Archivierter Artikel vom 20.08.2010, 14:54 Uhr

Ich & Orson Welles

Nach „Before Sunrise“ und „Before Sunset“ erzählt Regisseur Richard Linklater eine Komödie um das Genie Orson Welles. In der Hauptrolle glänzt der noch relativ unbekannte Brite Christian McKay, der für seine Darstellung bereits mehrere Auszeichnungen erhielt.

Der junge Richard (Zac Efron, rechts) und Regie-Legende Orson Welles (Christian McKay) lieben dieselbe Frau.
Der junge Richard (Zac Efron, rechts) und Regie-Legende Orson Welles (Christian McKay) lieben dieselbe Frau.
Foto: Verleih

Richard Linklater gehört zu den US-amerikanischen Regisseuren, denen weitab der kommerziellen Filmindustrie immer wieder publikumswirksame Perlen gelingen. Seinen bisher größten Erfolgen „Before Sunrise“ und „Before Sunset“ fügt der inzwischen 50- Jährige mit „Ich & Orson Welles“ ein wirkliches Meisterwerk hinzu.

Im Zentrum der witzigen Komödie steht tatsächlich Orson Welles (1915 bis 1985). Der Regisseur, Produzent und Schauspieler beherrschte Radio, Theater, Kino, Zirkus, Varieté. Sein 1941 uraufgeführtes Kinodebüt „Citizen Kane“ gilt als einer der besten Filme aller Zeiten. „Ich & Orson Welles“ zeigt ihn davor, Mitte der 1930er Jahre: Der 22-jährige Welles (Christian McKay) inszeniert an einem New Yorker Theater Shakespeare und wird damit über Nacht zum Star. Die in detailfreudigen Bildern erzählte Geschichte zeigt auch die Helfer des Genies. Mädchen für alles ist die bildschöne Sonja (Claire Danes). Der 17-jährige Theater-Novize Richard (Zac Efron, bekannt durch die Disney-Fernsehfilme „High School Musical“), den Welles für ein Schauspieltalent hält, verliebt sich in sie. Mit Konkurrenz auf der Bühne wird Welles locker fertig. Im Bett aber kennt er nur eine Waffe: Tyrannei. Richards Kampf um Sonja scheint aussichtslos zu sein. Dennoch gibt er nicht auf.

Die große Spannung des Films resultiert aus der Frage, ob der verliebte Teenager Richard gegen den berechnenden Berserker Welles bestehen kann. Drumherum entfacht Richard Linklater nicht nur für Theaterfans ein Fest. Voller Liebe zur Bühne fängt er die falschen Töne hinter den Kulissen ein und huldigt dabei ohne Wenn und Aber dem künstlerischen Gigant Orson Welles.

Linklaters Verehrung ist aber nicht blind. Mit der Figur des naiven Richard feiert er zugleich die Lust am aufrechten Gang in jeder Lebenslage, egal ob in der Welt der Kunst oder sonst wo. Ohne je in die Karikatur oder gar ins Denunzieren abzugleiten, wird dabei auch all das Kleingeistige des großen Künstlers Orson Welles als Mensch deutlich.

Der luftig-feinen Inszenierung von Richard Linklater entsprechen die Akteure perfekt. Claire Danes („William Shakespeares Romeo + Julia“) begeistert mit lakonischem Sexappeal und Intelligenz, Zac Efron mit jugendlichem Übermut und erotisch aufgeladener Männlichkeit. Christian McKay verkörpert Orson Welles pointiert, rasant, flirrend. Es ist geradezu Oscar-reif, wie er zugleich alles Liebenswürdige und alles Hassenswerte des Genies und Menschenschinders zeigt.

In den USA kam der Film bereits im Vorjahr heraus und wurde von der Kritik stürmisch bejubelt. Jetzt endlich startet die zauberhafte Komödie über die geradezu magische Kraft der Kunst in den deutschen Kinos. Weil der Wortwitz und die Situationskomik enorm sind und von völlig unsentimentaler Romantik begleitet werden, werden sich dabei sicher auch Filmfreunde amüsieren, die den Namen Orson Welles noch nie gehört haben. Dem Genie des Kinos wird von Linklater im Kino mit einem Geniestreich schillernd gehuldigt.