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Rheinland-Pfalz/Berlin

Zu wenige Kinder gegen Masern geimpft: Massiver Ausbruch jederzeit möglich

Die Gefahr eines erneuten massiven Masernausbruchs besteht weiter: Die Impfquoten bleiben bundesweit, aber auch in Rheinland-Pfalz deutlich unter den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach sollen alle Kinder spätestens zum zweiten Geburtstag einen wirksamen Impfschutz gegen Masern haben – das heißt, dass sie zweimal einen Pieks bekommen haben. Das Fernziel: die Ausrottung der hoch infektiösen Krankheit.

Symbolfoto.
Symbolfoto.
Foto: picture alliance / dpa

Wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervorgeht, die sich auf 2016 beziehen, ist die Impfquote bei den Zwei- und Vierjährigen zwar in den vergangenen Jahren gestiegen. Allerdings bleiben die Raten weiter zum Teil deutlich unter den Vorgaben der WHO. Bundesweit erhielten bei den Zweijährigen des Jahrgangs 2010 nur 71,1 Prozent zweimal einen Pieks, bei den Vierjährigen 88,9 Prozent. Beim Jahrgang 2012 waren es 71,3 Prozent bei den Zweijährigen und 89,7 Prozent bei den Vierjährigen. Die Quote bei den Zweijährigen des Jahrgangs 2014 lag bei 73,9 Prozent.

In Rheinland-Pfalz ist die Lage etwas besser: 75,3 Prozent der Zweijährigen des Jahrgangs 2010 erhielten zweimal einen Impfschutz, im Jahrgang 2012 waren es 75,4 Prozent. Beim Jahrgang 2014 waren es 77,3 Prozent. Dagegen bekamen bei den Vierjährigen des Jahrgangs 2010 schon 91,2 Prozent einen zweiten Pieks, im Jahrgang 2012 waren es 92,2 Prozent. Tendenz also steigend, aber auf zu niedrigem Niveau.

Denn trotz steigender Impfquoten warnen Experten vor den immer noch bestehenden Lücken, die zu regionalen Masernausbrüchen führen können. So verzeichnete das RKI für Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr 520 Fälle, 2015 gab es in Berlin sogar 1243 Fälle. Der letzte größere Masernausbruch in Rheinland-Pfalz liegt schon länger zurück: 2002 gab es im Land 312 Fälle, 2001 waren es 197. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 21 Fälle, 2016 nur 14.

Auffällig ist, dass bundesweit 98,9 Prozent (Rheinland-Pfalz: 98,6 Prozent) der Sechsjährigen des Jahrgangs 2010 zumindest eine einfache Impfung erhalten haben. Doch dies reicht nicht, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. „5 bis 10 Prozent der Kinder bauen bei der ersten Impfung keinen Schutz auf. Gerade in Kindergärten finden die Viren so immer noch genug Empfänger. Deshalb ist die zweite bis zum zweiten Lebensjahr so wichtig.“

Ein noch viel größeres Problem seien jedoch die Eltern, besonders die nach 1970 geborenen. „Deren Impfquoten sind heftig.“ Umfragen hätten belegt, dass 50 Prozent dieser Altersgruppe nicht gegen Masern geschützt sind. Und die übrigen hätten oft auch nur eine Impfung. Hintergrund sei, dass die Masernimmunisierung erst 1973 eingeführt wurde, die Doppelimpfung erst 1991. Bei einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben 61 Prozent der Erwachsenen ohne ausreichenden Impfschutz an, dass sie niemand auf die Notwendigkeit einer Impfung hingewiesen hat. Allerdings: Bei einer anderen Befragung bezeichneten sich 77 Prozent als Impfbefürworter, 18 Prozent haben teilweise Vorbehalte, nur 5 Prozent sind Impfgegner. Wer sich impfen lassen möchte, kann dies übrigens in Rheinland-Pfalz beim selben Kinderarzt erledigen, bei dem auch der Nachwuchs seinen Pieks bekommt.

Von unserem Redakteur Christian Kunst

Bei jedem fünften Masernfall gibt es Komplikationen

Zumeist heilen Masern einfach aus, daher zählen sie auch zu den Kinderkrankheiten. In etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle kommt es aber zu Komplikationen, warnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Durch das geschwächte Immunsystem können Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung folgen. In einem von 1000 Fällen tritt eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung auf.

Seit 2017 können Eltern zwar weiterhin entscheiden, ob sie ihr Kind impfen lassen, aber sie müssen sich beraten lassen. Wer das verpflichtende Angebot nicht wahrnimmt, muss seit dem vergangenen Sommer von den Erziehern bei den Behörden gemeldet werden. qua

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