sagt Mutter Judith Vosseberg. Zehn Monate ist die Familie schon auf Achse. Dabei rückten ihnen Elefanten gefährlich auf die Pelle, und sie blieben tagelang im Matsch stecken. „Aber in Afrika gibt es immer eine Lösung“, sagt Vater Jochen Vosseberg. „Wenn wir in Not waren, haben uns immer Leute geholfen.“

    Die sechsköpfige Familie Vosseberg ist seit knapp einem Jahr mit dem selbst umgebauten Laster „Grüdi“ in Afrika unterwegs.  Foto: dpa
    Die sechsköpfige Familie Vosseberg ist seit knapp einem Jahr mit dem selbst umgebauten Laster „Grüdi“ in Afrika unterwegs.
    Foto: dpa

    Die Kinder haben den umgebauten Laster liebevoll „Grüdi“ getauft, eine Kurzform für „grüner Dicker“. In ihm leben die Vossebergs unter dem Motto „Sechs Westfalen unterwegs“ nun seit knapp einem Jahr auf zehn Quadratmeter Wohnfläche: Marie (8), Ruben (10), Lea (12), Hannah (16) sowie die Eltern Judith (45) und Jochen (47) aus Oelde im Münsterland. „Wir gehen uns schon manchmal auf die Nerven, aber wir vertragen uns meistens gut“, sagt Lea. Wenn es doch mal Ärger gibt, setzt sich Hannah als Fluchtmittel einfach einen Kopfhörer auf. „Wenn man streitet, kann man ja nirgendwo hingehen“, sagt die 16-Jährige.

    Die Eltern – eine Lehrerin und ein Feuerwehrmann – haben seit Jahren gespart, um sich ein Jahr Auszeit nehmen zu können. „So was macht man nur einmal im Leben“, sagt Mutter Vosseberg. Mit ein bisschen Ausdauer konnten sie auch die Schulleiter der Kinder überzeugen, ihnen eine Freistellung zu gewähren. Der Nachwuchs muss unterwegs auch büffeln, trotzdem werden sie die Schule in jedem Fall ein Jahr später abschließen. „Aber die Kinder lernen jetzt viel von der Welt“, sagt Jochen Vosseberg. „Und sie lernen auch, dass in Deutschland schon alles ziemlich gut läuft – das realisiert man erst, wenn man mal außer Landes ist“, sagt er.

    Mit einem Budget von etwa 35.000 Euro für das knappe Jahr machten sie sich auf den Weg. Von Deutschland sind sie zunächst quer über den Balkan nach Griechenland gefahren, dann mit der Fähre weiter ins ägyptische Alexandria. „Wir mussten das Schiff nehmen, wir konnten ja nicht durch Syrien fahren“, sagt Judith Vosseberg.

    In Ägypten waren wegen der schwierigen Sicherheitslage Militärcheckpoints Alltag. Im Sudan hingegen, dessen Präsident vom Weltstrafgericht des Völkermords beschuldigt wird, waren sie begeistert von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Sudanesen. Weiter ging es durch Äthiopien, wo wegen Oppositionsprotesten immer noch der Ausnahmezustand verhängt war. „Da waren wir schon unsicher“, räumt Judith Vosseberg ein. Auch für die Kinder war Äthiopien schwierig, weil sie immer sofort von örtlichen Kindern umzingelt wurden. „Die wollten uns alle anfassen. Sie wollten wissen, ob sich weiße Haut anders anfühlt“, erinnert sich Lea. Die Kinder vermissen zwar ihre Freunde, aber dank der sozialen Medien reißt der Kontakt nicht ab. „Toll war es, als wir die ersten wilden Zebras und Tiere in Kenia gesehen haben und den Freunden dann einfach Fotos schicken konnten“, sagt Lea.

    Mehr als 32.000 Kilometer sind sie seit der Abfahrt aus ihrer Heimatstadt im August schon gefahren. Die Strecke durch die stabileren Länder Kenia, Tansania, Sambia, Namibia und Südafrika war unproblematisch – im Nationalpark der Kalahari-Halbwüste in Botsuana aber blieb die Familie im Matsch stecken. Und das sieben Tage lang, in einem Gebiet, in dem auch Löwen leben. Ihnen gingen Wasser und Essen aus. „Ich war echt mit den Nerven am Ende“, sagt die Mutter. Erst als der Regen aufhörte, ging es weiter.

    „Grüdi“ wird Ende Juni im namibischen Hafen Walvis Bay auf ein Schiff verladen. Kurz darauf fliegen die Vossebergs zurück nach Deutschland. Die Vorstellung, wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben, gefällt Judith Vosseberg: „So sehr wir das Reisen genossen haben, so sehr freuen wir uns auch wieder auf den Alltag zu Hause.“

    Von Jürgen Bätz

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