Archivierter Artikel vom 09.07.2010, 19:48 Uhr
Silverstone

Silverstone-Boss fürchtet Nürburging-Konkurrenz nicht

Das 10. von 19 Rennen der Formel-1-Saison steht auf dem Programm: Gefahren wird in Silverstone – die weltberühmte Rennstrecke hat sich nach harten Verhandlungen das Recht gesichert, bis 2027 den Großen Preis von Großbritannien austragen zu können. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Silverstone-Chef Richard Phillips über die Zukunft des Kurses – und ob die Briten die Konkurrenz des „neuen Nürburgrings“ fürchten.

Glaubt an eine profitable Formel 1: Silverstone-Chef Richard Phillips.  Foto: Imago
Glaubt an eine profitable Formel 1: Silverstone-Chef Richard Phillips.
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Silverstone – Das 10. von 19 Rennen der Formel-1-Saison steht auf dem Programm: Gefahren wird in Silverstone – die weltberühmte Rennstrecke hat sich nach harten Verhandlungen das Recht gesichert, bis 2027 den Großen Preis von Großbritannien austragen zu können. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Silverstone-Chef Richard Phillips über die Zukunft des Kurses – und ob die Briten die Konkurrenz des „neuen Nürburgrings“ fürchten.

Mythos wie am Ring: 1950 fand in Silverstone der erste Formel-1-Weltmeisterschaftslauf  überhaupt statt. Eigentümer der Rennstrecke ist der private British Racing Drivers' Club (<a href=BRDC). Foto: dpa" title="Mythos wie am Ring" width="720" height="304" class=" lazyload">
Mythos wie am Ring: 1950 fand in Silverstone der erste Formel-1-Weltmeisterschaftslauf überhaupt statt. Eigentümer der Rennstrecke ist der private British Racing Drivers' Club (BRDC).
Foto: dpa

In Silverstone stehen spannende Zeiten an. Wie wird sich Ihre Rennstrecke in Zukunft wandeln?

Wir investieren mehr als 5 Millionen Pfund (5,75 Mio. Euro) in einen neuen, superschnellen Motorrad-Rundkurs und bauen die bestehende Strecke aus. Die Veränderungen werden Silverstone in eine der schnellsten Rennstrecken weltweit verwandeln. Damit die Fans näher an das Geschehen rücken können, verschieben wir die Absperrungen und wir erhöhen die Tribünen.

Am Nürburgring hielt man einen aufwendigen Freizeitpark für nötig, um die Strecke attraktiver zu machen. Können Sie sich so etwas auch leisten?

Gewiss. Wir bauen eine neue Boxengasse. Nach derzeitigen Plänen soll Silverstone binnen zehn Jahren ein neues Prüfcenter bekommen, ein Gewerbegebiet, ein Extremsportzentrum, zwei Hotels, ein Universitätsgelände und ein „Willkommenszentrum“. Wir wollen weiter Weltklasse bleiben, der neue Deal mit der Formel 1 gibt uns die nötige Planungssicherheit dafür.

Aber Sie müssen bestimmt die Ticketpreise erhöhen, um diesen Deal und die Bauvorhaben finanzieren zu können?

Nein, die Karten sollen sich höchstens im Rahmen der Inflation verteuern. 2009 haben 310 000 Fans den dreitägigen britischen Grand Prix besucht, und wir wollen die Zuschauerzahlen auf diesem Niveau halten.

Wirtschaftlich gesehen, wie erfolgreich ist Silverstone?

Im Geschäftsjahr 2008 haben wir einen Gewinn von 662 000 Pfund (800 000 Euro) erzielt. Heute bleiben wir eine der wenigen profitablen Formel-1-Strecken weltweit.

Ist eigentlich heutzutage eine Rennstrecke ohne Formel 1 noch etwas wert?

Formel 1 ist die Königsklasse aller Autorennen, und wir sind sehr stolz darauf, weiter den Großen Preis austragen zu können. Aber ja, es gibt eine Menge erfolgreicher Strecken in Großbritannien, die auch ohne die Formel 1 überleben.

Wovon lebt die Rennstrecke zwischen den Formel-1-Rennen?

In erster Linie von anderen Veranstaltungen. Dieses Jahr kehren MotoGP und World-Superbike-Rennen nach Silverstone zurück, was uns sehr freut. Wir verdienen unser Geld außerdem mit Fahrerschulungen und verschiedenen „Erlebnistagen“ für das Publikum.

Ist es nicht gewagt, den Grand Prix 2010 am Finaltag der Fußball-WM zu veranstalten? Viele fußballverrückte Briten werden doch lieber zu Hause bleiben?

Das hat ja die Formel-1-Direktion so entschieden – und nicht wir. Im Übrigen habe ich keine Angst, dass die Fans wegbleiben. Wir werden hier Riesenbildschirme aufstellen, auf denen Fußball laufen wird. Die Zuschauer werden damit zwei große Sportveranstaltungen auf einmal erleben können. Ich bin sicher, es wird eine tolle Partystimmung geben – vor allem, wenn ein britischer Fahrer hier gewinnen würde.

„Schlagt die Deutschen noch einmal“, hatte der „neue Nürburgring“ 2009 in britischen Autozeitungen geworben. Hat Sie das geärgert? Gibt es eine Konkurrenz zwischen beiden Rennstrecken?

Ich habe leider diese Werbung nicht gesehen, darum kann ich sie nicht kommentieren. Es ist aber ganz normal, dass andere Länder sich um unsere leidenschaftlichen Fans reißen. Was die Konkurrenz angeht: Die Zukunft von Silverstone sieht sehr aufregend aus. Solange wir unser Bestes tun, um dem Publikum ein tolles Erlebnis zu bieten, werden wir sicher keinen Mangel an Zuschauern haben.

Das Interview führte unser Londoner Korrespondent Alexei Makartsev