Archivierter Artikel vom 27.09.2021, 10:57 Uhr
Koblenz, Kreis MYK, Kreis Neuwied, Kreis Ahrweiler, Kreis Cchem-Zell

Spannendes Miteinander von Tradition und Innovation: Die Kreise Ahrweiler, Cochem-Zell, Mayen-Koblenz, Neuwied und die Stadt Koblenz

Zukunft, Gegenwart und Geschichte verschmelzen in Koblenz und im Neuwieder Becken miteinander. Seit frühester Zeit besiedelt, geprägt von reicher Historie, ist die Region heute wirtschaftliches und kulturelles Herzstück des Nordens von Rheinland-Pfalz. Ein spannendes Umfeld für gestandene Journalisten der Rhein-Zeitung mit Gespür für lokale Themen.

Von Michael Stoll

Ingo Schneider, Redaktionsleiter für Koblenz und den Kreis Mayen-Koblenz.
Ingo Schneider, Redaktionsleiter für Koblenz und den Kreis Mayen-Koblenz.
Foto: Jens Weber

Weltweit bekannt sind Rhein und Mosel, das Deutsche Eck und die Festung Ehrenbreitstein, verbunden durch die Seilbahn hoch oben über dem Strom. Und in einer der Gondeln treffen wir Ingo Schneider, Redaktionsleiter für die Lokalausgaben Koblenz und Umland sowie des Kreises Mayen-Koblenz. Unten das pulsierende Leben der Großstadt, oben gelebte und erlebte Geschichte: „Dieses unmittelbare Miteinander von Moderne und Historie, von Innovation und alter Kulturlandschaft, Aufbruch und Tradition, das ist an ganz vielen Stellen unseres Verbreitungsgebietes zu finden“, erklärt der 47-Jährige, der im Stadtteil Lay an der Mosel lebt. „Und die Seilbahn, die in unserer Stadt eine durchaus zeitgemäße Verkehrsverbindung ist, symbolisiert dies in besonderem Maße.“

Zentrum der Arbeitsplätze, Pendlerstadt – das ist Koblenz. Große Firmen und Weltmarktführer wie Compugroup, Canyon oder Debeka haben hier ihren Sitz. Vier Hochschulen, von der Universität bis zur WHU, der privaten Hochschule für Wirtschaft und Management, eine quirlige Kulturlandschaft mit Philharmonie, Museen, Theatern und freier Szene sorgen für Innovation und frischen Wind. Für Redaktionsleiter Ingo Schneider ist Koblenz „die heimliche Kulturhauptstadt von Rheinland-Pfalz“, die zugleich eine lange Tradition als bedeutender Bundeswehr- und Gerichtsstandort hat. Die beiden Flüsse als wichtige Verkehrsverbindungen haben immer schon junge und jung gebliebene Menschen angelockt, spätestens nach der Bundesgartenschau 2011 boomt „Kowelenz“ dank des Flairs einer zukunftsorientierten City mitten im Grünen.

Wen wundert's also, dass auch Touristen scharenweise vorbeischauen und sich begeistern lassen. „Stadt und Landkreis sind ganz vorn dabei, wenn es ums Wandern und Radwandern geht“, berichtet Ingo Schneider. „Nicht zu vergessen die in Stein gemeißelte Geschichte von den Römern bis zu den Preußen, und natürlich auch der Wein, den die Winzer den steilen Felsen an Rhein und Mosel abtrotzen.“

Koblenz ist Großstadt, aber halt kein Moloch. Das hat Charme. Nicht zu vergessen die kleineren Städte in der Umgebung – Bendorf, Mülheim-Kärlich, Weißenthurm, Mayen, Andernach, Vallendar. Eine lebenswerte Region. „Unsere Redaktion ist mittendrin im Geschehen. Wir bewegen uns immer nah bei den Leuten“, skizziert Ingo Schneider die Arbeit der Journalisten in den bei den Lokalausgaben. Spannender kann es für Reporter gar nicht sein: Von der Dorfschule in der Eifel bis zur Universität, vom Stadtteillädchen bis zu Amazon, von der rheinischen Kirmes bis zur Weltneuheit gibt es stets Neues, Interessantes und Wissenswertes zu berichten – in der Print- wie in der Onlineausgabe. „Wir nehmen die typisch großstädtischen Konfliktthemen genauso ernst und wichtig wie die kleine Geschichte im Dorf“, fasst Ingo Schneider die Redaktionsarbeit zusammen. Für ihn persönlich ist das markante Merkmal der Rhein-Zeitung an Rhein und Mosel, in der Eifel und an den Ausläufern des Westerwalds „der Mix aus Leben 4.0 und der Bewahrung von Heimat, Tradition und Brauchtum“.

