Archivierter Artikel vom 22.03.2013, 16:09 Uhr
Saalfeld

Frohe Ostern: 76-Jähriger schmückt Baum mit 10 000 Ostereiern

Schnee und Kälte haben Volker Kraft auch in diesem Jahr nicht bremsen können. Tag für Tag stiegen der 76-Jährige und seine Frau Christa seit Anfang März auf die Leiter, um ihren etwa fünf Meter hohen Apfelbaum in Saalfeld (Thüringen) mit Tausenden bunten Eiern zu schmücken.

Foto: DPA

„Das Wetter war sehr kritisch und wir wussten nicht, ob wir rechtzeitig fertig werden“, erzählt Kraft. Doch sie haben es einmal mehr geschafft.

Genau 10 030 Eier seien es geworden, sagt er. Und seit dem vergangenen Wochenende steht Krafts Gartentor weit offen für Besucher. Dabei ist der Baum längst kein Geheimtipp mehr: Als „wohl spektakulärsten Ostereierbaum in Thüringen“ preist ihn die Thüringer Tourismus GmbH auf ihren Internetseiten an.

Geschmückter Baum hat lange Tradition

Angefangen hat alles vor mehr als 45 Jahren. „Auf meinem Weg zur Schule gab es einen Fliederstrauch, der in der Osterzeit immer schön geschmückt war“, erzählt der Rentner. „Als ich dann selbst Kinder hatte, habe ich gesagt: Sie kriegen auch so einen Baum.“

Kurzerhand wurde das Apfelbäumchen im Garten geschmückt und die Familie war mit dem Ostereiervirus infiziert. Reichten anfangs noch 18 Eier aus, wuchs mit dem Baum Jahr für Jahr auch der Bedarf an Eiern. Sie wurden eigenhändig ausgeblasen und bunt verziert. Mitte der 90er Jahre knackte Familie Kraft die Marke von 1000 Eiern, voriges Jahr wurde die Zahl erstmals fünfstellig. Und die Bilder gehen um die Welt – bis in die Niederlande, USA oder nach Thailand.

In diesen Tagen sitzt Kraft nun in seinem Holzhäuschen mit Blick auf den Baum und empfängt die Besucher. Eintritt verlangt er nicht, verkauft lediglich Postkarten, Broschüren und bunte Eier. „Ich will nicht, dass jemand am Zaun stehen bleiben muss, weil er es sich nicht leisten kann.“ Gegen die Kälte hat er sich eine Felljacke übergezogen und eine Wolldecke über die Beine gelegt.

Ganze Familie hilft mit

Sichtlich stolz blickt er auf seinen Eierbaum, beantwortet geduldig die immer gleichen Fragen nach der Zahl der Eier (10 030), wie lange es gedauert hat, sie alle aufzuhängen (zwei Wochen) und wie er auf die Idee kam.

Das Verzieren überlässt Kraft jedoch Frau und Tochter. Die Eier sind liebevoll bemalt, eingehäkelt, mit kleinen Muscheln oder Mosaiken beklebt; auf einigen sind Körner als Futter für die Gartenvögel fixiert. Oft bringen auch Besucher Eier mit und so weiß Kraft über viele Exemplare kleine Geschichten zu erzählen.

Die besonders gut gelungenen Eier hat er in einer Vitrine ausgestellt, darunter Eier mit Stadtmotiven wie der Londoner Tower Bridge oder den einstigen Türmen des World Trade Centers in New York, ebenso wie ein hellblaues Ei mit den Signaturen von Bill und Hillary Clinton, das ihm ein Besucher aus den USA mitgebracht hat.

Freilich, vom Weltrekord ist Kraft mit seinem Baum weit entfernt. Als größten Ostereierbaum nennt das Guinness-Buch einen Baum im Rostocker Zoo, der am 8. April 2007 mit exakt 76 596 farbigen Eiern geschmückt war. Allerdings war dies eine einmalige Sache. Krafts Eierbaum ist dagegen ein „Baum der Herzen“, der die Besucher Jahr für Jahr ins Stauen versetzt.

Aktion macht neugierig

An diesem Tag etwa Undine Stefanides aus Laatzen bei Hannover und Elvira Ritte aus dem westfälischen Bocholt, die sich begeistert von den bunten Eiern und deren Vielfalt zeigen. „Ich bin schon in den vergangenen Tagen mehrmals vorbeigelaufen und habe gesehen, wie das Ehepaar auf Leitern den Baum geschmückt hat“, erzählt Stefanides. So wurde ihre Neugier geweckt.

Doch was treibt einen 76-Jährigen und seine ein Jahr jüngere Frau an, das ganze Jahr über Eier auszublasen, bunt zu dekorieren und dann bei frostigem Wetter den Baum für nur kurze Zeit zu schmücken – jetzt, wenn die eigenen Kinder längst erwachsen sind? „Bei vielen Menschen, die zum ersten Mal hier sind, sieht man ein richtiges Funkeln in den Augen“, erzählt Kraft. „Und auch viele Kinder kommen hier vorbei.“ Der Eierbaum ist für ihn eine Leidenschaft. „Nachdem der Baum weithin bekanntgeworden ist, stehen wir in der Pflicht“, sagt Kraft. „Solange wir beide noch auf eine Leiter steigen können, machen wir das.“

Bis zu den Osterfeiertagen steht das Gartentor von Volker Kraft jeden Tag offen. Danach werden die Eier bis nächstes Jahr in Pappen verstaut und die kaputtgegangenen Exemplare – im Schnitt 200 bis 500 – ersetzt. „Mit jedem Stück, das der Baum austreibt, wird es schwieriger, ihn abzuschmücken“, erklärt der 76-Jährige. Doch bis dahin kann er sich noch einige Tage vom Schmücken erholen und an seinem Eierbaum und dem Funkeln in den Augen der Besucher erfreuen. Voriges Jahr seien es immerhin rund 15 000 Gäste gewesen.