Archivierter Artikel vom 05.06.2012, 21:54 Uhr
Nürburgring

Finale: Tote Hosen lassen Ring noch einmal beben

Mit deutschen Bands ging das 26. Rock-am-Ring-Festival auf dem Nürburgring zu Ende. Und wer hätte besser für einen gelungenen Abschluss sorgen können als die Toten Hosen, die mit Zehntausenden vor der Hauptbühne ihren 30. Geburtstag feierten?

Am Sonntag ging das dreitägige Riesen-Festival mit einem Auftritt der Toten Hosen zu Ende. Die Punk-Rocker feiern in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum.

Jens Weber

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Nürburgring – Mit deutschen Bands ging das 26. Rock-am-Ring-Festival auf dem Nürburgring zu Ende. Und wer hätte besser für einen gelungenen Abschluss sorgen können als die Toten Hosen, die mit Zehntausenden vor der Hauptbühne ihren 30. Geburtstag feierten?

Die Düsseldorfer Punkrocker boten mal wieder alles, was der Ring-Besucher am finalen Festivaltag benötigt: Mitgröhltexte, Partyanimation und eine gute Show. Sänger Campino ließ sich auf den Händen des Publikums zum 100 Meter entfernten Beleuchtungsmast tragen, um dem Lichtmann ein Bier zu bringen, entzündete trotz des Verbots ein bengalisches Feuer, entledigte sich bei eisigen Temperaturen und Regen schon früh seiner Oberbekleidung und begrüßte als Geburtstagsgast Bad Religions Greg Graffin, mit dem er gleich noch drei Lieder sang. Genau das, was der Ring-Besucher nach einem nasskalten Tag, der als Definition für den Begriff des „Ringwetters“ dienen könnte, nötig hatte.

Auf der Alternastage sorgten derweil zwei andere deutsche Bands für den Abschluss: Einen mutigen Auftritt lieferten die Beginner, die sich keinen Schritt dem Rock in Rock am Ring näherten und auf Gitarren verzichteten. Damit besteht am Ring nur, wer ein extrem hohes Niveau bietet: Und das schafften Denyo, Eizi Eiz alias Jan Delay und DJ Mad, die auch ein überzeugendes Beasty-Boys-Medley als Tribut an den kürzlich verstorbenen MC Adam Yauch im Programm hatten.

Bei Deichkind regierte anschließend der Wahnsinn. Quer über die Bühne fuhren überdimensionale Quader, dazwischen sprangen Menschen in neongrellen Uniformen umher. Dazu krachten Beats, überall flackerte oder blinkte es. Doch was auf den Zuschauer zunächst wirkte wie Chaos, entpuppte sich beim genauen Hinsehen als perfekt choreografierte Show und harte Arbeit. Musik haben Deichkind auch gemacht – aber die nimmt im Gesamtkunstwerk meist nicht den wichtigsten Platz ein.

Deutsch gesprochen wurde auch bei der Pressekonferenz. Die Polizei zog nach einem aus ihrer Sicht ruhigen Ring-Wochenende ein positives Resümee (wir berichteten). Auch die Veranstalter waren zufrieden – nicht nur, weil das Festival schon weit im Voraus mit 87 000 Besuchern ausverkauft war. Marek Lieberberg freute sich über das erstmals angebotene Green Camping, sein Sohn André über die gelungene Mischung, die ihm bei der Zusammenstellung der Bands gelungen sei. Ein Sonderlob erhielten Metallica und Linkin Park, aber vor allem auch Tenacious D. Die Band um Hollywoodstar Jack Black hatte am Samstag mit einer Art Rock-Comedy für Stimmung gesorgt.

Und wo die beiden Lieberbergs schon so guter Laune waren, ließen sie sich auch ein wenig in die Karten schauen. Ohne es offiziell zu bestätigen, verriet Marek Lieberberg den Headliner für 2013. Angesprochen auf das Line-up, erklärte er vielsagend: „Ich habe doch eben übers Green Camping gesprochen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“ Keine Frage, dass mit dieser Andeutung nur die US-Punkband Green Day gemeint sein konnte. Einen ähnlichen Wink mit dem Zaunpfahl gab es in Sachen 30 Seconds To Mars und The Prodigy. Auch die Foo Fighters wären ein Headliner-Kandidat, so André Lieberberg – ob allerdings schon im kommenden Jahr, konnte er nicht sagen.

Um die Zukunft von Rock am Ring muss man sich also keine Sorgen machen. Oder doch? Immerhin muss das Festival ja auch irgendwo stattfinden, und der Nürburgring macht gerade weniger gute Schlagzeilen. Marek Lieberberg beteiligte sich nicht an der Erstellung möglicher Horrorszenarien: „Wir sind im großen Einvernehmen mit dem Ring-Betreiber. Alles andere liegt nicht in unserer Hand.“ Das Land Rheinland-Pfalz habe ihm aber signalisiert, dass alles getan werde, damit die Veranstaltung erhalten bleibt. Viel lieber will Lieberberg senior ohnehin laut über die Dinge nachdenken, die er mitbestimmen kann. In Sachen Zuschauerkapazität bewege man sich zwar an den Kapazitätsgrenze, sagte er, fügte aber hinzu: „Was wir machen könnten, wäre die Bühnen zu drehen.“ So könnte die Centerstage irgendwann da stehen, wo bislang die Alternastage stand. Damit würde man keine höhere Kapazität erreichen, aber den Bereich vor der Bühne, den bislang die Boxengasse einengt, verbreitern.

An Plänen mangelt es für das größte deutsche Musikfestival also nicht. Geht es nach den Lieberbergs, wird also auch 2013 vom 7. bis 9. Juni wieder der Ring gerockt.

Von unseren Redakteuren Volker Schmidt und Markus Kuhlen