Archivierter Artikel vom 17.02.2011, 14:33 Uhr
Remagen/Mainz/Trier

Plakatpossen: Beck schlingert, Klöckner geht fremd

Auch das Aufstellen von Wahlplakaten kann seine Tücken haben. Ein SPD-Motiv am falschen Ort im Kreis Ahrweiler sorgt republikweit für Spott. Aber auch andere Parteien haben schon daneben gegriffen...

Guter Kurs oder Schleudergefahr? Zumindest belustigte das Schild im Remagener Stadtteil Oberwinter Autofahrer an der vielbefahrenen B9. Über das Internet ist es auch rege verbreitet worden.
Guter Kurs oder Schleudergefahr? Zumindest belustigte das Schild im Remagener Stadtteil Oberwinter Autofahrer an der vielbefahrenen B9. Über das Internet ist es auch rege verbreitet worden.
Foto: Vollrath-Pressebild

Remagen/Mainz/Trier. Auch das Aufstellen von Wahlplakaten kann seine Tücken haben. Ein SPD-Motiv am falschen Ort im Kreis Ahrweiler sorgt republikweit für Spott. Aber auch andere Parteien haben schon daneben gegriffen...

Es ist ein Verkehrtschild am Verkehrsschild: Kurt Beck lächelt die Autofahrer an, dazu der Spruch „Auf gutem Kurs, Rheinland-Pfalz!“ Allerdings steht die gewünschte Botschaft in klarem Widerspruch zum Verkehrszeichen 141, das direkt darunter hängt: „Schleuder- oder Rutschgefahr“...

Publik gemacht hat das Foto Torsten Rissmann, und der ist Vorsitzender des FDP-Verbandsgemeindeverbands Pellenz. „Als SPD-Mann hätte ich vermutlich auch nicht verbreitet“, räumt er ein. Er war auf dem Heimweg von der Arbeit auf der B9 in Richtung Koblenz unterwegs, als er das Schild sah. „Ich habe einen Lachanfall bekommen, bin rechts ran gefahren und habe es fotografiert.“ Nachdem er es über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet hatte, war es dort nach wenigen Stunden bereits 10.000 Mal betrachtet, dazu fand es sich auch bald bei Facebook.

Hohn und Spott waren der SPD sicher. Während das Schild in Oberwinter am Freitagnachmittag immer noch hing, verschickten andere Ortsverbände eiligst Rundschreiben. Es sei „unglücklich, wenn auch in Koblenz so etwas passiert“, schrieb Christian Altmaier, stellvertretender Vorsitzender der Koblenzer SPD. Dazu kommt: Plakatieren ist an Masten, an denen bereits ein offizielles Verkehrsschild hängt, überhaupt nicht zulässig. In Koblenz ist das Ordnungsamt angewiesen, alle Plakate zu entfernen. Die Straßenverkehrsordnung ist auch eindeutig: „Werbung und Propaganda in Verbindung mit Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen sind unzulässig.“

Man habe das Schild ja an einen Latenenpfahl gehängt und gedacht, das sei zulässig, sagt Winfried Glaser, Vorsitzender des Ortsvereins Oberwinter, der nach eigenem Bekunden seit 30 Jahren plakatiert. „Dann hänge ich es eben ab.“ Einige müssen ohnehin weg, wenn es nach der Stadtverwaltung geht. „Ich habe die Mitteilung bekommen, dass wir zu viel plakatiert haben. Aber das prüfe ich noch.“

Prüfbedarf gibt es auch andernorts: In Trier prüft muss die vom Ehemann von Ministerin Malu Dreyer, OB Klaus Jensen, geführte Stadtverwaltung, ob übergroße SPD-Plakate bleiben dürfen. Die erforderliche Genehmigung für die A0-Werbung hatte sich die SPD nicht eingeholt. Einen „ungerechtfertigten Vorteil“ habe man sich so nicht verschafft, sagte Parteivize Markus Nöhl dem „Trierischen Volksfreund“. „Schließlich hätten die anderen Parteien ja auch so große Plakate aufhängen können.“ Allerdings waren die besten Plätze schon weg – die CDU echauffierte sich auch darüber, dass die SPD zu früh plakatierte. In Mainz waren es die Piraten, die den Vorwurf gegen die Grünen erhoben.

Die CDU zeigt sich insgesamt auffallend zurückhaltend mit Spott. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie selbst schon Verwunderung ausgelöst hat: In hessischen Frankfurt wusste man nicht so recht, was man mit dem Slogan „Ministerpräsidentin für uns“ mit dem Konterfei von Julia Klöckner anfangen soll. „Julia Klöckner hat sich verirrt“, schrieb deshalb die Frankfurter Neue Presse. Und SPD-Generalsekretärin Heike Raab ätzte bei Twitter: „@cdurlp und @JuliaKloeckner total verwirrt. Sie plakatiert in Hessen und hängt sogar vor der Commerzbank.“

Die CDU-Plakate wohnt noch ein anderes Problem inne: In Koblenz verbaut sich die CDU eine Koalitionsoption: Zwar stehen Schilder von CDU und FDP friedlich nebeneinander, aber das CDU-Plakat „Politik ohne Bart“ wirkt wie ein Ausrufezeichen zum Foto des (bärtigen) FDP-Spitzenmannes Herbert Mertin daneben.

In Oberwinter hätte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Glaser derweil auch eine Idee, an welchen Schildern sich Kurt Beck-Bilder besser machen würden: „Einbahnstraße oder links abbiegen.“

Lars Wienand