Archivierter Artikel vom 05.11.2011, 07:00 Uhr
Koblenz

Schuldenbremse: Harte Einschnitte für Uni

Der Universität in Koblenz stehen schwere Zeiten bevor, weil das Land sparen muss. Auf dem Campus sind die Institute für Kunstwissenschaft und Germanistik betroffen und damit mittelbar die erst auf den Weg gebrachte Ausbildung von Gymnasiallehrern in Koblenz.

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Foto: denise huelpuesch

Koblenz – Der Universität in Koblenz stehen schwere Zeiten bevor, weil das Land sparen muss. Auf dem Campus sind die Institute für Kunstwissenschaft und Germanistik betroffen und damit mittelbar die erst auf den Weg gebrachte Ausbildung von Gymnasiallehrern in Koblenz. Außerdem wird über das Aus für das Institut für Sportwissenschaft spekuliert. Ein weiteres Gerücht: Koblenz soll der Universität Trier angegliedert werden, Landau der Technischen Universität Kaiserslautern.

Dass in Koblenz die Gerüchteküche derart brodelt, sorgt im Mainzer Präsidialamt für Erstaunen. Im Telefonat mit unserer Zeitung betonte Präsident Roman Heiligenthal, dass die Trennung der Doppeluniversität und das Aus für den Sport keine Themen seien. Und: Über die Ausgestaltung des Sparpakets für Koblenz ist noch keine Entscheidung gefallen. „Der Senat entscheidet“, so Heiligenthal unter Hinweis auf die Selbstverwaltung der Hochschulen.

Tatsache ist aber auch, dass die Hochschulstrukturkommission des Landes prüft, wo man den Rotstift ansetzen könnte. Hintergrund: Die von der Landesregierung auf den Weg gebrachte Schuldenbremse, die auch in die Landesverfassung eingegangen ist, wird zu gravierenden Einschnitten führen, die auch dem Uni-Präsidenten noch schlaflose Nächte bereiten wird.

Zur Erinnerung: Das Land will 2012 und 2013 jeweils rund 220 Millionen Euro einsparen, im Doppelhaushalt 2014/15 soll sich die Summe verdoppeln. Für die Universität Koblenz-Landau bedeutet das mittelfristig Einbußen von 3,5 bis 4 Millionen Euro jährlich. Bereits 2012 muss die Doppeluni mit 1,762 Millionen Euro weniger auskommen. Für 2013 sind Einschnitte in Höhe von 2,924 Millionen Euro vorgesehen. Am Campus Koblenz geht man derzeit aktuell von weiteren Einschränkungen aus. Denn die Universitäten in Mainz und Kaiserslautern sollen im Zuge der Exzellenzinitiative ausgebaut werden. Dafür wurden rund 57 Millionen Euro zurückgestellt. Zum Vergleich: Der Jahresetat der Universität Koblenz-Landau liegt (noch) bei 42 Millionen Euro. In diesem Betrag sind die Mittel aus dem Hochschulpakt, mit dem bis 2015 die Schaffung von zusätzlichen Studienplätzen „belohnt“ werden soll. Dieser Zuschuss dürfte aber durch steigende Personalkosten und die Betriebskosten für das neue Laborgebäude vollends aufgefressen werden.

Während Präsident Heiligenthal von „intelligentem Sparen“ bei gleichzeitiger Stärkung der Profilhochschule spricht, befürchtet man in Koblenz eine Strukturreform, die am Ende nur den Standort Landau stärkt. Zwar wird die Südpfalz die Ausbildung von Musiklehrern verlieren, doch soll der Campus Landau ein aus Koblenzer Sicht überdimensioniertes Laborgebäude erhalten, dessen Betriebskosten jährlich 1 Million Euro betragen. Und: Der Lehramtsstudiengang Wirtschaft/Arbeit wird wohl schon im Sommersemester 2012 von Koblenz nach Landau umziehen.

Beschlossene Sache ist, dass das Koblenzer Institut für Kunstwissenschaft personell derart reduziert wird, dass die Ausbildung von Kunstlehrern praktisch nicht mehr möglich ist. Hintergrund: Der zuständige Professor, der in diesem Mangelfach ausbildet, geht in zwei Jahren in den Ruhestand und wird nicht mehr ersetzt.

Einschnitte drohen auch in der Germanistik, die eigentlich im Zuge der Ausbildung von Gymnasiallehrern ausgebaut werden sollte. Zeitverträge werden nicht mehr verlängert, was zu Einbußen in Höhe von 24 Semesterwochenstunden führen wird. Um gegenzusteuern, wurde das Deputat der Professoren erhöht. Unter dem Strich bleibt ein Plus von 4 Semesterwochenstunden. Das ist zu wenig, um die neuen Aufgaben zu meistern.

Am Campus Koblenz geht man derzeit jedenfalls davon aus, dass der Norden von Rheinland-Pfalz nach der Romanistik, der Sozialkunde und der Ausbildung von Förderschullehrern noch zwei bis drei weitere Lehramtsstudiengänge verlieren wird.

Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach