Archivierter Artikel vom 19.07.2014, 07:00 Uhr

Und wo bleiben die Pommes?

Das bisschen Essen lässt sich auch trinken: Auf den Energydrink Currywurststyle passt dieser Satz wie die Wurst zu Pommes Rot-Weiß. Verglichen mit dem Vorbild in Festform, ist das Getränk mit 150 Kalorien pro Dose allerdings fast schon ein Diätsnack.

Foto: frei

Und das, obwohl er zu einem wesentlichen Teil aus Zucker und zuckerähnlichen Stoffen besteht. Die Frage „Brauch ich das?“ hat beim Einkaufen ja noch nie gestört. Drum sparen wir uns die Überlegung, warum man flüssige Currywurst überhaupt wollen soll – außer als einmaligen Gag bei der Grillparty, versteht sich -, und stellen uns knallhart der Konfrontation.

Duft: „Zissschchchch“ macht der Verschluss, und aus der Dose steigt ein klebrig-süßer Geruch nach Kaugummi und Kirschlolli empor. Im Glas perlt das koffeinhaltige Erfrischungsgetränk, dessen rote Farbe leicht ins Kupfer changiert, wie ein Prosecco, was vielleicht einen Hinweis auf potenzielle Kunden gibt.

Geschmack: Die schlechte Nachricht zuerst, und die ist im Grunde eine gute: Nach Currywurst schmeckt der Drink kein bisschen!

Auf der Zunge prickelt das Zeug wie Brausepulver und überlagert sämtliche Geschmacksrezeptoren mit künstlichen Fruchtaromen und klebriger Süße. Allenfalls ein leichter Eindruck von Schärfe, der nach dem Schlucken im Mundraum bleibt, lässt mit viel Fantasie eine Verwandtschaft zu Currypulver assoziieren.

Inhalt: Die Hauptbestandteile dieses Zaubertrunks sind Molke, Wasser und Zucker. Dazu kommen künstlicher Farbstoff und Aromen. Die Zutatenliste weist auf einen erhöhten Koffeingehalt hin. Mit 32 Milligramm pro 100 Milliliter ist der dreimal so hoch wie in Cola und entspricht in etwa der Menge in Schwarzem Tee. Gewöhnlicher Filterkaffee enthält verglichen mit dem Energydrink die zweieinhalbfache Menge an Koffein. Daneben ist Taurin enthalten, das die Konzentration fördern soll, sowie Inosit, ein kristalliner Alkohol, der süßlich schmeckt und gern zum Strecken von Kokain verwendet wird.

Fazit: Mit 99 Cent pro Dose spielt der Energydrink mit Dosensekt in einer Liga. Eine Cola ist, je nach Marke, deutlich günstiger zu haben. Die gleiche Menge Kaffee kostet, gebrüht und eingedost, rund 50 Prozent mehr. Also: Schmeckt zwar nicht, dafür tut der Preis auch keinem weh.