Archivierter Artikel vom 01.08.2011, 15:35 Uhr
Kastellaun

Techno ist mehr als Bum-Bum und Uzz-Uzz

300 DJs, 23 Bühnen und Tanzflächen, mehr als 50 000 erwartete Gäste: Die Zahlen sind gewaltig. Am Freitagabend geht es richtig los: Dann steigt die 17. Nature One auf der früheren Raketenbasis Pydna bei Kastellaun im Hunsrück.

Kastellaun – 300 DJs, 23 Bühnen und Tanzflächen, mehr als 50 000 erwartete Gäste: Die Zahlen sind gewaltig. Am Freitagabend geht es richtig los: Dann steigt die 17. Nature One auf der früheren Raketenbasis Pydna bei Kastellaun im Hunsrück.

Gewaltig sind auch die Vorurteile gegenüber elektronischer Musik – das ist doch nur „Bum-Bum“ und „Uzz-Uzz“, denken Nichtkenner und wenden sich ab. Doch diese Art der Musik ist viel komplexer, als der Nicht-Raver (Rave ist der englischstämmige Begriff für Tanzveranstaltungen mit elektronischer Tanzmusik, der Raver also der Tänzer) es allgemein zu vernehmen vermag.

Techno ist nämlich längst nicht gleich Techno. Techno ist im allgemeinen Sprachgebrauch außerhalb eben dieser Musikszene zum Synonym des Ganzen geworden. Tatsächlich ist Techno aber nur ein einziges Genre aus einer breiten Masse von Stilrichtungen der elektronischen Tanzmusik.

Man hört immer wieder von Begriffen wie House, Minimal, Trance oder Hardstyle. Die Materie ist ähnlich kompliziert wie bei der Rockmusik: Rock ’n’ Roll ist kein Metal, Metal kein Alternative-Rock und Punkrock auch kein Hardrock. Alle Stile sind gänzlich verschieden. So auch im Elektro-Sektor.

Allen Stilrichtungen und den vielen Sub-Genres der elektronischen Tanzmusik kann man aber ein gleiches Grundgerüst ansehen. Während beim Rock eben Gitarren und Schlagzeug einfach dazugehören, aber unterschiedlich schnell oder langsam, laut oder leise, verzerrt oder klar gespielt werden können, ist es bei den Rave-Stilen der am Computer durch kurze, tiefe Töne (Bässe) und mittlere bis hohe Töne erzeugte Rhythmus, der bei Stilen wie Hardstyle oder Schranz eben schneller und vor allem härter daherkommt als beim House oder beim Dance. Das Grundgerüst erinnert eigentlich an ein Schlagzeug mit großer Trommel, die den Bass-Rhythmus als Grundschlag vorgibt und mit Becken und kleiner Trommel über höhere Töne das Ganze dynamischer wirken lässt.

Je nach Stilrichtung verwenden die Produzenten dann auch echte Melodien in ihren Stücken, lassen gegebenenfalls sogar Sänger an ihrer Musik mitwirken, oder sie setzen eben nur auf kurze, schnelle, harte Bässe.

Der elektronischen Tanzmusik ist meist die ständige Wiederholung des Rhythmus und dann auch der Melodie-Elemente zugrunde gelegt (in der Musikfachwelt spricht man von repetitiven Arrangements). Lebendig wird die Musik bei den meisten Stilrichtungen durch leichte Veränderungen dieser Elemente und durch eher überraschende Einwürfe neuer Facetten. Jedenfalls liegt den meisten Musiktiteln – vor allem denen großer bekannter DJs – eine aufwendige Komposition zugrunde, auch wenn alles „nur“ am Computer erstellt wird.

Jemandem aber den Unterschied zwischen Schranz und Hardstyle oder zwischen House und Dance in Worten korrekt zu erklären, setzt wohl ein eingehendes musikalisches Studium des Erklärenden und des Interessenten voraus – sprich: Der Versuch kann eigentlich nur scheitern.

Da hilft nur eins: sich selbst ein (Klang-)Bild machen – zum Beispiel bei der Nature One. Hier sind nämlich nahezu alle Stilrichtungen vertreten. Ein Tipp für „Anfänger“: Wer nicht weiß, ob ihm das wirklich harte Zeug zusagt, nicht gleich zu den Hardcore-Gladiators gehen, das schreckt nur ab …

Von unserem Mitarbeiter Sven Eisenkrämer