Archivierter Artikel vom 05.11.2011, 20:11 Uhr
Hamburg

Uwe Seeler: Ich vermisse nichts

Kein bisschen Wehmut, kein langer Blick zurück – Uwe Seeler genießt 39 Jahre nach dem Ende seiner außergewöhnlichen Karriere die Erinnerung an seine schönsten Tore mit dem nötigen Abstand. „Ich denke nicht so viel über früher nach, ich marschiere immer weiter nach vorn“, sagt „Uns Uwe“, das Idol einer ganzen Fußballer-Generation der 50er- und 60er-Jahre.

Hamburg – Kein bisschen Wehmut, kein langer Blick zurück – Uwe Seeler genießt 39 Jahre nach dem Ende seiner außergewöhnlichen Karriere die Erinnerung an seine schönsten Tore mit dem nötigen Abstand.

Unnachahmlicher Uwe Seeler: Spektakuläre Kopfballtore waren zweifellos eine der Spezialitäten des HSV-Stürmers (rechts, gegen Dortmund).
Unnachahmlicher Uwe Seeler: Spektakuläre Kopfballtore waren zweifellos eine der Spezialitäten des HSV-Stürmers (rechts, gegen Dortmund).
Foto: dpa

„Ich denke nicht so viel über früher nach, ich marschiere immer weiter nach vorn“, sagt „Uns Uwe“, das Idol einer ganzen Fußballer-Generation der 50er- und 60er-Jahre. Vor seinem 75. Geburtstag am heutigen Samstag bewältigt er mit Engelsgeduld einen Interview-Marathon und wird in zahlreichen Fernsehsendungen an seine spektakulären Fallrückzieher und Hinterkopftore erinnert.

330 Gäste haben für den großen Empfang in der Platin-Lounge der Imtech-Arena zugesagt, den der Hamburger SV für seinen treuesten und wertvollsten Spieler der Vereinsgeschichte gibt. Dabei sind Franz Beckenbauer, DFB-Präsident Theo Zwanziger und sein Bremer Kumpel Max Lorenz.

Auch HSV-Trainer Thorsten Fink bewundert die frühere Tor-Maschine wegen ihrer sympathischen und bodenständigen Art: „Wer mag ihn eigentlich nicht?“ Nur Seeler mag es eigentlich nicht, im Mittelpunkt zu stehen. „75 ist doch auch nur ein normaler Geburtstag“, sagt der Jubilar vor der mittäglichen Feier, der im Abendspiel der Bundesliga ein HSV-Erfolg in Leverkusen folgen soll. „Wenn er sich so über einen Sieg freut, machen wir das“, verspricht Fink.

Lange Geburtstagsreden möchte Seeler nicht, dennoch freut er sich, mit langjährigen Weggefährten zu klönen. Kein Thema soll der schwere Auffahrunfall vor dem Hamburger Elbtunnel im vergangenen Sommer sein, den er mit zwei Wirbelsäulenoperationen und dem Verlust des Gehörs auf dem rechten Ohr bezahlen musste. „Ich habe Bewegungseinschränkungen, aber keine Schmerzen“, so Seeler.

Bis Ende des Jahres ist er noch für Adidas beruflich aktiv. Dann soll Schluss sein: „Ich brauche meine Pausen und will Hektik vermeiden.“ Die Talfahrt seines Vereins, für den er 1000 Tore schoss, lässt ihn natürlich nicht kalt. „Egal, welcher Tabellenplatz am Ende rauskommt: Hauptsache, wir steigen nicht ab“, sagt der ehemalige Mittelstürmer, der zwischen 1954 und 1970 72 Länderspiele bestritt und dabei 43 Tore erzielte. Er ist stolz auf seine Karriere, in der er 1961 trotz eines Millionen-Angebotes von Inter Mailand den Hanseaten treu blieb, wäre aber zu gern einmal Weltmeister geworden. „Wenn ich schon bei vier Weltmeisterschaften dabei war, hätte ich auch gern einmal den Titel geholt. Aber ich hatte nicht das Glück. Trotzdem war alles wunderschön. Ich vermisse nichts.“