Archivierter Artikel vom 29.09.2010, 08:16 Uhr
Koblenz

Theo Zwanziger: Die neue Lust am Präsidenten-Amt

Der DFB-Präsident ist bereit für die nächsten drei Jahre als DFB-Präsident: Theo Zwanziger hat wieder Spaß am „besten Amt, das in Deutschland zu vergeben ist" – und hat viel vor, wie er im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung verriet.

Nur die Ruhe: Nach all den Querelen der Vergangenheit hat Theo Zwanziger wieder die nötige Gelassenheit.
Nur die Ruhe: Nach all den Querelen der Vergangenheit hat Theo Zwanziger wieder die nötige Gelassenheit.
Foto: Tom Frey

Koblenz – Der DFB-Präsident ist bereit für die nächsten drei Jahre als DFB-Präsident: Theo Zwanziger hat wieder Spaß am „besten Amt, das in Deutschland zu vergeben ist„ – und hat viel vor, wie er im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung verriet.

Gute Laune: Theo Zwanziger im Gespräch mit Chefredakteur Christian Lindner (links) und Sportchef Stefan Kieffer.
Gute Laune: Theo Zwanziger im Gespräch mit Chefredakteur Christian Lindner (links) und Sportchef Stefan Kieffer.

Von unserem Redakteur Alessandro Fogolin

Theo Zwanziger hat seinen Frieden gemacht mit der Vergangenheit. Und weil das so ist, fängt er mit der Vergangenheit an. Damals, vor gut zwei Monaten beim Fußball-Verbandstag in Altenkirchen, „war die Entscheidung schon längst gefallen, nicht mehr zu kandidieren“. Bis das Handy klingelte. Es meldete sich Joachim Löw – und in wenigen Minuten war die Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer dann doch fix. „Ich möchte aber auch, dass Sie bleiben„, soll Löw dem DFB-Präsidenten damals gesagt haben. Jetzt schwärmt Zwanziger von Löw wie von einem guten alten Freund; der Bundestrainer bleibt noch mindestens zwei Jahre, und Zwanziger demnächst mindestens noch weitere drei. Wenn er am 22. Oktober gewählt wird beim 40. DFB-Bundestag in Essen.

Natürlich wird er gewählt; es gibt keinen weiteren Kandidaten, der 65-Jährige aus Altendiez erfreut sich der breiten Unterstützung aus den Landesverbänden. Und selbst Kritiker scheitern an der Frage: Wer könnte es denn eigentlich besser?

Das suboptimale Krisenmanagemant im Schiri-Skandal um Manfred Amerell und die unselige Geschichte um den geplatzten Handschlag-Vertrag mit Bundestrainer Löw sind hinter dem Pflug. Zwanziger hat Fehler eingeräumt, auch und vor allem in der Einschätzung, wie sich die verkorkste Geschichte um den Trainer-Vertrag medial verselbstständigen würde. „Es lag weder an Löw noch an mir. Keiner hat das so gewollt.“ Alles Vergangenheit, wenn auch nicht vergessen. Jetzt lacht Zwanziger wieder viel; manchmal scheint ihn sogar seine eigene Begeisterung für die Zukunft selbst zu überwältigen. DFB-Präsident – „das ist das beste Amt, das in Deutschland zu vergeben ist„, sagt Zwanziger.

Und weil das so ist, hat er sich längst seine Gedanken gemacht über die nächsten drei Jahre als oberster Hüter des deutschen Fußballs. Drei Ziele hat er formuliert. „Kerngeschäft“, sagt Zwanziger, „ist der Elitefußball„ – und mit ihm auch die Nachwuchsförderung. Mit Blick auf die deutsche Nationalmannschaft ist das dann relativ einfach. „Das tolle Niveau halten, vielleicht noch einen Tick verbessern“, den Rest wird Joachim Löw schon richten. Ziel zwei ist dann schon deutlich ambitionierter; Zwanziger nennt es die „gesellschaftliche Ebene„ des Fußballs. Mit all seiner Macht und seinen Schwächen. Der Sport als Kämpfer gegen Diskriminierung, Gewalt, Korruption und Manipulation – es ist ein breites und kompliziertes Feld, auf dem sich der Altendiezer Ergebnisse wünscht. Und eine „nachhaltige Umsetzung“. Man könnte mit Blick auf die jüngere, turbulente Vergangenheit jetzt sagen, diese Aufgaben kann der Fußball gar nicht alle bewältigen. Aber soll er es deshalb gar nicht erst versuchen?

Bleibt noch die Gemeinnützigkeit. Neue Bolzplätze für Kinder, bessere Verbindungen zwischen Schule und Verein – man kann Zwanziger vieles nachsagen, aber nicht, dass er ein Präsident der Eliten wäre. Er ist das Gegenteil, ein Präsident der Amateure, der Fußball spielenden Frauen und Mädchen sowieso. Er schimpft nicht über Klubs, die es immer noch nur mit Männern halten („Das muss jeder Verein selbst entscheiden„), sagt aber auch: „Ich halte das für falsch.“

Alles in allem hat sich Zwanziger viel vorgenommen für die nächsten drei Jahre – und weil DFB-Präsident nicht nur das beste Amt ist, was in Deutschland zu vergeben ist, sondern die Arbeit als solche „auch unheimlich anstrengend ist„, will der Altendiezer „ein bisschen kürzertreten auf dem ganz hohen Niveau“. Der 65-Jährige plant derweil in seiner Heimat, „in der ich so viel Unterstützung erfahren habe, ein bisschen was zurückzugeben„. In Form einer Stiftung aus eigenen Mitteln, die vor der Gründung steht. Und die im Bereich des Fußballverbands Rheinland die Felder Sport, Fußball und Kultur abdecken soll; die sich den Schulen und Vereinen widmet – und, wie könnte es anders sein, auch dem Mädchen- und Frauenfußball.

Es gibt übrigens auch Dinge, bei denen Theo Zwanziger an die Grenzen seiner Vorstellungskraft stößt. Ist es denkbar, dass irgendwann mal eine Frau einen deutschen Männer-Profiklub trainiert? „Das geht wohl nur bei einem Klub mit einem Vorstand wie beim FC St. Pauli“, sagt Zwanziger. Und lacht, als wolle er sagen: Wunder vollbringen kann auch ein DFB-Präsident nicht.