Archivierter Artikel vom 12.10.2012, 09:57 Uhr
London

Konzert im All: Britische Sängerin Sara Brightman fliegt zur ISS

Vor mehr als 30 Jahren hätten sie wohl viele für das schreckliche Musikvideo zu ihrer ersten Single gern auf den Mond geschossen: Jetzt fliegt die britische Sopranistin Sarah Brightman freiwillig ins All. Als Hobbyastronautin will sie die ISS besuchen.

Auf einer Pressekonferenz in Moskau gab Sarah Brightman ihren Ausflug ins All bekannt.
Auf einer Pressekonferenz in Moskau gab Sarah Brightman ihren Ausflug ins All bekannt.

Manche Briten halten es für das „schlechteste Musikvideo aller Zeiten“ – eine sonderbare Momentaufnahme der längst vergangenen Discopop-Epoche mit Kunstnebel, halbnackten Tänzern, Laserpistolengeräuschen und einer glutäugigen Frau in High Heels und einem silbern glänzenden Catsuit, die roboterhaft von sexy Aliens und einem „galaktischen Nervenkitzel“ singt.


Sarah Brightman bei einem Auftritt in der ZDF-Fernsehshow "Willkommen bei Carmen Nebel".
Sarah Brightman bei einem Auftritt in der ZDF-Fernsehshow „Willkommen bei Carmen Nebel“.

Kaum zu glauben, dass die 18-jährige Britin Sarah Brightman 1978 mit ihrer 500 000-fach verkauften Hitsingle „I Lost My Heart to a Starship Trooper“ bis zur Nummer Sechs der Hitparaden im Königreich aufsteigen konnte. Sie meinte es durchaus ernst mit ihrer überirdischen Leidenschaft. Jetzt, 34 Jahre später, sorgt die weltweit bejubelte Multimillionärin in ihrer Heimat erneut für Aufsehen – weil sie voraussichtlich im Herbst 2015 als achte Hobby-Astronautin die Raumstation ISS besuchen wird.

Brightman machte ihre überraschende Ankündigung in Moskau, der Hauptstadt des einzigen Landes, dessen fliegende Fähren zurzeit das internationale Labor in der Erdumlaufbahn versorgen können. „Es ist mein größter Traum, das Aufregendste, was ich jemals machen werde. Fast mein ganzes Leben lang empfinde ich ein unglaubliches Verlangen, ins All zu reisen“, sagte am Mittwoch vor Journalisten der 52-jährige Superstar. „Es erwachte 1969, als ein kleines Mädchen im Fernsehen sah, wie ein Mann sich sanft von der Leiter eines Raumschiffs abstieß und auf den Mond trat“. Brightman hat mit der US-Firma Space Adventures einen Vertrag abgeschlossen, der ihr einen Platz in einer „Sojuz“-Rakete zur ISS sichert. Sie wird angeblich zehn Tage im „russischen Sektor“ der Station verbringen, die Erde beobachten, als UNESCO-Botschafterin eine Reihe von Ansprachen zur „wissenschaftlichen Ausbildung von Mädchen und Frauen“ halten und live in 400 Kilometer Höhe einen neuen Song aufführen. Sein Titel: „Dreamchaser“ (zu Deutsch etwa: „Traumjägerin“).

Sarah Brightman startete ihre Karriere als Mitglied der Tanzgruppe „Hot Gossip“. 1981 spielte sie im West-End-Musical „Cats“ und lernte dort den berühmten Komponisten Andrew Lloyd Webber kennen, den sie später heiratete. Die Ehe hielt nur sechs Jahre, doch Webber verhalf dem jungen Talent zum internationalen Ruhm mit einer Rolle im Musical „Phantom der Oper“. 1996 feierte sie an der Seite des blinden italienischen Sängers Andrea Bocelli einen globalen Riesenerfolg mit dem Hit „Time to Say Goodbye“. Die Britin war der große Star bei den Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele 1992 und 2008. Mit insgesamt 30 Millionen verkaufter Alben gilt Brightman heute als erfolgreichste Sopranistin aller Zeiten. Nun will sie auch als erste Profi-Musikerin im All in die Geschichtsbücher eingehen.

Brightman wurde nach eigenen Worten von den russischen Medizinern intensiv getestet, die sie für fit befanden. Wie alle sieben Weltraumtouristen vor ihr (seit Dennis Tito 2001) wird sie im kommenden Jahr mehrere Monate lang im Sternenstädtchen bei Moskau für den Flug trainieren, Russisch lernen und sich bei Parabelflügen an die Schwerelosigkeit gewöhnen. Der Preis ihrer „traumhaften Reise“ bleibt ein streng gehütetes Geheimnis. Die US-Quellen nannten einen Betrag von 51 Millionen Dollar (39,5 Millionen Euro), mit dem die chronisch geldknappe russische Raumfahrtbehörde Roscosmos ihre Kassen auffüllen will. Der Chef der US-Firma Space Adventures, Eric Anderson, scherzte am Mittwoch, dass seine Kundin eine „Rückfahrkarte“ gekauft habe, er wollte jedoch nicht ins Detail gehen.

Von unserem Großbritannienkorrespontenten Alexei Makarsev