Archivierter Artikel vom 03.08.2011, 16:00 Uhr
Nürburg

Nürburgring-Shirt mit Hockenheimring: Zumindest echt peinlich

Sie sind ja beide Rennstrecken, der Chef hüben war vorher der Boss drüben – da können auch die Strecken mal verwechselt werden? Ein vermeintliches Marken-T-Shirt vom Nürburgring mit dem Kurs des Hockenheimrings lässt Motorsportfans spotten.

Motorsport auf den Kopf gestellt: Das angebliche Boss-Shirt mit dem Hockenburgring-Motiv.
Motorsport auf den Kopf gestellt: Das angebliche Boss-Shirt mit dem Hockenburgring-Motiv.
Foto: Screenshot

Nürburg – Sie sind ja beide Rennstrecken, der Chef hüben war vorher Boss drüben – da können auch die Strecken mal verwechselt werden? Ein vermeintliches Marken-T-Shirt vom Nürburgring mit dem Kurs des Hockenheimrings lässt Motorsportfans spotten.

Die kitzelige Einfahrt zur Parabolika nach der langen Geraden hinter der Südkurve, die zum Überholen gut geeignete Sachskurve, das Motodrom: Alles drauf auf dem schicken „Hugo Boss“-T-Shirt mit dem Aufdruck Nürburgring. Problemchen ist aber, dass das Kleidungsstück, dass ein Händler mit Ladenflächen in Bonn in seinem Shop bei Amazon anbot, den Verlauf des Hockenheimrings darstellt.

Anruf bei dem Händler: Von einem Fehler bei dem T-Shirt habe er nichts gemerkt, und ob das denn so schlimm sei, fragt er. Der Mann Luftlinie 50 Kilometer entfernt vom Ring ist offensichtlich kein Motorsportfan. Aber ihm leuchtet das Argument ein, dass es etwas peinlich werden könnte, wenn einer seiner Kunden mit dem Textilstück am Nürburgring erscheint. Schließlich machen sich im Netz Fans schon lustig, sogar eine Montage aus beiden Rennstrecken geistert durch Facebook.

Der Mann hat eine Idee: „Dann verschenken wir es eben ans Rote Kreuz für Afrika.“ Ist ja auch nur noch eines da. Ein einziges sei verkauft worden. Für 49 statt 99 Euro, „das war die ursprüngliche Preisempfehlung von Boss“. Boss werde nun vielleicht behaupten, das Shirt sei gefälscht, sagt er. „Ist ja auch ein peinlicher Fehler.“ Drei Tage später ist das T-Shirt nicht mehr in seinem Onlineshop.

Und Hugo Boss hat die Zeit genutzt, um die Echtheit zu überprüfen. Die Antwort aus Metzingen dürfte Nürburgring-Anhänger aber auch nicht zufriedenstellen: „Es gab nie ein Nürburgringmotiv.“ Das ist eine Ungerechtigkeit, denn 2007 legte Boss nach eigenem Bekunden Shirts auf mit diversen Rennstrecken – „Silverstone, Indianapolis und Grand Prix of Germany Hockenheim.“ Kein Nürburgring – da musste ja einfach Abhilfe her? Das Nürheimhockenburg-Shirt als missglückter Akt der Notwehr? Ein dreistes Plagiat, das man auf einem Basar vermuten könnte, bei einem deutschen Händler?

Der Bonner weist das weiter von sich. Er sei schon lange im Geschäft, arbeite wegen möglicher Piraterie auch eng mit dem Zoll zusammen, und die Lieferkette sei lückenlos. Er verweist auch auf eine von Boss intern vergebene Artikelnummer. Und die belege, dass das T-Shirt ein Original ist. Nur leider, leider wird es nächste Woche, bis er das raussuchen kann – so viel zu tun.

Die Boss-Sprecherin lässt dagegen wenig Zweifel zu, was von dem T-Shirt zu halten ist. „Wir sehen schon an den Fotos, dass es nicht echt ist. Leider wird es schwierig, wenn es nicht um große Mengen geht. Aber wir haben es unserer Rechtsabteilung übergeben.“

Lars Wienand