Archivierter Artikel vom 05.08.2010, 14:41 Uhr

London Nights

Was ist das Erwachsenwerden doch für eine lässige, hippe Party! Davon ist Regisseur Alexis Dos Santos wohl überzeugt. Sein Kinofilm „London Nights“ erzählt von jungen Menschen, die von Feier zu Feier tanzen. Sie alle haben ihre Problemchen. Warum? Einerlei. Und Prost!

Rastlos in London: Der junge Spanier Axl (Fernando Tielve) verehrt die von der Liebe enttäuschte Vera (Déborah François).
Rastlos in London: Der junge Spanier Axl (Fernando Tielve) verehrt die von der Liebe enttäuschte Vera (Déborah François).
Foto: Verleih

Das Leben ist ein Labyrinth. Was banal klingt, nimmt Regisseur Alexis Dos Santos wörtlich: In „London Nights“ lässt er seine emotional aufgewühlten Filmfiguren durch das Heckenlabyrinth eines englischen Parks laufen. Es ist nicht der einzige Irrgang des Films: Ein junger Spanier torkelt sturztrunken durch London, zwei Verliebte suchen einander. Schon in seinem Debüt „Glue“ (2006) beschrieb der argentinische Filmemacher junge Menschen, die sich im Leben verloren fühlen. Nun irren die Protagonisten seines neuen Werks durch einen Großstadtdschungel. In der weiblichen Hauptrolle ist Déborah François zu sehen, die 2005 mit dem Cannes-Gewinner „Das Kind“ bekannt wurde.

„Unmade Beds“ hieß das Werk im englischen Original. Der Titel wird zu Filmbeginn erklärt: Der Spanier Axl (Fernando Tielve) stellt sich die Frage, in wie vielen Betten er wohl bis zum Lebensende schlafen wird. Noch führt er ein Leben aus dem Koffer, wechselt von Bett zu Bett. „Es gibt Menschen, die schlafen ihr ganzes Leben in einem einzigen Bett“, stellt er verwundert fest. Von eben dieser Suche nach dem einen Ruhebett für die rastlosen, desorientierten Helden handelt „London Nights“.

Axl will in London seinen Vater finden, der ihn als Kleinkind bei seiner Mutter zurückließ. Vera (François) wurde von ihrem Freund verlassen, einem neuen Verehrer will sie weder ihren Namen noch ihre Telefonnummer verraten. Sie überlässt es mehr oder minder dem Zufall, ob sie sich treffen. Ein anderer Mann erzählt begeistert vom Fallschirmspringen und verschweigt dabei seine Höhenangst. Zusammengehalten werden diese dünnen Handlungsfäden von Partyexzessen und Sexszenen. Dazu läuft hippe Indie-Musik von alternativen Bands wie „Black Moustache“ oder „Mary and The Boy“.

Dos Santos erzählt eine leichtfüßige Geschichte, der er mit simplen Bildern und plumper Metaphorik Tiefgang verleihen will. Das Thema der Suche nach der eigenen Identität setzt Dos Santos mit verwackelten Aufnahmen von kostümierten Menschen auf Maskenbällen oder vom Leben in besetzten Häusern um. Das Set in einem Squat – einem besetzten Haus – sieht so aus, als sei es für den Dreh hübsch rausgeputzt worden. Letztlich ist „London Nights“ ein reiner Partyfilm, der das Leben feiert. Sozialkritik kommt nicht vor: Fast alle Figuren haben wenig Geld, problematisiert wird das nicht. Es sind flache Figuren, die verträumt durch die Gegend laufen. Sie trinken, sie tanzen, sie toben – und blicken dabei auch noch verkatert in die Kamera.