Archivierter Artikel vom 09.06.2014, 21:41 Uhr
Nürburgring

Routine am Ring: Vier Tage feiern – Gruppe aus Köln ist gut organisiert

Wer ein routinierter Ring-Rocker ist, reist deutlich besser ausgestattet als nur mit einem piefigen Zweipersonenzelt und einem Gaskocher für die Dosenravioli an. So wie Steffi, Annabell und ihre gut organisierten Freunde aus Köln.

Drei der super organisierten Ring-Rocker aus Köln: Brauni (von links), Steffi und ihre Schwester Annabell. Foto: Andreas Jöckel
Drei der super organisierten Ring-Rocker aus Köln: Brauni (von links), Steffi und ihre Schwester Annabell.
Foto: Andreas Jöckel

Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

Mit Kickertisch, Zapfanlage für 200 Liter Kölsch und Schwenkgrill, mit amtlichem Boxenturm und bunten Papiergirlanden unterm Pavillondach machen es sich die zehn Rheinländer bei Rock am Ring gemütlich. Feiern, Spaß haben, Musik hören sind angesagt. Die RZ hat sich zu Stippvisiten während der vier Tage langen Party auf dem Campingplatz eingeladen.

Donnerstag: Jetzt geht's los

Am Morgen sind Steffi (31) und ihre Schwester Annabell (27) Richtung Ring gerollt. Dort wartet ein aufgebautes Zelt auf sie – inklusive Feldbett, was in puncto luxuriöser Schlafstätte am Ring ganz weit vorn ist. „Ja, ja, wir Prinzessinnen wollen weich liegen“, spottet Annabell selbstironisch, entspannt in einem Campingstuhl in der Sonne sitzend. Steffi im Stuhl daneben lacht. Den Spruch mussten sie sich wohl schon häufiger von den Freunden anhören – die sind seit Dienstag in der Eifel und machen teils einen etwas lädierten Eindruck. Wenig Schlaf und viel frisches Kölsch haben Spuren hinterlassen. Auch bei Brauni (38). Er hängt tief in einem Campingstuhl, die Beine von sich gestreckt, in der Hand einen Plastikpokal haltend – sein Kölschglas für den Ring. Viel Schlaf hat Brauni nicht bekommen, gegen 8 Uhr war seine Partynacht zu Ende. Immerhin: Jetzt, ein paar Stunden später, schmeckt das Kölsch wieder. Später wollen die Kölner rüber zum Festivalgelände. Rocken ist angesagt. Bis in die tiefe Nacht ...

Freitag: Die kurze Nacht

Tag zwei auf dem Campingplatz, irgendwann am Nachmittag. Die Kölner haben die Anlage aufgedreht, so recht in Plauderlaune ist gerade eh keiner. Es war spät gestern, nach Iron Maiden und Cro war zwar auf der Bühne Schluss, nicht aber auf dem Campingplatz. Halb aufrecht, halb liegend sitzen ein paar von ihnen in den Campingstühlen unterm Pavillon. Hauptsache Schatten für brummende Schädel. Annabell hält ein Nickerchen im Stuhl, ungerührt von den lauten Gitarren aus den Musikboxen. Steffi ist nirgends zu sehen. „Die schläft im Zelt“, sagt Jens (35), einen Becher Gin Tonic in der Hand, die Kappe auf dem Kopf tief ins Gesicht gezogen. Heute dürfe eher ein ruhigerer Tag anstehen, meint er – zumindest in Bezug auf das Line-up. Aufs Festivalgelände wollen sie erst abends. Erst einmal ist Abhängen auf dem Campingplatz angesagt: „Das genießen wir“, erzählt Jens. So häufig sieht sich der gesamte Freundeskreis nicht mehr. „Rock am Ring ist das eine große Treffen für uns im Jahr“, sagt Jens und nimmt einen Schluck aus dem Becher. Ob die Gruppe 2015 zum neuen Festival anreist oder Rock am Ring zum neuen Spielort folgt – Jens zuckt mit den Schultern. „Hängt davon ab, wo wir so campen können wie bisher.“ Also mit Stromaggregat für Musik- und Zapfanlage. Das sei auf vielen Festivals nicht mehr gestattet. „Wir fahren dahin, wo wir es aufstellen können.“

Samstag: Routine am Ring

Vollbetrieb am Kicker. Angeheiterte Jungs drängen sich darum, die anderen aus dem Trüppchen hängen in den Stühlen unterm Pavillon, auch Annabell und Brauni, natürlich mit dem Kölschpokal in der Hand. Die Laune ist gut – wieder. „Ein paar Vollidioten wollten heute Nacht den Kicker klauen, total asozial“, erzählt Jens, der im selben Stuhl wie am Vortag sitzt, wieder mit einem Gin Tonic in der Hand. Ist aber noch mal gut gegangen, die Zeltnachbarn sind den Dieben hinterher, die Kölner selbst waren vor der Centerstage. Dort gehen sie später am Tag auch wieder hin, die Fantastischen Vier und Linkin Park stehen heute an. Bis dahin pflegen sie die Ring-Routine: Kölsch trinken, quatschen, kickern. Nur den Kicker, den ketten sie jetzt an.

Sonntag: Der letzte Tag

Es war wieder spät in der Nacht, „so gegen vier“, schätzt Steffi, haben sie Schluss gemacht. Immerhin, in früheren Jahren wurde einfach durchgefeiert. Aber aus dem Alter seien die Kölner raus, meint Steffi und lacht. Ihre Freunde hocken in Campingstühlen, Sonnenbrillen auf der Nase, Bierbecher in der Hand. Um die Zelte herum liegt inzwischen deutlich mehr Müll, auch wenn die Kölner zwischendurch sogar mal aufgeräumt haben. Am Nachmittag heißt es aufraffen, ein letztes Mal geht es hoch zum Festivalgelände, dort feiern die Kölner bis nach dem Auftritt von Metallica. Und danach schmeißen sie am Zeltplatz ein letztes Mal den Grill an.

Montag: Die Abreise

Seit einer Stunde tut sich nichts mehr in Richtung Autobahn in der Eifel. „Wir stehen im Stau“, erzählt Steffi am Telefon, sie klingt müde. In der Hitze Zelte abbauen zu müssen, mit vier Tagen Festival in den Knochen – das schlaucht. „Egal, es war super. Wir hatten viel Spaß.“ Und jetzt, jetzt sei das letzte Rock am Ring endgültig vorbei.