Archivierter Artikel vom 09.09.2010, 14:42 Uhr

The American

Ein Film über einen Auftragskiller ist nichts Ungewöhnliches, ein Film wie „The American“ mit George Clooney allerdings schon. Actionszenen gibt es kaum – dafür ganz viel Clooney pur. Das hört sich nur leider besser an, als es ist.

Berufskiller Jack (George Clooney) verguckt sich in die hübsche Italienerin Clara (Violante Placido).
Berufskiller Jack (George Clooney) verguckt sich in die hübsche Italienerin Clara (Violante Placido).
Foto: Verleih

Filme über Agenten und Auftragskiller zeichnen sich üblicherweise immer wieder durch eins aus: ein Überangebot an wilden Schießereien, Verfolgungsjagden und explodierenden Autos. Der Film „The American“ mit George Clooney als Produzent und Hauptdarsteller in der Rolle eines alternden Killers ist anders. In seinem zweiten Film nach seinem gefeierten und preisgekrönten Regie- Debüt „Control“ (2007) setzt der niederländische Star-Fotograf Anton Corbijn vor allem auf ruhige Nahaufnahmen und Clooneys One-Man-Show.

Der Film erzählt die Geschichte des eigentlich erfolgreichen und präzisen Killers Jack (Clooney), der sich nach einem missglückten Auftrag in ein kleines italienisches Bergdorf zurückzieht und beschließt, dass sein nächster Auftrag auch sein letzter sein soll. In aller Ruhe will er sich darauf vorbereiten.

Ruhe ist das Stichwort: Denn der Film zeigt nach einem vielversprechenden und mit Musik von Herbert Grönemeyer unterlegten Auftakt in der ersten Stunde im Wesentlichen, wie Jack in gefühlter Endlosschleife eine Waffe baut. Selbst als er in einer der wenigen ereignisreichen Episoden einen Widersacher verfolgen und töten muss, tut er das auf Socken, um die Ruhe des italienischen Bergdorfes – und des Filmes – nicht zu zerstören.

Unterbrochen werden diese Bilder von unendlich lang und zahlreich erscheinenden Landschaftsaufnahmen und Szenen, in denen Jack halbnackt trainiert oder gemeinsam mit dem Dorfpfarrer (Paolo Bonacelli) isst. Langsam aber sicher realisiert Jack in der italienischen Einöde, dass er durch seinen Job sein Leben lang allein gewesen und unendlich einsam und misstrauisch geworden ist.

Dann verliebt er sich in die Prostituierte Clara (eine Augenweide: Violante Placido), und zwischen die immer gleichen Landschaftsaufnahmen und Waffen-Episoden drängen sich nun immer mehr Sexszenen, die den inzwischen möglicherweise schon im Kinosessel versunkenen Zuschauer wieder wach rütteln sollen. Jack vermutet in Clara eine Spionin, kann sich ihr aber dennoch nicht entziehen. Und eine mysteriöse Auftraggeberin (Thekla Reuten) sorgt für noch mehr Verwirrung, die sich dann im überraschend actionreichen Showdown – zumindest zum großen Teil – auflöst.

„The American“ beruht auf dem gleichnamigen Buch des britischen Autors Martin Booth, das 1991 unter dem Originaltitel „A Very Private Gentleman“ erschien. Er soll „ein smarter Thriller“ sein – sagt die Produktionsfirma. Eine überaus spannende Charakterstudie hätte der Streifen sein können – doch geworden ist er keins von beidem.

Das liegt vor allem an einem unglaublich einseitigen Clooney. Der Hollywood-Schönling ist zwar wie immer nett anzusehen, bietet dem Zuschauer im Laufe des 99-minütigen Dramas aber kaum mehr als einen Gesichtsausdruck. Und so plätschert der Film leider vor sich hin und lässt die Zuschauer eher ratlos als gespannt oder bewegt zurück. Fazit: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – und ein schöner Clooney noch keinen guten Film.