Archivierter Artikel vom 08.09.2011, 18:32 Uhr
Danzig

Zumindest Danzig ist gerüstet für die EM

Für Oliver Bierhoff und die Delegation des Deutschen Fußball-Bundes war Danzig „Liebe auf den ersten Blick“- genauer gesagt war es die Fünf-Sterne-Herberge „Dwor Oliwski“ (Olivenhof), die es dem DFB-Tross angetan hatte. Im sicheren Gefühl, die EM-Qualifikation zu einem guten Ende zu führen, hatte sich die DFB-Delegation schon vor etlichen Wochen an der Ostsee nach einem geeigneten Quartier für die EM-Tage im kommenden Jahr umgesehen.

Schon fertig und richtig schön: die neue PGE-Arena in Danzig, die während der EM Platz für 41 582 Fußballfans bietet. 
Foto: dpa
Schon fertig und richtig schön: die neue PGE-Arena in Danzig, die während der EM Platz für 41 582 Fußballfans bietet.
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Danzig – Für Oliver Bierhoff und die Delegation des Deutschen Fußball-Bundes war Danzig „Liebe auf den ersten Blick“- genauer gesagt war es die Fünf-Sterne-Herberge „Dwor Oliwski“ (Olivenhof), die es dem DFB-Tross angetan hatte. Im sicheren Gefühl, die EM-Qualifikation zu einem guten Ende zu führen, hatte sich die DFB-Delegation schon vor etlichen Wochen an der Ostsee nach einem geeigneten Quartier für die EM-Tage im kommenden Jahr umgesehen.

Was freilich nichts mit Überheblichkeit zu tun hatte, wie DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach bei einer Pressekonferenz im Danziger Rathaus nicht müde wurde zu betonen. Vielmehr seien auch andere Delegationen daran interessiert gewesen, die 70-Zimmer-Nobelherberge für die Zeit der EM zu okkupieren. Jetzt bekam der DFB den Zuschlag für das zwischen Danzig und dem Seebad Zopot inmitten eines lauschigen Olivenhaines gelegene Hotel – vielleicht, weil die Danziger Offiziellen bei der deutschen Mannschaft von einer langen Verweildauer ausgehen. Jedenfalls geht der stellvertretende Danziger Bürgermeister wie selbstverständlich davon aus, die Deutschen „bis zum EM-Finale“ in seiner Stadt zu wissen.

So oder so – Danzig scheint gerüstet für die in neun Monaten beginnende EM. Die mittelalterliche Danziger Altstadt präsentiert sich dem Besucher wie aus dem Ei gepellt, sie ist von jeher ein Touristenmagnet. Bis Juni 2012 wird auch der nach dem Gewerkschaftsführer (Solidarnosc) Lech Walesa benannte Danziger Flughafen in neuem Glanz erstrahlen. Noch ist die imposante Abfertigungshalle komplett eingerüstet, und auf dem Rollfeld tummeln sich mindestens ebenso viele Baumaschinen wie Flugzeuge – doch das Ende der Arbeiten ist absehbar. Was längst nicht von allen Bauvorhaben gesagt werden kann, die den EM-Besuchern das Leben im Land des Co-Gastgebers im nächsten Jahr leichter machen sollen – eigentlich.

So viel kann jetzt schon gesagt werden: Außerhalb der Grenzen Danzigs wird so manche Baustelle die EM-Tage locker überleben. Beispiel Straßenbau: Die geplante A 2, die direkte Verbindung von Berlin nach Warschau, wird wohl ein Flickenteppich bleiben. Insbesondere nach Osten hin tun sich Lücken auf, die auch bis Juni 2012 kaum geschlossen werden können. Das chinesische Konsortium „Covec“, das den Auftrag bekommen hatte, zwei Baulose (rund 50 Kilometer) fertigzustellen, hat den polnischen Offiziellen viele graue Haare beschert – und die Erkenntnis, dass billig nicht immer gut ist. Das Angebot der Chinesen lag rund 60 Prozent unter dem der anderen Mitbieter. So etwas funktioniert nur mit Lohndumping, was die Polen als Erstes auf die Palme brachte. Dann konnten die Chinesen eines Tages ihre Subunternehmer nicht mehr bezahlen. Eine Frist des polnischen Staates ließen die Asiaten verstreichen – bis der Auftrag schließlich platzte. Der Staat musste die Arbeiten neu ausschreiben. Die Verzögerungen werden wohl nicht mehr aufzuholen sein.

Beispiel Gleisbauarbeiten: Eigentlich sollte zur EM zwischen Warschau und Danzig ein Hochgeschwindigkeitszug verkehren. Die Züge sind auch da – nur die Gleisbauarbeiten kommen nicht voran. Statt der geplanten zwei Stunden zwischen den genannten Städten werden EM-Gäste wohl doch wieder vier bis fünf Stunden für die Bahnfahrt einplanen müssen. Von den 20 Milliarden Euro, die der polnische Staat vor drei Jahren für Infrastrukturmaßnahmen bereitgestellt hat, ist erst ein Bruchteil verbaut. Es fällt schwer, in diesem Falle den guten Willen für die Tat zu nehmen.

Dafür sind sie in Polen beim Stadionbau auf der Zielgeraden. Die Arenen in Posen und Danzig sind fertig, in Warschau wird es nach einigen Verzögerungen im November so weit sein, auch in Breslau sind die Arbeiten auf einem guten Weg.

In Danzig ist die PGE-Arena der ganze Stolz der Stadtväter. Durchaus verständlich. Ganz in Bernsteinfarben gehalten, glänzt der imposante Bau im Spätsommerlicht. Vergessen sind auch hier die Verzögerungen bei der Bauzeit. Alles ist gerüstet für die Länderspielpremiere, die Partie gegen die DFB-Auswahl. Nur die örtliche Feuerwehr wusste offenbar nichts von der Bedeutung der Arena für das Selbstbewusstsein der Polen im Allgemeinen und der Danziger im Speziellen. Wenige Tage vor der Partie gegen Deutschland hatte sie in 26 Punkten Sicherheitsmängel an der Arena ausgemacht. Nach einer neuerlichen Begehung zwischen Verantwortlichen der Feuerwehr und Offiziellen der Stadt gab es dann grünes Licht für den Test. Die Polen mögen keine Verzögerungen mehr.

Aus Danzig berichtet unser Redakteur Klaus Reimann