Archivierter Artikel vom 29.10.2012, 11:47 Uhr
Rheinland-Pfalz

„Warnung an Alle“: Den Quatsch vom GPS-Schlüsselring nicht glauben

Schlüsselanhänger als Präsent an Tankstellen, die einen Sender enthalten und Einbrechern verraten, wer nicht Zuhause ist? Geschenkt – ist diese Warnung, die sich in den vergangenen Tagen lawinenartig verbreitet. Bei der Polizei läuft sie dennoch vermehrt auf – wie andere absurde Großstadtlegenden.

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Rheinland-Pfalz – Schlüsselanhänger als Präsent an Tankstellen, die einen Sender enthalten und Einbrechern verraten, wer nicht Zuhause ist? Geschenkt – ist diese Warnung, die sich in den vergangenen Tagen lawinenartig verbreitet. Bei der Polizei läuft sie dennoch vermehrt auf – wie andere absurde Gerüchte.

„Eine neue Art von Kriminalität“ soll es sein – da schicken viele die „Warnung an Alle“ natürlich noch bereitwilliger weiter: Doch die vermeintliche Nachricht, die sich auf Facebook, in Foren oder auch per Mail rasant verbreitet, ist ein Hoax, eine Ente. Dennoch gehen bei den Polizeidienststellen Anrufe deshalb ein, sagt Helmut Zirfas, Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz. „Wegen dieser und wegen anderen Warnungen, die Unfug sind.“

So gehen regelmäßig Nachfragen wegen angeblich entführter Kinder ein. „Mal soll ein Kinderwagen bei H&M verschwunden sein und das Kind ist mit geschorenen Haaren in der Umkleide wieder aufgetaucht sein, mal wird das von Ikea berichtet.“ Nur: Es ist nichts dran. „Was glauben Sie, was wir für Meldungen bekommen“., seufzt auch Rene Nauheimer, Sprecher der Mainzer Polizei. „Es gibt eine Menge Leute, die springen sofort mit zwei Füßen in so etwas“. Vor allem über das Wochenende laufen solche Hoaxe bei der Polizei auf. „Wir raten: Solche Mails löschen.“

Bei einer dieser ständig wiederkehrenden Meldungen von einem vermeintlichen Verbrechen bittet die Polizei, sie nicht einmal als Unfug zu erwähnen. „Das nutzt nichts, das wird dann trotzdem weitere Meldungen bei uns auslösen“ , so Helmut Zirfas. Hinweise, die die Polizei in diesem konkreten Fall aber dann nicht sofort zu den Akten legen kann, auch wenn sie sich danach regelmäßig als Luftnummern herausstellen. Eine konkrete Erwähnung regt dann die Fantasie an und befeuert die Meldung erneut.

Der Unfug zu den Spionage-Schlüsselanhängern hat den Ursprung offenbar im Jahr im Jahr 2008 in Südfrika. Die Melung hatte damals immerhin einen realen Hintergrund: Damals ließ eine Tankstellenkette wirklich Schlüsselringe verteilen.

GPS-Sender, mit denen dann Kriminelle dem Beschenkten folgen können, waren aber nicht darin. Und auch jetzt ist der Polizei noch kein Fall bekannt geworden – nicht einmal, dass überhaupt Geschenkaktionen laufen. Verbreitet wird die Warnung aber munter unter Berufung auf die Polizei Hannover, das hessische LKA oder auch die Staatsanwaltschaft Bonn. Und wenn dann noch beispielsweise die Kreishandwerkerschaft Westpfalz der Absender ist… „Es hat mich dann geärgert, wir haben deutschlandweit Rückmeldungen bekommen“, sagt Helmut Knieriemen, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Aber die Quelle erschien mir absolut vertrauenswürdig.“ Sogar eine Tankstellenkette hat Aushänge mit Warnungen gemacht.

Experten gehen nicht davon aus, dass Kriminelle die Idee nun zum Vorbild nehmen. Zu viel Aufwand, den Einbrecher beim Ausspähen möglicher Objekte gar nicht treiben würden. Und um die nötige Technik wie GPS-Empfänger, Sender und Akku in einen Schlüsselanhänger oder ein Schmuckstück unterzubekommen, müssten Gauner schon kräftig investieren. „Völlig unrealistisch“, sagt Nauheimer von der Mainzer Polizei.

Gute Adressen, wenn man sich bei einer Warnung unsicher ist, sind die Hoax-Info-Seiten der TU Berlin oder die Seite Mimikama des Vereins zur Aufkärung über Internetmissbrauch.

Von unserem Redakteur Lars Wienand

Autor:
Lars Wienand
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