Tim Kosmetschke leitet die Redaktion für Stadt und Kreis Neuwied.
Tim Kosmetschke leitet die Redaktion für Stadt und Kreis Neuwied.
Foto: Jens Weber

Bereits im ersten Monat nach ihrer Gründung im April 1946 erschien die Rhein-Zeitung nicht nur in Koblenz, Mayen-Andernach und Cochem-Zell, sondern auch in Neuwied. Die dortige Lokalausgabe verantwortet Tim Kosmetschke, den wir auf dem Deich direkt am Rhein antreffen. Der 42-jährige Vollblutjournalist ist selbst noch immer fasziniert vom Verbreitungsgebiet der Lokalausgabe: „Manchmal kommt mir der Kreis Neuwied vor wie eine auf einen Landkreis komprimierte Version von ganz Rheinland-Pfalz – mit allen Kontrasten: Reben und Rüben, von Weinberg bis Westerwald, Weinköniginnen hier, Kirmesburschen da, kleine Großstadt und winzige Dörfer/Ortsteile, der Rheinsteig als Wanderroute und die A 3/ICE-Trasse als modernster, geradlinigster Megaverkehrshighway, daneben das liebliche Wiedtal mit seinen verspielten Schleifen und Kurven …“

Die Stadt Neuwied selbst ist für den Redaktionsleiter ein spannender Ort – und als solcher nicht ohne Spannungen. „Ich empfinde die Stadt manchmal als ,suchend', vielleicht auch ,sich selbst suchend', die eigene Identität vermissend. Viele denken noch an vergangene Tage, als die breiten Fußgängerboulevards in der quadratischen Planstadt ,schwarz vor Menschen' waren, als Neuwied als Einzelhandelszentrum mit Koblenz konkurrierte. Das hat sich – wie in allen Mittel- und Kleinstädten – verändert. Aber Neuwied ist immer noch quicklebendig – dabei total urban, ein bisschen rough, nicht glatt und puppenstubenschön, aber eben auch nicht hässlich. Vielleicht passt die Beschreibung ,rauer Charme' am besten.“

Mit einem engagierten Team ist Tim Kosmetschke Tag für Tag nah dran am Geschehen, etwa wenn es um das große Thema Wirtschaft geht. Prosperierend war und ist die Wirtschaft im Neuwieder Becken immer schon. Doch längst haben sich entlang der Autobahn im Westerwald neue, starke Betriebe und Firmen angesiedelt. „Die Unternehmen in Stadt und Kreis sind bemerkenswert“, ergänzt Tim Kosmetschke. „Es gibt etliche Megafirmen, allen voran natürlich Wirtgen in Windhagen. Aber dazu eben auch Birkenstock, Lohmann & Rauscher, Niedax, Winkler und Dünnebier, und, und, und. Dazu das Marienhaus Klinikum, die Landesblindenschule und das Heinrich-Haus …“

Und Neuwied ist Kulturmetropole, auch, aber nicht nur wegen Engers, der Villa Musica und der Landesmusikakademie. Dazu kommen das Jazzfestival, das Schlosstheater, die Ausstellungshäuser. Und nicht zuletzt eine jahrzehntealte alternative Musikszene der härteren Gangart, von Punkern wie Toxoplasma über Hardcorebands bis zu den Blues-Freunden heutiger Tage.

Ein Satz noch zum Norden des Kreises? „Den nehme ich manchmal als eigenen Kosmos wahr – mit der sehr besonderen Stadt Linz mittendrin, einem historischen Stadtzentrum, das einem Disney-Film entsprungen sein könnte“, sagt Kosmetschke. Der Norden ist schon deutlich in Richtung Köln/Bonn orientiert, das hört man am Dialekt. Und es wird dort Kölsch getrunken – nicht nur in Kölsch-Büllesbach, das sogar zum Erzbistum Köln gehört.“ Da geht quer durch den Landkreis eine weitere Grenze, die sich auch im Karneval niederschlägt: „Der wird im Norden auf jecke Art zelebriert, wobei man natürlich an der herrlich schrulligen Hochburg Heimbach-Weis, dem närrischsten Stadtteil von Neuwied, nicht vorbeikommt.“

Uli Adams leitet die Redaktion für den Kreis Ahrweiler.
Uli Adams leitet die Redaktion für den Kreis Ahrweiler.
Foto: Rhein-Zeitung

Das Herzstück des Kreises Ahrweiler, das Ahrtal, hat es mit der Flutkatastrophe vom 14./15. Juli schier zerrissen. Es wird Jahre dauern, bis die Region wieder aufgebaut ist und das Leben der Menschen in normalen Bahnen verläuft. „Normal“ ist in den Wochen und Monaten nach dem verheerenden Flut auch für das Journalistenteam der Heimatausgabe nichts mehr – bewegende Reportagen, verlässliche Recherchen und engagierte Berichte dokumentieren hervorragenden Lokaljournalismus.

