Archivierter Artikel vom 20.12.2012, 11:17 Uhr
Sydney/Mayen

Wollflut gegen Ölpest: Deutsche stricken für 32.000 Pinguine 40-000 Pullis

Die Spendenbereitschaft deutscher Pinguin-Freunde lässt das Lager eines Naturparks bei Melbourne aus allen Nähten platzen. Dort liegen jetzt rund 40 000 Mini-Pullis. Auf der Insel gibt es 32 000 Pinguine, der Park kann bei einer Ölpest 1500 Tiere bei sich versorgen. „Wir sind absolut überwältigt von der Großzügigkeit“, sagte eine Parksprecherin.

Strickpullover werden verölten Pinguinen übergezogen, um zu verhindern, dass sie das Öl schlucken, und um sie warm zu halten. In dem Naturpark in Australien gibt es aber jetzt mehr Pullis als Pinguine.
Strickpullover werden verölten Pinguinen übergezogen, um zu verhindern, dass sie das Öl schlucken, und um sie warm zu halten. In dem Naturpark in Australien gibt es aber jetzt mehr Pullis als Pinguine.
Foto: dpa

Begonnen hatte die Hilfsaktion im April. Damals hatte sich die 64-Jährige Reisebüroleiterin Angelika Regenstein an das «Abendblatt» gewandt, um Mitstreiter für ihr Projekt zu finden. Um Zwergpinguine auf der australischen Insel Phillip Island nach einer Ölkatastrophe zu schützen, strickte Angelika Regenstein Minipullover. Aktivisten fingen die Tiere ein, säuberten sie und stülpten ihnen dann Pullover über, um ihr Gefieder vor dem Ölschlick zu bewahren. Von der letzten Umweltkatastrophe vor Philipp Island waren 1991 auch 438 Zwergpinguine betroffen – mit Pullovern hatten 97 Prozent überlebt, wie der Park meldet. Regenstein hatte „Stricklieseln gesucht, die mitmachen. Sie ahnte nicht, was sie auslöst.

Stricken für die Zwergpinguine: Anni Wölfinger (links) und ihre Bekannten Johanna Spieler, Mascha Fisch und Ursula Klasen (stehend) trugen auch aus der Region zu der guten Pulli-Versorgung bei. In Mayen wurde eine Annahmestelle für die Kleidungsstücke eingerichtet.
Stricken für die Zwergpinguine: Anni Wölfinger (links) und ihre Bekannten Johanna Spieler, Mascha Fisch und Ursula Klasen (stehend) trugen auch aus der Region zu der guten Pulli-Versorgung bei. In Mayen wurde eine Annahmestelle für die Kleidungsstücke eingerichtet.
Foto: Andreas Walz

Nachdem mehrere Medien über die Aktion berichtete hatten, nahm die Strickaktion ungeahnte Ausmaße an. Aus ganz Europa gingen Pakete hilfsbereiter Menschen in Regensteins Geschäft ein. «Ich habe Pullover aus Island, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein, Österreich, der Schweiz, Italien, Spanien, Tunesien und der Türkei bekommen», erzählt sie der Zeitung. In Australien sind jetzt 228 Kartons mit über zwei Tonnen Textilien angekommen.

Dutzende Pullover hatte auch eine Rentnerin aus Polch gestrickt, nachdem sie einen Beitrag dazu gesehen hatte. Anni Wölfinger begeisterte dann auch Bekannte dafür, in Mayen entstand eine Annahmestelle. Über ihren Schwiegersohn hatte sich die Seniorin von den Naturschützern in Australien unter anderem ein Strickmuster für die Pullover besorgt.

Die Pulli-Flut landet aber jetzt nicht im Müll: Im Bedarfsfall werden Pullover weitergegeben, wenn irgendwo auf der Welt Zwergpinguine von einer Ölkatastrophe bedroht werden, erklärte Parksprecherin Danene Jones. Und sollte einmal ein Pinguin-Pulli nicht die passende Form oder Größe haben, ist auch das kein Problem. Diese “Mängelexemplare„ werden Plüsch-Pinguinen übergezogen, die im Souvenirshop des Naturparks verkauft werden – und die Zwergpinguine profitieren auf einem kleinen Umweg. Auch Anni Wölfinger dürfte das recht sein. Schließlich sagt die Seniorin: “Ich liebe Pinguine."