Archivierter Artikel vom 17.12.2010, 11:58 Uhr
Wiesbaden

«Wutbürger« ist Wort des Jahres 2010

Das Wort des Jahres 2010 ist «Wutbürger». Das wichtigste Beispiel dafür – «Stuttgart 21» – setzte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) auf Platz zwei ihrer jährlichen Liste. Mit «schottern», dem Unbrauchbarmachen von Bahnstecken für Castortransporte, kam noch ein drittes Wort aus dem Protestbereich unter die zehn Wörter des Jahres, die die Gesellschaft am Freitag in Wiesbaden vorstellte.

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Jedes Jahr aufs Neue wird das Wort des Jahres vorgestellt. Wir zeigen alle Begriffe, die es unter die Top-Ten geschafft haben.

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Platz 10: Unter den Eurorettungsschirm schlüpfen :Aktuell bezieht sich die Wendung auf Irland, aber die wirtschaftlichen Rettungsaktionen und Krisen setzen sich nun schon etliche Jahre fort.

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9. Femitainment: Mit dem Wort Femitainment wird eine Debatte umrissen, die zwischen der Feministin Alice Schwarzer (l) und der amtierenden Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (r) in diesem Jahr ausgetragen wurde.

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8. Vuvuzela: Von wenigen geliebt, von vielen gehasst: Die afrikanische Tröte Vuvuzela fand während der WM nur bedingt Zuspruch bei den Fans.

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7. Aschewolke: Die Aschewolke über Europa löste ein Chaos in der Luft fahrt ein und schaffte es so in die Top-Ten.

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6. schottern: Das Verb schottern bezieht sich auf die Demonstrationen und Aktionen gegen die Castor-Transporte, bei denen durch die Entfernung von Schotter aus dem Gleisbett der Schienenweg sabotiert werden sollte.

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5. Wikileaks: Gerade in den vergangenen Wochen war die Enthüllungsplattform Wikileaks…

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4. Cyberkrieg: …und der Cyberkrieg, der auch etwas mit der Festnahme von Wikileaks Gründer Julian Assange (Bild) zu tun hat, geläufige Worte in den Medien.

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3. Sarrazin-Gen: dieser Begriff wurde in der Diskussion um die umstrittenen Äußerungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators und Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin geprägt.

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2. Stuttgart 21: Die geplante Umwandlung des Stuttgarter Kopfbahnhofs in einen Durchgangsbahnhof ist laut GfdS Gegenstand von Protesten, die weit über die Region hinausgehen.

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1. Wutbürger: „Wutbürger“ stehe für die Empörung in der Bevölkerung, „dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden“.

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Die Wortschöpfung «Wutbürger» stehe für die Empörung in der Bevölkerung, «dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden». Die Bürger verlangten über ihr Wahlrecht hinaus ein Mitspracherecht bei gesellschaftlich und politisch relevanten Projekten, begründete die Jury ihre Wahl.

Das Wort des Jahres 2009 war «Abwrackprämie». Auf die Liste 2010 schaffte es nun auch der aktuelle Streit um Internetveröffentlichungen: «Cyberkrieg» kam auf Platz vier, die Internetplattform «Wikileaks» auf Platz fünf.

Mit «Sarrazin-Gen» (Platz drei) wählten die Sprachwissenschaftler einen ironischen Verweis auf die umstrittenen Thesen zu Zuwanderung und Genetik von Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin. Die «Aschewolke» aus Island, die im Frühjahr über Tage den Flugverkehr in Europa lahmlegte, kam auf Platz sieben. Die nervige Fußballtröte «Vuvuzela» bei der WM in Südafrika schaffte es auf Platz acht.

Die Wortschöpfung «Femitainment» setzte die Jury auf Platz neun. Sie steht für den Streit zwischen Altfeministin Alice Schwarzer und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) über die Rolle der Frauenbewegung. Die Finanzkrise, die schon in den vergangen Jahren prominent auf der Liste vertreten war, kam auf Platz zehn mit der Formulierung «unter den Eurorettungsschirm schlüpfen».

Die Worte des Jahres wurden zum 35. Mal bestimmt. Nach Angaben von GfdS-Präsident Prof. Rudolf Hoberg wurden zunächst 1000 Begriffe aus den Medien gesammelt, aus denen dann 100, später noch 10 ausgewählt wurden. Es gehe nicht darum, wie häufig die Begriffe auftauchten, sondern um ihre Prägnanz, sagte Hoberg. Mit Wissenschaft habe das nichts zu tun. «Das ist ein Spiel.» Trotzdem hätten die Wörter des Jahres über die Jahrzehnte eine «kleine Kulturgeschichte der Bundesrepublik» geschrieben.