In der Redaktion laufen die Fäden bei Uli Adams zusammen. Der Redaktionsleiter ist auf Recherche in Bad Neuenahr unterwegs, nimmt sich aber vor der Kulisse des mitgenommenen Kurhauses kurz Zeit für ein Gespräch. „Der Kreis Ahrweiler steht unter dem Einfluss der Großregion Bonn/Köln“, sagt er. „Viele Berufspendler machen sich täglich auf den Weg nach Bonn; viele Touristen kommen in normalen Zeiten aus Nordrhein-Westfalen, die das Ahrtal, den Rhein und die Eifel als Naherholungsgebiet nutzen, um dort zu wandern, Fahrrad zu fahren und die guten Weine zu genießen.“ Der Nürburgring, die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Laacher See – allesamt Namen mit Strahlkraft in der ganzen Republik. Mit Uli Adams hoffen Tausende Menschen im Kreis, dass dies möglichst bald wieder so sein wird ...

„Wir leben im Kreis in den drei Regionen Rhein, Ahr und Eifel“, bringt es der 61-Jährige auf den Punkt. „Das sind auch unterschiedliche Menschenschläge. Der rheinische Frohsinn herrscht an Rhein und Ahr, ganz nach dem kölschen Grundgesetz lewwe und lewwe loose. Die Eifel zwischen Adenau und Laacher See ist da zurückhaltender.“ Alle drei Regionen aber haben ihren eigenen Charakter, der für die tiefe Verwurzelung der Menschen in der Region sorgt.

Gefragt, was den Reiz für Reporter in einer solchen Region ausmacht, muss Uli Adams nicht lange nachdenken: „Traditionelles wie Karneval und Schützenfeste sind bei uns ebenso zu Hause wie die große, moderne Kunst im Arp Museum Bahnhof Rolandseck oder technische Entwicklungen der Wirtschaft für einen weltweiten Handel. Und die Gummibärchen kommen mittlerweile auch aus dem Kreis Ahrweile  ...“

Petra Mix leitet die Redaktion für den Kreis Cochem-Zell.
Petra Mix leitet die Redaktion für den Kreis Cochem-Zell.
Foto: Rhein-Zeitung

Auch der Kreis Cochem-Zell ist stark geprägt von Tourismus und Weinbau. Mosel, Weinberge, Wanderwege, Burgen, die Landschaft auf den Höhen – das Zusammenspiel von Mosel, Eifel und Hunsrück macht die Region reizvoll, erklärt Redaktionsleiterin Petra Mix, die ein engagiertes Team hinter sich weiß. Und die 52-Jährige nennt Superlative wie die Hängeseilbrücke zwischen Sosberg und Mörsdorf. Ein touristisches Highlight mitten im Hunsrück, anfangs belächelt, längst aber ein Besuchermagnet. Nicht zu vergessen der Calmont bei Bremm, steilster Weinberg Europas.

„Er ist das Symbol für die Arbeit, die die Winzer an der Mosel in den Steillagen verrichten. Die Weine, im Speziellen der Riesling, gehören zu den Topqualitäten. Erfreulich ist, dass junge Winzer im Gegensatz zur Generation ihrer Väter und Großväter gern und erfolgreich zusammenarbeiten“, so die Lokalchefin. Es sei halt ein Stück Lebensqualität, die edlen Tropfen genau dort zu genießen, wo sie auch „gewachsen“ sind.

Apropos Lebensqualität: Diesbezüglich kann der Landkreis auch in Sachen Klimaschutz punkten. Inzwischen zur „Bioenergie-Region“ avanciert, hatte der Kreistag schon 2008 beschlossen, „NullEmissionsLandkreis“ zu werden.

Die Mosel trennt Eifel und Hunsrück. Geografisch, manchmal aber auch im Leben. Die Mentalität der Menschen sei schon sehr unterschiedlich. Sie haben aber stets das Herz auf dem rechten Fleck. Und vielleicht, überlegt Petra Mix, ist hier die Welt noch ein bisschen mehr in Ordnung als anderswo ...