Archivierter Artikel vom 29.12.2017, 17:09 Uhr

Selberblubbern lohnt sich nicht

Sekt zum Selbersprudeln? Klingt kurz vor Silvester doch recht verlockend.

Auch wenn die Vorstellung jeden, der weiß, wie Wein zu Sekt wird, zunächst stutzig macht. Was soll's, die Neugier auf das siegt, was die Firma Soda Stream da neu im Portfolio hat. Pünktlich zum Jahreswechsel kündigen die Frankfurter Blubberspezialisten eine Getränkeinnovation an: „Sparkling Gold“, einen alkoholhaltigen Sirup, der binnen Sekunden biblische Wunder vollbringen und Wasser in Sekt verwandeln kann. 200 Milliliter kosten 4,99 Euro. Zuzüglich Versand, denn zu kaufen gibt es die Wunderbrause vorerst nur im Internet.

Äußerlichkeiten: Ein mattgoldener Folienüberzug adelt die Piccoloflasche. Von Sekt ist nirgendwo die Rede, die Zutatenliste auf dem Rückenetikett weist den Inhalt als einen Mix aus, der vor allem aus Ethylalkohol besteht. Dazu kommen Wasser, Zucker, Wein-, Apfel- und Zitronensäure sowie ein nicht näher erläutertes Aroma. Blubbern tut nicht's, geht ja im Selbersprudeln. Vom Gebrauch der Soda Stream Apparatur zu diesem Zweck rät der Hersteller ab, weil die sonst verklebt und geschmacklich kontaminiert ist. Das trifft sich gut, wir haben keine und verwenden für den Test klassischen Sprudel.

Innere Werte: Aus der aufgeschraubten Sirupflasche steigt ein stechender Alkoholgeruch. Huch, 60 Volumenprozent haben's in sich. Bloß nicht pur trinken! Vorgeschlagen ist ein Mischungsverhältnis 1 : 5. Durch das Verdünnen verflüchtigt sich der beißende Alkoholgeruch, was bleibt, erinnert an Hustensaft oder Omas Schnapspralinen. Im Glas bilden sich spüliähnliche Schlieren. Die „Perlage“ hängt freilich vom Wasser ab – für ein Bläschenfeuerwerk im Glas empfiehlt sich eins mit reichlich Kohlensäure, also echter Bölkstoff. Im Mund klebt der Sirup sofort an Zunge, Wangen, Gaumen. Und bleibt dort. Der Geschmack ist vor allem eins: bitter. Die Runde der Tester assoziiert Terpentin, eingetrockneten Filzstift, Mon Chéri. Alles außer Riesling. Dafür hält der Spaß lang an, man wird den Geschmack nämlich schwer wieder los. Im Raum hängt er Stunden später noch.

Fazit: Beim Vergleich mit Rieslingsekt oder gar Champagner ist den Werbern definitiv die Fantasie durchgegangen. „Sparkling Gold“ ist allenfalls was für Sparfüchse: Von den zwölf Gläsern Sekt, die der Inhalt ergeben soll, bleiben elfeinhalb übrig.