Archivierter Artikel vom 11.02.2015, 17:42 Uhr

Schlauer schreiben

In Zeiten von Smartphone, Tablet und Touchscreen wird weniger geschrieben als getippt. Was Wissenschaftler zum Unken bringt: Die jahrhundertealte Kulturtechnik des Schreibens stirbt aus, fürchten sie.

Nicole Mieding testet einen digitalen Stift

Stifthersteller, die ihr Schicksal nicht mit den Dinosauriern teilen wollen, sehen sich bereits nach alternativen Geschäftsfeldern um. Smartpens, also schlaue Stifte, zielen auf die Lücke, die zwischen handschriftlicher Notiz und digitaler Datenverarbeitung klafft. Genauer gesagt: Sie bilden eine Brücke. Mal sehen.

Auspacken: Für Freunde edler Schreibgeräte ist der Smartpen 3 der Firma Livescribe nichts: Wirkt überdimensioniert (irgendwo muss die Technik ja hin), liegt ziemlich klobig in der Hand, glänzt und blinkt wie ein aufdringliches Werbegeschenk. James Bond hätte aber sicher seine Freude an dieser Geheimwaffe, die per Bluetooth Daten übermitteln und heimlich Gespräche aufzeichnen kann.

Technische Voraussetzung: Ohne Spezialpapier und technisches Endgerät bleibt der schlaue Stift ein simpler Kugelschreiber. Um einen handgeschriebenen Text im Originalschriftbild oder als Typoskript in die digitale Welt zu beamen, braucht's ein iPad/iPhone (bislang nur mit Apple-Geräten ab iOS7 kompatibel).

Schreiben und Weiterverarbeiten: App installiert, Synchronisierungssymbol im Notizbuch angetippt, und los geht's. Schreiben fühlt sich mit dem massigen Teil etwas ungelenk an. Interessant wird's erst, wenn das Geschriebene als digitales Abbild auf dem Tablet erscheint – soweit käme man freilich auch noch mit Abfotografieren. Der magische Teil kommt jetzt: Mit der Kulispitze aufs Aufnahmesymbol im Notizbuch getippt, und – hexhex – das iPad zeichnet eine Audiodatei auf und fügt sie an entsprechender Stelle als Anhang ein. Zusätzliche Texte oder Bilder lassen sich über die App kinderleicht zu einem Konvolut zusammenfügen, ausdrucken oder per E-Mail versenden. Knifflig wird's, wenn der Stift eine Sauklaue entziffern soll: Aus „Weinabteilung“ wird beim ersten Versuch „Wem-abtähug“. Aber mit etwas Disziplin beim Kritzeln klappt das Transkribieren individueller Handschriften tatsächlich. Vor dem Druck empfiehlt sich dennoch ein Korrekturdurchgang.

Fazit: Wer viel von Hand notiert und sich das Abtippen ersparen will, dem ist der Smartpen ein nützlicher Helfer. Verglichen mit einer Sekretärin, fällt der Hightech-Kuli recht platzsparend aus – und ist mit 150 Euro Anschaffungskosten samt erstem Notizblock schon fast wieder günstig.