Archivierter Artikel vom 10.08.2012, 21:05 Uhr
Saarbrücken

Freispruch: Kein Bußgeld für Gäste von „Meikels Facebook-Party“ in Numborn

Sechs Gäste einer Facebook-Party im saarländischen 500-Seelen-Dorf Numborn sind vom Amtsgericht freigesprochen worden. Ihnen war nichts konkret nachzuweisen. Zur Party waren 2000 Menschen gekommen – und 160 Polizisten.

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Straßenfest ohne Gastgeber: Mehr als 2000 Leute waren zur Facebook-Party ins saarländische 500-Sellen-Dorf Numborn gekommen. Sechs standen vor Gericht – und wurden freigesprochen.
Straßenfest ohne Gastgeber: Mehr als 2000 Leute waren zur Facebook-Party ins saarländische 500-Sellen-Dorf Numborn gekommen. Sechs standen vor Gericht – und wurden freigesprochen.

Bei dem Event vergangenes Jahr hatten die sechs jungen Leute – fünf noch minderjährig – Bußgelder von je 200 Euro kassiert – zu Unrecht, wie das Amtsgericht Saarbrücken am Freitag mitteilte. Das Bußgeld war verhängt worden wegen „Belästigung der Allgemeinheit“, früher bekannt als „grober Unfug“. Geregelt ist das im Ordnungswidrigkeitengesetz.

Zwar war es nach Ansicht des Gerichts dort zu Gewalttätigkeiten gekommen. Dass die Beschuldigten konkret beteiligt waren, konnte ihnen aber nicht nachgewiesen werden. Verfahren gegen andere Betroffene stehen noch aus.

Im Juli 2011 waren etwa 2000 Feierwütige einer Einladung im Internet gefolgt, einen Eindruck vom Betrieb liefert dieses Video:

„Meikel“, ein 17-Jähriger, hatte nach dem noch bekannteren Beispiel von Tessa in Hamburg zu der Party aufgerufen – und das aus Versehen öffentlich, wie er erklärte. 4.500 Facebook-Nutzer hatten sich daraufhin im Netz angemeldet. Er war mit seinen Eltern bei dem Termin verreist – und war vermutlich froh, die größte Facebook-Party DEutschlands zu verpassen.

Einige Partygäste hatten an Bushaltestellen, Zäunen und Häusern randaliert. Der Gesamtschaden war auf rund 50 000 Euro geschätzt worden, die POlizeigewerkschaft hatte die Kosten des Polizeieinsatzes zudem auf mehr als 100.000 Euro geschätzt. Nach Polizeiangaben gab es 69 Festnahmen. Insgesamt fünf Personen wurden verletzt. Kurz danach hatte Innenminister Stephan Toscani erklärt, dass die Randalierer zur Rechenschaft gezogen werden. "Im Fall von Numborn werden die verantwortlichen Behörden alle Hinweise zusammentragen und das gemeinsame Vorgehen absprechen. Wer gegen das Recht verstößt, wird bestraft.“

Numborn tauchte mehrmals in den Schlagzeilen auf. Zuletzt hatte die Polizei dort im Juli die Neuauflage einer Facebook-Party erwartet. Das 500-Einwohner-Dorf hatte sich mit einem Partyverbot gegen den möglichen Ansturm gerüstet. Gekommen waren schließlich nur sechs Leute.