Archivierter Artikel vom 07.10.2014, 15:10 Uhr

Hobbywinzers Bastelstunde

Wein zum Selbermachen? Mit diesem Geschenkset ist das in etwa so einfach wie Malen nach Zahlen.

Von unserer Redakteurin Nicole Mieding

Für Spielereien sind Weinfexe ziemlich empfänglich: Riechmemory, um die Nase zu schulen, Einschenktüllen, die den Wein beim Ausgießen belüften, oder Vakuumpumpen, die die Reste in der Flasche möglichst verlustfrei konservieren ... Die Genuss- und Lifestylebranche bietet allerhand, um den Inhalt im Glas zu zelebrieren. Den Winzern ist das recht egal. Kommen Menschen vorbei, die ums Probieren zu viel Gewese machen, schauen sie meist leicht irritiert. Auf offene Ohren stößt dagegen, wer sich für ihre Arbeit interessiert.

Während aufklärungswillige Kunden selbstverständlich durch den Weinberg spazieren, werden die Vorgänge im Keller wohl ein Geheimnis bleiben. Der Prozess, in dem aus Trauben Wein wird, behält etwas biblisch Andachtsvolles. Dabei ist, was im Keller eines Weinguts passiert, nur wenig spirituell, sondern reine Chemie – vorausgesetzt, man hat im Unterricht aufgepasst. Für den großen Rest hatte der rheinhessische Biowinzer Andreas Roll eine wunderbare Idee: einen Experimentierkasten für Weinliebhaber.

Auspacken: „My own organic“, also „mein eigener Ökowein, kostet 15 Euro (für die Weißwein-Cuvée – reinrassiger Riesling kostet 10 Euro mehr) und kommt chic-schlicht im Papprohr daher. Das enthält eine Flasche Bio-Traubensaft (aus eigener Ernte vom rheinhessischen Familienweingut Gustavshof) und zwei kleinen Jutepäckchen, in denen ein Röhrchen mit Schwefellösung und eins mit Bio-Trockenhefe stecken. Die Anleitung stellt uns den Wein in spe als “Gustel" vor. Das hat seinen Grund: Das EU-Recht erlaubt Weinerzeugung nur aus Traubenmost. Der wiederum darf nicht in Flaschen verkauft werden. Um den Vorgang der alkoholischen Gärung zu Hause nachzuvollziehen, spielt das aber keine Rolle, sagt Roll. Man ahnt, womit ein Winzer sich im Büro rumschlägt. Gustl also, schön. Bevor es ihn gibt, haben wir ihn ins Herz geschlossen.

Experimentieren: Man kann die liebevoll verfasste und äußerst lehrreiche Erklärung zur Entstehung von Wein lesen oder sich an die Kurzanleitung halten. Durstige seien gewarnt: Bis zum Wein, pardon Gustl, dauert's noch drei Wochen. Viel zu tun gibt's nicht: Hefe mit warmem Wasser anrühren, Momentchen warten, zum Saft schütten, wieder warten. Zwei Tage später beginnt's zu blubbern, nach zwei Wochen ist die Gärung abgeschlossen, und der Schwefel kommt rein. Zaubertrank fertig.

Fazit: Damit jetzt keiner denkt, Weinmachen sei wie Brausepulver anrühren: Den größten Teil der Arbeit hat uns der Winzer mit der Pflege und Lese der Trauben übers Jahr abgenommen. Macht er seinen Job gewissenhaft, kann im Keller nicht allzu viel schiefgehen. Das Versuchsergebnis ist jedenfalls erkennbar Wein und die Lust geweckt. Nun will ich mich an einem Riesling probieren und herausfinden, was passiert, wenn's im Keller kühler wird.