Archivierter Artikel vom 16.07.2010, 13:46 Uhr

Krummschnabel klärt auf: Polizei testet Geier zur Leichensuche

Hannover/Kaiserslautern – Das Landeskriminalamt Niedersachsen will künftig Truthahngeier zur Leichensuche einsetzen. Deshalb holten Beamte jetzt zwei der seltenen Aasfresser zu einem Spezialtraining. Die Idee hatte ein Polizist aus Kaiserslautern.

Krummschnabel klärt auf: Polizei testet Geier zur Leichensuche
Das war vor rund einem Jahr: Kriminalhauptkommissar Rainer Hermann (r) übernimmt sichtlich die beiden Geierbabys vom Bezirkspolizeikommandanten Völkermarkts, Oberst Mag. Viktor Musil. Inzwischen sind Columbo und Miss Marple über das Polizeischüler-Dasein hinaus.
Foto: dpa

Wo Geier kreisen, gibt es Tote. Das ist nicht nur im Western so, sondern möglicherweise bald auch in der Lüneburger Heide: Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen will künftig Truthahngeier zur Leichensuche einsetzen. Die seltenen Vögel sollen Tote aus großer Höhe aufspüren können. Ob sie wirklich für den Polizeidienst taugen, werde nun im Vogelpark Walsrode getestet, sagt der Leiter der Koordinationsstelle Kriminaltechnik vom LKA Niedersachsen, Rainer Herrmann. Die ungewöhnliche Idee hatte ein Polizist aus Kaiserslautern.

Ein Tierfilm brachte den pfälzischen Polizisten nach Schilderung Herrmanns vor Jahren auf die Idee, die begabten Tiere für den Polizeidienst zu trainieren. Dem LKA in Mainz war der Vorschlag aber zu ungewöhnlich – und so setzte Herrmann das Projekt dann in Niedersachsen um. Hermann holte kürzlich mit Kollegen zwei der seltenen Aasfresser im Vogelpark St. Primus im österreichischen Kärnten ab, die künftig über Niedersachsen kreisen sollen.

Bestehen sie den Test und lassen sich trainieren, könnten die Krummschnäbel Spürhunden gar den Rang ablaufen: Truthahngeier suchen große Flächen deutlich schneller ab als die Vierbeiner, meinen die Experten vom LKA. Zudem sind sie belastbarer und besonders für schwer zugängliche Gebiete geeignet. „Dafür sind sie deutlich eigensinniger als Hunde“, sagt Herrmann.

Die braunschwarzen Truthahngeier stammen aus Südafrika und können bis zu zwei Kilo schwer werden. Sie haben eine Flügelspannweite von ungefähr 1,80 Metern. Im Gegensatz zu anderen Geiern haben Truthahngeier nicht nur scharfe Augen, sondern auch einen exzellenten Geruchssinn. Momentan findet bereits Geier „Sherlock“ in der Flugshow des Vogelparks Walsrode brav Leichenattrappen und tierisches Aas. Da die Vögel aber längere Strecken nur in der Gruppe fliegen, holten die Beamten nun die beiden „Lehrlinge“ aus Österreich. Wie lange die Ausbildung dauert und ob die Geier überhaupt in den Polizeidienst aufgenommen werden, ist aber noch unklar, sagt Herrmann. Inzwischen hätten schon Kollegen aus der ganzen Republik Interesse angemeldet. Auch in Österreich sei man ganz gespannt auf das Ergebnis, sagt ein Sprecher der Polizei Kärnten.

Von Miriam Bandar